Magisterarbeit, 2008
181 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Pidgin- und Kreolsprachen
2.1 Pidgin
2.2 Kreol
2.3 Forschungsüberblick Kreolistik
3. Einordnung des jamaikanischen Patwa in das Forschungsfeld
3.1 Jamaikanisches Patwa
3.2 Etymologie des Terminus Patwa
3.3 Dialekte
3.4 Black English
3.5 Lingua Francas und künstliche Sprachen
4. Historische Hintergründe zur Entstehung des Patwa
4.1 Prä-Kolumbianische Ära
4.2 Spanische Besatzung
4.3 Englische Herrschaft
4.4 Sklavenbefreiung
4.5 Zwischenfazit
5. Heutige Situation in Jamaika
5.1 Die soziale Situation in Jamaika
5.2 Schulwesen
6. Sprachliche Situation
6.1 Sprachstandsüberblick
6.1.1 Bilingualismus
6.1.1.1 Kontinuum Modelle
6.1.1.2 DeCamp’s Kontinuum Model
6.1.1.3 Code Mixing
6.1.2 Orthographische Defizite
6.1.3 Analphabetismus
6.2 Soziale Stellung des Patwa in Jamaika
6.3 Sprachliche Merkmale
6.3.1 Grammatik
6.3.1.1 Syntax
6.3.1.2 Verneinung
6.3.1.3 Iteration
6.3.1.4 Zeitenbildung und Verbeflexion
6.3.1.5 Infinitivformen: de und a
6.3.1.6 Pluralbildung
6.3.1.7 Personalpronomina
6.3.2 Phonologie
6.3.3 Lexikon
6.3.3.1 Wortartenwandlung
6.3.3.2 Wortschatz
6.4 Aktuelle Einflüsse auf das Patwa
7. Sprache und Identität
7.1 Sprache und soziale Schließung
7.1.1 Abgrenzung von der Oberschicht
7.1.2 Maroons
7.1.3 Patwa in GB
7.1.4 Fremd- und Selbstdarstellung: Hollywood in Kingston
7.2 Sprache und Religion
7.2.1 Rastafarianismus und Dread Talk
7.2.1.1 Änderung der Bedeutungskonnotation
7.2.1.2 Nach ihrer Laut- oder Sinnbedeutung umgewandelte Wörter
7.2.1.3 I-yaric
7.2.1.4 Neologismen
7.2.2 Kumina
7.3 Sprache und Musik
7.3.1 Reggae, Clashes und Dubplates: sprachliche Profilierung durch Musik?
7.3.2 Sprache gleich Identität? Reggae und Patwa in Deutschland
7.4 Diskussion: Patwa, eine eigenständige Sprache?
8. Fazit
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der multikulturellen Geschichte Jamaikas und der darauf basierenden Identitätsbildung sowie der Entwicklung der jamaikanischen Sprache, des Patwa. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Patwa als Ausdrucksmittel jamaikanischer Identität fungiert und welche soziolinguistischen Dynamiken sowie externen Einflüsse diesen Prozess formen.
3.1 Jamaikanisches Patwa
Die Anzahl der Patwasprecher schwankt je nach Quelle zwischen 2,5 Millionen in Jamaika sowie mehreren Hunderttausenden in England (Smith, 1994) und bis zu fünf Millionen Sprechern einschließlich der Diaspora (Jumieka.com, 2008a). Bei einer Population von ungefähr 2,8 Mio. Einwohnern (Welt in Zahlen, 2007b) macht die Anzahl der Patwasprecher somit einen Großteil der jamaikanischen Bevölkerung aus. Holm (2000) nennt, mit Berufung auf eine Bevölkerungszahl von 2.616.000 Einwohnern im Jahr 1998, Jamaika das „most populous Creole-English-speaking country“ und das kulturelle Zentrum der anglophonen westlichen Karibik (Holm, 2000, S. 93). Solche Aussagen sind insofern kritisch zu betrachten, da es einerseits bis heute noch nicht gelungen ist, eine genaue Klassifizierung der Pidgin- und Kreolsprachen zu erstellen und andererseits das Wissen über die Existenz von Pidgins und Kreolen noch unvollständig ist (DeCamp, 1977).
Zudem gibt es keine festgelegten Kriterien, nach denen die verschiedenen jamaikanischen Sprachvarianten eindeutig dem Patwa bzw. dem Englischen zugeordnet werden können, womit auch keine zuverlässigen Angaben über die Anzahl der Sprecher gemacht werden können. Die ersten Forschungen über Patwa wurden zwar bereits 1868 von Russel betrieben (Kühnel, 1996), jedoch erst in den letzten 50 Jahren wurden wirklich ernstzunehmende Versuche unternommen, diese Sprache tiefergehend zu beschreiben.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Vielfalt der jamaikanischen Identität und Sprache ein und begründet die Entscheidung, den Terminus "Patwa" zu verwenden.
2. Pidgin- und Kreolsprachen: Hier werden die linguistischen Grundlagen von Pidgin- und Kreolsprachen erläutert sowie ein Überblick über die Kreolistik gegeben.
3. Einordnung des jamaikanischen Patwa in das Forschungsfeld: Dieses Kapitel grenzt das Patwa von anderen Sprachphänomenen wie Dialekten, Black English und Lingua Francas ab.
4. Historische Hintergründe zur Entstehung des Patwa: Dieser Abschnitt beleuchtet die Geschichte Jamaikas von der Prä-Kolumbianischen Ära bis zur Sklavenbefreiung und deren Auswirkungen auf die Sprache.
5. Heutige Situation in Jamaika: Das Kapitel analysiert die aktuelle soziale Lage und das Schulwesen und deren Einfluss auf die Sprachsituation.
6. Sprachliche Situation: Hier wird der Sprachstand, das Kontinuum, orthographische Defizite und spezifische grammatikalische Merkmale des Patwa detailliert untersucht.
7. Sprache und Identität: Dieses Kernkapitel untersucht das komplexe Verhältnis von Sprache und Identität anhand von sozialen Schichten, Religion und Musik.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für die Anerkennung des Patwa als eigenständige Sprache zur Förderung des jamaikanischen Selbstwertgefühls.
Patwa, Jamaika, Kreolsprache, Identität, Soziolinguistik, Pidgin, Dread Talk, Reggae, Rastafarianismus, Sprachwandel, Bilingualismus, soziale Schließung, Orthographie, Analphabetismus, Dekreolisierung
Die Arbeit untersucht, wie die multikulturellen historischen Hintergründe und die heutige soziale Situation in Jamaika die Entwicklung des Patwa als Identitätsmerkmal beeinflussen.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Patwa, seine linguistische Einordnung als Kreolsprache, die aktuelle soziale Lage in Jamaika, sowie die Rolle von Sprache in Religion und Musik.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Patwa als Ausdruck jamaikanischer Identität fungiert und die Notwendigkeit einer offiziellen Anerkennung als eigenständige Sprache zu begründen.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse unter Einbeziehung linguistischer Fachliteratur, aktueller Internetressourcen, informeller Befragungen sowie persönlicher Interviews.
Der Hauptteil analysiert die historische Entstehung, die aktuelle Sprachsituation, grammatikalische Merkmale des Patwa sowie deren enge Verknüpfung mit sozialer Identität.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Patwa, Kreolsprache, Identität, Soziolinguistik, Bilingualismus und Rastafarianismus.
Musik, insbesondere Reggae, dient als ein zentrales Medium, um die Sprache weltweit zu verbreiten und ein nationales sowie globales Identitätsgefühl zu stärken.
Da das Patwa keine standardisierte Schriftsprache besitzt und Englisch als Bildungssprache dominiert, entsteht eine Lücke, die oft zu hohen Analphabetenraten beiträgt und die Akzeptanz des Patwa im offiziellen Kontext erschwert.
Die Autorin wählt diesen Terminus, weil er den Sprachgebrauch des Großteils der jamaikanischen Bevölkerung widerspiegelt und die Entscheidungshoheit der Sprecher über ihre eigene Sprache respektiert.
Die Globalisierung verstärkt einerseits den Einfluss des Englischen, fördert aber andererseits durch Medien und Musik eine "Lokalisierung", die das Patwa zu einer eigenständigen Standardsprache weiterentwickeln könnte.
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