Bachelorarbeit, 2012
82 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Literaturverfilmung: Definition und Problematik
2.2 Narratologische Kategorien für die Literaturanalyse (nach Genette und Schmid)
2.3 Das filmnarratologische Analysemodell (nach Kuhn)
3. Analyse des Romans Effi Briest (Theodor Fontane)
3.1 Die Zeit in Effi Briest (nach Genette)
3.2 Die Stimme in Effi Briest (nach Genette)
3.3 Die Perspektive in Effi Briest (nach Schmid)
4. Analyse der expositorischen Filmsequenzen in FONTANE EFFI BRIEST
4.1 Analyse der visuellen Erzählinstanz in FONTANE EFFI BRIEST
4.1.1 Kamera
4.1.2 Mise-en-Scène
4.1.3 Szenenübergänge
4.2 Analyse der sprachlichen Erzählinstanz in FONTANE EFFI BRIEST
4.3 Das Zusammenspiel der Erzählinstanzen
4.4 Vergleich mit dem Roman Effi Briest
4.5 Fassbinders Erzähltechnik in FONTANE EFFI BRIEST als Textinterpretation
5. Analyse der expositorischen Filmsequenzen in EFFI BRIEST
5.1 Analyse der Bildebene in EFFI BRIEST
5.1.1 Kamera
5.1.2 Montage
5.2 Analyse der Tonebene (Musik)
5.3 Das Motiv der Körperlichkeit
5.4 Vergleich mit dem Roman Effi Briest
5.5 Huntgeburths Erzähltechnik als Textinterpretation
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Literatur als divergentes Medium filmisch interpretiert werden kann, wobei der Fokus auf der filmischen Methode und Inszenierung liegt. Anhand von Fontanes Roman "Effi Briest" und dessen Verfilmungen durch Rainer Werner Fassbinder sowie Hermine Huntgeburth wird analysiert, welche spezifischen narratologischen Mittel der Film einsetzt, um eine "Textinterpretation" des literarischen Stoffes zu leisten.
2.1 Literaturverfilmung: Definition und Problematik
Der Begriff der Literaturverfilmung beschreibt elementar formuliert die Umsetzung eines literarischen Textes in das Medium Film. Während die genaue Definition des Begriffs der Literatur nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, bezeichnet Verfilmung die „Produktion der Umsetzung eines schriftsprachlich fixierten Textes in das audiovisuelle Medium des Films“ (Jahrhaus 2003:751). Literaturverfilmung meint folglich eine transmediale Transformation eines sprachlichen und literarischen Ausgangstextes in das divergente Medium Film.
Der Begriff der Literaturverfilmung wurde in der deutschen Literatur- und Filmwissenschaft der 70er und 80er Jahre konträr diskutiert. Grund hierfür war die omnipräsente Vorstellung des ‚alten‘ Mediums Literatur, dem das neue Medium Film als „Vermassung“ und „Versimplung“ gegenüberstehe (Estermann 1965:14). Diese Glorifizierung der Literatur stand eng in Verbindung mit der Forderung nach der sogenannten „Werktreue“, also einer Verfilmung, die sich möglichst dicht an das ‚Original‘ halte, um seiner Aussage und seinem ‚Geist‘ gerecht werden zu können (Goetsch 1988:58). In dem Reallexikon der Literaturwissenschaft wurde sogar noch vor nicht allzu langer Zeit die „Höherbewertung der Literatur gegenüber dem Film“ formuliert (Jahrhaus 2003:752).
Der Medienwissenschaftler Knut Hickethier bemerkt zu diesem Diskurs, dass allein schon der Begriff der Literaturverfilmung eine qualitative Abwertung impliziere, da er auf die Vorwürfe der Verfälschung oder Verstümmelung der Literatur durch den Film anspielen würde (Hickethier 1989:183). Dieser Argumentation muss aber entgegengehalten werden, dass das Präfix „ver“ nicht zwangsläufig mit einer negativen Konnotation verbunden sein muss. Der Begriff der Verfilmung beschreibt vielmehr einen Medienwechsel: „Der Vorgang der ‚Verfilmung‘ impliziert notwendigerweise Verschiebung und Veränderung.“ (Bohnenkamp 2005:16) Diese mediale Transformation fordert eine differenzierende und eigenständige Betrachtung der verschiedenen Medien Roman und Spielfilm ohne eine Hierarchisierung der selbigen (Albersmeier 1989:18). In der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion stimmen viele Literaturwissenschaftler dieser Ansicht zu und sind der Meinung, dass das Konzept der Werktreue und die damit verbundene normative Wertung heutzutage überwunden seien (Schwab 2006:41, Gast 21999:7).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Literatur in divergente Medien transformiert wird, und stellt das Ziel der Arbeit vor: die Untersuchung der filmischen Methoden in zwei Verfilmungen von Fontanes Roman "Effi Briest".
2. Theoretische Grundlagen: In diesem Kapitel werden der Begriff der Literaturverfilmung problematisiert sowie die narratologischen Analysemodelle von Genette, Schmid und Kuhn als Grundlage für die Untersuchung vorgestellt.
3. Analyse des Romans Effi Briest (Theodor Fontane): Dieses Kapitel widmet sich der Romananalyse mit Fokus auf narratologische Kategorien wie Zeit, Stimme und Perspektive, um die Erzählweise des literarischen Vorlagewerks zu erschließen.
4. Analyse der expositorischen Filmsequenzen in FONTANE EFFI BRIEST: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der Filmversion von Rainer Werner Fassbinder, wobei visuelle und sprachliche Erzählinstanzen sowie Fassbinders spezifische Inszenierungstechnik untersucht werden.
5. Analyse der expositorischen Filmsequenzen in EFFI BRIEST: Dieses Kapitel analysiert die Verfilmung von Hermine Huntgeburth unter Berücksichtigung von Bildebene, Tonebene und Körperlichkeit und kontrastiert diese mit der vorherigen Analyse.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und stellt fest, dass die Adaptionsstrategien der Filme maßgeblich zu deren unterschiedlicher Wirkung beitragen.
Literaturverfilmung, Effi Briest, Theodor Fontane, Rainer Werner Fassbinder, Hermine Huntgeburth, Narratologie, Erzählinstanz, Mise-en-Scène, Adaptionsstrategie, Filmtheorie, Filmästhetik, Point of View, Voice-Over, Medientransformation, Textinterpretation.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturwissenschaftlichen und medienwissenschaftlichen Untersuchung von Literaturverfilmungen am Beispiel von Theodor Fontanes Roman "Effi Briest" und dessen filmischen Adaptionen.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Literaturverfilmung, die narratologische Analyse von Roman und Film sowie der Vergleich unterschiedlicher Inszenierungsstile.
Die Forschungsfrage lautet: "Wie können Filme als divergentes Medium Literatur interpretieren?" und zielt auf die Analyse der filmischen Mittel ab, die als Interpretationskonzepte fungieren.
Die Arbeit nutzt narratologische Analysemodelle (insbesondere Genette, Schmid und Kuhn), um filmische Ausdrucksmittel wie Kameraeinstellungen, Montage und Tonebene systematisch zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine narratologische Analyse des Romans, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Expositorischen Filmsequenzen der Verfilmungen von Fassbinder und Huntgeburth.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Literaturverfilmung, Narratologie, Adaptionsstrategie, Erzählinstanz, Medientransformation und Textinterpretation.
Fassbinder nutzt eine distanzierende Inszenierung (im Sinne der Brechtschen Verfremdung), während Huntgeburth eher auf empathische Erzählweisen und die Identifikation mit der Figur Effi setzt.
Die expositorischen Sequenzen werden gewählt, weil sie den "ersten Eindruck" vermitteln und die grundlegenden narrativen Strategien sowie die Hauptfiguren des jeweiligen Werkes einführen.
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