Bachelorarbeit, 2013
69 Seiten, Note: 1,5
I. Einleitung
II. John Cages Werdegang zwischen der Musik und den Künsten
1. Früher Kontakt mit Dada und musikalische Ausbildung
2. Cage in Seattle und San Francisco
3. Cage in New York
4. Zufallskompositionen, Entgrenzung der Musik zum Theater, Lehraufträge
III. John Cage: Ästhetik und Werkbeispiele
1. Philosophischer Einfluss
1. Amerikanischer Transzendentalismus: Ralph Waldo Emerson
2. Zen-Buddhismus
2. Formen der Absichtslosigkeit: Zufall und Unbestimmtheit
1. Zufall
2. Unbestimmtheit
3. Simultanität der Ereignisse: Untitled Event (1952)
4. Stille: 4'33'' (1952)
IV. Die Rezeption der Ästhetik John Cages in Happening und Fluxus
1. Happening und Fluxus
1. Happening
2. Fluxus
2. Allan Kaprows 18 Happenings in 6 Parts (1959)
1. Kaprow in Cages Kursen an der New School for Social Research, 1956-1958
2. 18 Happenings in 6 Parts (1959)
3. Auswertung
3. George Brecht – Events
1. Brecht in Cages Kursen an der New School for Social Research, 1958-1959
2. George Brechts Word Event (1961) und Solo for Violin, Viola or Contrabass (1962)
4. Nam June Paiks Exposition of Music – Electronic Television (1963) und Zen for Film (1964)
1. Nam June Paik – Musik, Fluxus und Anti-Musik
2. Exposition of Music – Electronic Television (1963)
3. Zen for Film (1964)
V. Zusammenfassung und Ausblick
1. Zusammenfassung
2. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Musikästhetik John Cages die Entwicklung der Kunstströmungen Happening und Fluxus um 1960 maßgeblich beeinflusst hat. Ziel ist es, durch eine Analyse von Cages theoretischem Werdegang und exemplarischen Werkbeispielen aufzuzeigen, wie er traditionelle Gattungsgrenzen zwischen Musik, Bildender Kunst und Alltag auflöste und so neue künstlerische Ausdrucksformen wie Performances und interaktive Installationen ermöglichte.
3. Simultanität der Ereignisse: Untitled Event (1952)
Simultanität, oder auch Synchronizität, also das gleichzeitige Auftreten von Ereignissen, die in keinem Kausalzusammenhang miteinander stehen, tritt im Werk Cages in den 1940er Jahren als Resultat aus den Studien bei Schönberg einerseits und des Zen-Buddhismus andererseits auf. Diese Idee des unverbundenen Nebeneinanders bezieht Cage jedoch nicht nur auf seine Klangarbeit, sondern auch auf die einzelnen künstlerischen Medien und Gattungen. Zunächst äußert sich diese in der Kollaboration mit dem Tänzer und Choreographen Merce Cunningham. In den gemeinsamen Arbeiten von Cage und Cunningham gehen Tanz und Musik keine gemeinsame Beziehung mehr miteinander ein, sondern sie existieren gleichzeitig und unabhängig nebeneinander. Das bewirkt, dass traditionelle Denkmuster, wie der Auf- und Abbau von Spannung oder das Hervorheben von Höhepunkten sich auflösen und keine Rolle mehr spielen. Die einzige Struktur, die Cage, und in der Zusammenarbeit mit ihm auch Cunnginham, dem Werk zugrunde legt, ist die der Zeitklammern oder Zeitrhythmen: Das sind Fenster unterschiedlicher Dauern, in denen mehr oder weniger vorgegebene Ereignisse stattfinden. Cage verzichtet, darin an die Musik Erik Saties anknüpfend, auf die Strukturierung seiner Kompositionen durch Melodie oder Harmonie; stattdessen „konzentriert er sich auf den Rhythmus und die Zeit – die Erfahrung der Zeit.“ Für die Erfahrung von Zeit ist es für Cage immer wieder bedeutend, an den Ursprung, den Nullpunkt zurückzukehren, also dahin, wo es noch keine Entwicklungen gibt, wo die Dinge ihren Anfang nehmen – und wo sie eben zufällig und intentionslos gleichzeitig geschehen, und ebenso zufällig und intentionslos einander gegenseitig durchdringen können.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kunsthistorischen Umbrüche der 1960er Jahre und die Rolle John Cages als Inspirationsquelle für die Entgrenzung der Künste.
II. John Cages Werdegang zwischen der Musik und den Künsten: Dieses Kapitel zeichnet Cages musikalische Ausbildung, seine Begegnungen mit bedeutenden Einflüssen wie Dada, Schönberg und seinem Interesse an asiatischer Philosophie nach.
III. John Cage: Ästhetik und Werkbeispiele: Hier werden die philosophischen Grundlagen (Emerson, Zen-Buddhismus) und die zentralen Konzepte Zufall, Unbestimmtheit und Simultanität anhand von Schlüsselwerken erläutert.
IV. Die Rezeption der Ästhetik John Cages in Happening und Fluxus: Dieser Hauptteil analysiert, wie Kaprow, Brecht und Paik Cages ästhetische Prinzipien aufgriffen und für ihre eigenen performativen und interaktiven Kunstformen adaptierten.
V. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit resümiert die zentrale Bedeutung von Cages Ästhetik für die Überwindung traditioneller Gattungsgrenzen und reflektiert über das Potential für weitere kunsthistorische Analysen.
John Cage, Happening, Fluxus, Musikästhetik, Zufallskomposition, Unbestimmtheit, Zen-Buddhismus, Intermedialität, Allan Kaprow, George Brecht, Nam June Paik, Untitled Event, Exposition of Music, Partizipation, Grenzüberschreitung
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Musikästhetik von John Cage auf die Entstehung und Entwicklung der Kunstströmungen Happening und Fluxus in den späten 1950er und 1960er Jahren.
Zentrale Themen sind die theoretischen Konzepte von Zufall und Unbestimmtheit, die philosophischen Wurzeln im Zen-Buddhismus sowie die medienübergreifende Praxis von Happenings und Fluxus-Events.
Die Arbeit zielt darauf ab, zu zeigen, inwieweit John Cages Musikverständnis und seine Radikalisierung des Kunstbegriffs die künstlerische Arbeit von Kaprow, Brecht und Paik prägten und die Trennung zwischen Kunst und Alltag aufhoben.
Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die auf einer theoretischen Analyse von Cages Ästhetik basiert und durch eine exemplarische Analyse konkreter Werke und Aufführungen (z. B. Happenings, Events, Installationen) belegt wird.
Der Hauptteil analysiert die Rezeption von Cages Ideen bei den Künstlern Allan Kaprow, George Brecht und Nam June Paik, wobei deren spezifische Umsetzungen und Modifikationen im Vordergrund stehen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie John Cage, Happening, Fluxus, Zufall, Unbestimmtheit, Intermedialität, Partizipation und die Grenzüberschreitung zwischen Musik und Bildender Kunst charakterisieren.
Während bei Zufallsoperationen die Elemente des Werks für den Komponisten innerhalb eines bekannten Rahmens noch bestimmbar sind, bewegt sich die Unbestimmtheit in einem Bereich, der für den Künstler bei der Aufführung nicht mehr kontrollierbar ist.
Kaprow fokussiert auf die Partizipation und das Einbeziehen des Alltags in raumgreifende Happenings, Brecht abstrahiert das Event auf minimale Anweisungen, während Paik Cages Musikbegriff durch den Einsatz von Fernsehern und interaktiver Technologie ins mediale Zeitalter überträgt.
4'33'' dient als Schlüsselbeispiel für die Aufhebung der Trennung von Musik und Alltagsgeräuschen und veranschaulicht Cages Streben nach einer radikalen Absichtslosigkeit des Komponisten.
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