Magisterarbeit, 2012
91 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1 Theoretische Grundlagen zur Poetik der Kurzgeschichte
1.1 Die Kurzgeschichte als literarische Gattung
1.2 Definitionen und Merkmale – Poetiken lateinamerikanischer Autoren
1.2.1 Horacio Quiroga – Vorläufer in Lateinamerika (1878-1937)
1.2.2 Jorge Luis Borges – Der Kritiker (1899-1986)
1.2.3 Julio Cortázar (1914-1984)
1.2.4 Ricardo Piglia – Bolaños Freund (1941)
1.2.5 Tendenzen der postmodernen Kurzgeschichte
2 Zur Poetik bei Roberto Bolaño
2.1 Ethik und Ästhetik
2.1.1 Der Infrarrealismus
2.1.2 Ursprünge – Aristoteles und Platon
2.1.3 Die Bedeutung des Exils
2.1.4 Autobiografie und Fiktion
2.1.5 Strukturelle Entleihungen aus der Kriminalgeschichte
2.1.6 Der Leser als Detektiv
2.1.7 Die Rolle des Erzählers
2.1.8 Intertextualität – Der literarische Schatten
2.1.9 Grenzüberschreitungen
2.2 Consejos sobre el arte de escribir cuentos
3 Llamadas telefónicas – Zwischen Auflösung und Rekonstruktion
3.1 Fragmentierung
3.1.1 Teil I – Der Autor als fragmentierte Figur
3.1.2 Teil II – Fragmente verschiedener Realitäten
3.1.3 Teil III – Die Frau als fragmentierte Figur
3.2 Grenzüberschreitungen
3.2.1 William Burns – Metamorphose und Auflösung von Sinn
3.2.2 Arturo Belano – Zwischen Realität und Fiktion, Zeit und Raum
3.2.3 Clara und Llamadas telefónicas – Intertextualität
4 Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Poetik des chilenischen Autors Roberto Bolaño, wobei der Fokus auf dem Kurzgeschichtenband Llamadas telefónicas liegt. Ziel ist es, die spezifischen erzählerischen Strategien zu ergründen, mit denen Bolaño traditionelle Gattungsgrenzen der Kurzgeschichte dekonstruiert und in der Postmoderne neu verhandelt.
2.1.5 Strukturelle Entleihungen aus der Kriminalgeschichte
Hier wird deutlich, dass Bolaño die Struktur des Textes, sei es die einer Kurzgeschichte, eines Romans oder eines Theaterstücks, als das wichtigste Element in der literarischen Produktion betrachtet. Bolaño folgt hier Cortázars Beispiel, denn das Thema einer Geschichte ist zwar nicht unwichtig, aber es wiederholt sich seit Tausenden von Jahren. Die Struktur dagegen ist das Element, das die literarische Erfahrung am Leben erhält. Es wird zwar nicht klar, wie diese Struktur aussehen soll, allerdings bezeichnet Bolaño sie als die Musik der Literatur. Im übertragenen Sinne könnte man demnach sagen, dass die Struktur der Literatur einen Rhythmus, ein Tempo, die Spannung und Intensität vorgibt.
Bolaño wird häufig eine Nähe zur literatura policiaca nachgesagt. Die Frage ist, wie man diese definiert. De Rosso sagt Folgendes: El relato policial podría ser definido sobre tres ejes: una organización narrativa específica, una serie de rasgos temáticos y una construcción distintiva de la relación entre el texto y el lector [...] lo que distingue estructuralmente al policial es justamente que el relato policial organiza todas las operaciones del relato en función de la revelación de un enigma (De Rosso 2002b: 131).
Diese Aussage ist vage, es wird jedoch deutlich, dass sämtliche Aspekte der Geschichte darauf ausgerichtet sind, ein Rätsel aufzulösen. Quintero merkt an, dass die Kriminalgeschichte auf der Wiederholung basiert. Viele Charakteristika kommen immer wieder vor, so dass es für den Leser einfach ist, ein bekanntes Muster zu entdecken und sich ein Urteil über die Handlung zu erlauben. Philosophische Probleme und Anachronien werden gemieden, da sie das Verstehen der Geschichte nicht behindern sollen. Der Leser kann sich auf das Geschehen konzentrieren, so dass ihn logische Gedankengänge zur Auflösung bringen (Quintero: 41). Genau diese Erwartung des Lesers wird jedoch bei Bolaño enttäuscht. Bevor dieser Aspekt im nächsten Punkt besprochen wird, wird zunächst dargestellt, wie Bolaño über die Kriminalgeschichte denkt.
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie Bolaños Poetik einen Wandel in der Literatur markiert und inwieweit er die Gattungsgrenzen der Kurzgeschichte überschreitet.
1 Theoretische Grundlagen zur Poetik der Kurzgeschichte: Dieses Kapitel erörtert den Begriff der Poetik und die Entwicklung der lateinamerikanischen Kurzgeschichte im Kontext der literarischen Gattungen sowie der Einflüsse bedeutender Autoren.
2 Zur Poetik bei Roberto Bolaño: Hier werden Bolaños ethische und ästhetische Grundprinzipien beleuchtet, einschließlich seines Verhältnisses zum Infrarrealismus, zum Exil und zur Kriminalgeschichte.
3 Llamadas telefónicas – Zwischen Auflösung und Rekonstruktion: Der dritte Abschnitt widmet sich der konkreten Analyse des Kurzgeschichtenbandes, wobei die Themen Fragmentierung und Grenzüberschreitung zentral sind.
4 Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Bolaño die Gattung durch ein komplexes Netzwerk an Verweisen und eine aktive Leserrolle radikal umgestaltet.
Roberto Bolaño, Llamadas telefónicas, Kurzgeschichte, Poetik, Postmoderne, Fragmentierung, Intertextualität, Gattungstheorie, Infrarrealismus, Arturo Belano, Kriminalgeschichte, Literaturwissenschaft, Meta-Erzählung, Leserrolle, Literaturtheorie
Die Magisterarbeit untersucht die literarische Poetik von Roberto Bolaño und analysiert insbesondere, wie er mit der Gattung der Kurzgeschichte experimentiert.
Zu den zentralen Themen gehören die Auflösung traditioneller Gattungsgrenzen, das Verhältnis von Fiktion und Realität, der Einfluss von Exilerfahrungen auf das Schreiben und die spezifische Rolle des Lesers.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bolaño durch Fragmentierung und intertextuelle Bezüge ein neues Verständnis von Kurzprosa schafft, das über klassische aristotelische Strukturen hinausgeht.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der Sekundärliteratur zur Theorie der Kurzgeschichte sowie einer detaillierten Textanalyse des Bandes Llamadas telefónicas.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Erörterung der Poetik Bolaños und eine anschließende Textanalyse, die seine erzählerische Praxis aufzeigt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postmoderne, Intertextualität, Infrarrealismus und die Dekonstruktion narrativer Strukturen charakterisieren.
Der Leser nimmt bei Bolaño eine aktive, detektivische Rolle ein, da er die fragmentierten Informationen und intertextuellen Bezüge erst selbst zu einem Gesamtbild zusammenfügen muss.
Das Exil wird nicht nur als geografische Distanz verstanden, sondern als ein Zustand der existenziellen Marginalisierung, der den Schreibprozess und die ästhetische Haltung des Autors prägt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

