Magisterarbeit, 2010
146 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
1.1 Fragen, Ansatz, Forschungsstand
1.2 Vom Untergang zur Stunde Null – Gründungsmythen und historische Ausgangssituation
2. Georg Lukács – Praeceptor (Ost-)Germaniae
2.1 Leitwolf und Sündenbock – Georg Lukács, der Realismus und die Realität
2.2 Menschheitsdämmerungen – Der Expressionismus und wie die DDR zu ihrem ästhetischen Dogma kam
2.3 Blaue Blume, Roter Stern – Georg Lukács, romantischer Konvertit
2.3.1 Transzendentale Obdachlosigkeit und romantischer Antikapitalismus – Der junge Lukács
2.3.2 Salto mortale oder: Mein Weg zu Marx – Romantikkritik bei Lukács nach der Wendung zum Marxismus
2.3.3 Abenteuerhaftes Lumpengesindel – Lukács zu einzelnen Künstlerpersönlichkeiten
3. Dialog zwischen den Zeiten – Der Briefwechsel zwischen Anna Seghers und Georg Lukács 1938/39
4. Sand im Getriebe – Romantische Wahlverwandtschaften nach der Ankunft im Alltag
4.1 Im Widerspruch – Anna Seghers, Christa Wolf und immer wieder Lukács
4.2 Unbeständige Konstanten – Klassisches Erbe im Gang der Zeiten
5. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spezifik der produktiven Rezeption der deutschen Romantik durch Schriftsteller der ehemaligen DDR ab den 1970er Jahren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie es zu dieser thematischen Gemeinsamkeit bei verschiedenen Autoren kam und in welchem Zusammenhang dies mit den kulturpolitischen Debatten sowie der normativen Vorgeschichte durch Georg Lukács steht, dessen Romantikbild die Literaturpolitik der DDR maßgeblich prägte.
2.3 Blaue Blume, Roter Stern – Georg Lukács, romantischer Konvertit
In dem bisherigen Verlauf der Argumentation wurde versucht darzustellen, was mitgedacht werden muss, wenn von den ästhetisch-kulturellen Bedingungen der Deutschen Demokratischen Republik die Rede sein soll und was daher auch einer Analyse der DDR-Literatur zugrunde liegen muss. Herausgearbeitet wurde hierbei, dass es die historische Spezifik der Nachkriegszeit nötig macht, etwa die Debatte um den Expressionismus oder die Entstehungsgeschichte des sozialistischen Realismus‘ zu berücksichtigen, wenn es um die Rezeption der Romantik in der DDR-Literatur gehen soll. Es handelt sich bei diesen Aspekten, um grundlegende Notwendigkeiten, deren Unkenntnis bzw. Vernachlässigung schlichtweg zu Fehlurteilen bzw. -deutungen führen würde, wenn man diesen Rückgriff angemessen zu beurteilen versucht: „Ohne Kenntnis von den Ursprüngen der Realismusdiskussion ist ein Verständnis sozialistischer Traditionen sowie der DDR-Kulturpolitik und ihrer Literatur kaum möglich.“ Bereits in der Zeit zwischen den Weltkriegen traten, wie gezeigt wurde, konträre Positionen bezüglich der Kunst- und Literaturauffassungen zutage, die zu starken Kontroversen und langlebigen Auseinandersetzungen führten.
1. Einleitung: Diese Einleitung legt den Forschungsstand dar und formuliert die Grundthese, dass die Romantikrezeption der DDR untrennbar mit den Vorkriegsdebatten und der normativen Wirkung von Georg Lukács verbunden ist.
2. Georg Lukács – Praeceptor (Ost-)Germaniae: Dieses Kapitel analysiert die zentrale Rolle von Lukács als theoretische Instanz für die DDR-Kulturpolitik und sein negatives Romantikbild.
3. Dialog zwischen den Zeiten – Der Briefwechsel zwischen Anna Seghers und Georg Lukács 1938/39: Der Briefwechsel wird als Fundgrube für die Diskussion um Realismus, Tradition und ästhetische Freiheit zwischen den Exilschriftstellern beleuchtet.
4. Sand im Getriebe – Romantische Wahlverwandtschaften nach der Ankunft im Alltag: Untersuchung der produktiven Rezeption romantischer Motive durch Autoren wie Christa Wolf und Anna Seghers als emanzipatorischer Akt.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit resümiert, dass die Romantik in der DDR als Projektionsraum diente, um sich von einer dogmatischen Literaturpolitik zu befreien.
DDR-Literatur, Georg Lukács, deutsche Romantik, Anna Seghers, Christa Wolf, Sozialistischer Realismus, Rezeptionsgeschichte, Klassik, Expressionismusdebatte, kulturelles Erbe, Ideologiekritik, Kanon, Antifaschismus, Moderne, Literaturpolitik.
Die Arbeit untersucht, warum und wie Schriftsteller der DDR ab den 1970er Jahren die deutsche Romantik produktiv für ihr eigenes Werk nutzten und wie dies im Kontext der kulturpolitischen Geschichte der DDR steht.
Zentrale Themen sind die Rezeptionsgeschichte der Romantik, der normative Einfluss von Georg Lukács, die Bedeutung des kulturellen Erbes sowie die Entwicklung einer eigenständigen, emanzipatorischen Literatur in der DDR.
Das Ziel ist es, die "Wiederkehr" der Romantik in der DDR-Literatur aufzuzeigen und zu erklären, warum diese Epoche im offiziellen Kanon lange Zeit marginalisiert oder diskreditiert war.
Es wird eine literaturgeschichtliche und kontextualisierende Analyse angewandt, die primäre Quellen (Briefwechsel, Texte) und Sekundärliteratur zu den kulturpolitischen Debatten verbindet.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen durch Georg Lukács, den Briefwechsel zwischen Anna Seghers und Lukács sowie die literarische Praxis von Autoren wie Christa Wolf.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR-Literatur, Georg Lukács, Romantikrezeption, Klassik, Ideologiekritik und kulturelles Erbe charakterisiert.
Er dient als historisches Bindeglied und zeigt die theoretischen Differenzen im Verständnis von "Realismus" und "Tradition" auf, an die spätere DDR-Autoren anknüpfen konnten.
Da sie im Kontext der von Lukács geprägten marxistischen Ästhetik als "irrational", "reaktionär" oder "dekadent" eingestuft wurde, um sie vom offiziellen "humanistischen" Erbe der Klassik abzugrenzen.
Durch die staatliche Literaturdoktrin und Zensur wurde der Zugang zur Romantik ideologisch reglementiert, bis in den 1970er Jahren ein allmähliches, emanzipatorisches Aufbrechen dieser Normen einsetzte.
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