Masterarbeit, 2013
123 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Das Bio-psycho-soziale Modell von Lösel
2.1 Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund
2.2 Konzeptionelle Grundlagen
2.2.1 Dissozialität
2.2.2 Delinquenz
2.2.3 Kriminalität
2.3 Methodik und Stichprobe
2.4 Risikofaktoren als zentrale Begrifflichkeit des Modells
2.5 Delinquenz als abhängige Variable
2.6 Beschreibung der einzelnen Risikofaktoren
2.6.1 Familiäre Disharmonie und Erziehungsdefizite
2.6.2 Multiproblem-Milieu und untere soziale Schicht
2.6.3 Genetische Faktoren und neurologische Schädigungen
2.6.4 Schwieriges Temperament und Impulsivität
2.6.5 Kognitive Defizite und Aufmerksamkeitsprobleme
2.6.6 Probleme in der Schule
2.6.7 Bindungsdefizite
2.6.8 Ablehnung durch Gleichaltrige
2.6.9 Anschluss an deviante Peergruppen
2.6.10 Verzerrte Verarbeitung sozialer Informationen
2.6.11 Problematisches Selbstbild und deviante Einstellungen
2.6.12 Defizite in Fertigkeiten und Qualifikationen
2.6.13 Problematische heterosexuelle Beziehungen
2.6.14 Probleme in Arbeit und Beruf
2.7 Schutzfaktoren
2.7.1 Resilienz und allgemeine Bedeutung der Schutzfaktoren
2.7.2 Freundschafts-Netzwerke als Schutzfaktoren
2.8 Wendepunkte im Lebenslauf
2.9 Zwischenfazit
3 Der labeling approach
3.1 Konzeptionelle Grundlagen
3.2 Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund
3.3 Beurteilung dieses Theorieansatzes und heutige Relevanz
3.4 Kritik am labeling approach
3.5 Zwischenfazit
4 Verbindung der besprochenen Ansätze
5 Eigene Befunde aus der Auswertung der Interviews
5.1 Stichprobe
5.2 Analysemethodik
5.3 Deskriptive Statistik und Limitationen
6 Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Entstehung von Kriminalität im Lebenslauf, indem sie das bio-psycho-soziale Entwicklungsmodell nach Lösel kritisch analysiert und um Aspekte des "labeling approach" erweitert, um ein umfassenderes interaktives Karrieremodell für Delinquenz zu entwickeln.
Die Theorie der sozialen Desorganisation
Die Soziologen der Chicagoer Schule Shaw und McKay haben in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts als eine der ersten verschiedene Faktoren untersucht, die die unmittelbare Wohnumgebung zu einem Risikofaktor für die Delinquenzgenese ihrer Bewohner hochstilisieren. Bedingt durch die Erkenntnis, dass ein niedriger sozioökonomischer Status und eine marode und heruntergekommene Bausubstanz eine starke Auswirkung auf das Leben in einem solchen Viertel haben, wird die Benachteiligung von Wohngebieten im Kontext der Delinquenzforschung als ein multidimensionales Konzept verstanden, das auf verschiedenen Ebenen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einwirkt. Insbesondere Aspekte wie wenig institutionelle beziehungsweise informelle Kontrolle und soziale Unterstützung und mehr Kriminalität im Umfeld, in dem sich schnell Lernmodelle für deviantes Verhalten finden, interagieren hier mit schwierigen Konstellationen im Elternhaus und psychologischen oder kognitiven Störungen.
Hinzu komme häufig, dass gerade in Wohnquartieren in schlechter Lage auf engstem Raum viele Familien aus sozial schwachen und problematischen Verhältnissen zusammenleben. Diese zunehmende Segregation vor allem in Großstädten führe ferner dazu, dass gerade in sogenannten Problemvierteln eine Konzentration von Menschen gefördert wird, die in ihrem sozialen Außenseiterstatus homogen vereint sind.
Elliott et al. sehen daher in Nachbarschaften „transactional settings“, die das individuelle Verhalten und die Persönlichkeitsentwicklung sowohl direkt als auch indirekt signifikant beeinflussen können. Es gibt kaum eine Arbeit, die so oft rezensiert und reformuliert wurde wie die Shaws und McKays. So sekundieren Fox, Lane und Akers deren Ergebnisse folgendermaßen: „This ecologically-based explanation for delinquency (Anm. d. Verf.: from Sampson and Laub) assumes that rapid urbanization leads to a deterioration of community controls, resulting in disorganization and the replacement of traditional values with criminal values. Then, the area, not individuals, breeds crime regardless of who moves in and out of these neighborhoods.”
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die kriminologische Thematik von Gut und Böse ein und begründet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kriminalität im Lebenslauf sowie die Motivation zur Erweiterung des bio-psycho-sozialen Modells durch den labeling approach.
2 Das Bio-psycho-soziale Modell von Lösel: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Kontext und die konzeptionellen Grundlagen des Mehrfaktorenansatzes nach Lösel, der das Delinquenzrisiko als Kumulation verschiedener bio-psycho-sozialer Risikofaktoren abbildet.
3 Der labeling approach: Hier wird der labeling approach als sozialer Reaktionsansatz vorgestellt, der den Fokus von den Ursachen abweichenden Verhaltens auf die gesellschaftliche Reaktion und die damit verbundene Stigmatisierung und Selbstbildveränderung verschiebt.
4 Verbindung der besprochenen Ansätze: In diesem Kapitel wird theoretisch begründet, wie der labeling approach als Erweiterung in das bio-psycho-soziale Modell integriert werden kann, um sekundäre Devianzprozesse besser abzubilden.
5 Eigene Befunde aus der Auswertung der Interviews: Der Hauptteil enthält die qualitative Analyse von Interviews mit Strafgefangenen, um die Relevanz der theoretischen Risikofaktoren sowie des Labeling-Effekts anhand praktischer Lebensläufe zu überprüfen.
6 Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse: Das Fazit fasst zusammen, dass Kriminalität nicht monokausal erklärbar ist und betont, wie das Ineinandergreifen von Risikofaktoren und gesellschaftlichen Zuschreibungsprozessen einen kriminellen Lebenslauf verfestigen oder durch Schutzfaktoren positiv beeinflusst werden kann.
Kriminalität, Lebenslauf, Bio-psycho-soziales Modell, Lösel, Labeling Approach, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Delinquenz, Gewaltkriminalität, Jugendkriminalität, Sozialisation, Stigmatisierung, Resilienz, Biografieforschung.
Die Arbeit untersucht, wie sich kriminelle Karrieren bei Jugendlichen entwickeln, indem sie existierende biologische, psychologische und soziale Faktoren mit den Auswirkungen gesellschaftlicher Stigmatisierung verbindet.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Risikofaktoren (z.B. familiäres Klima, Schule, Freunde) und deren Zusammenspiel mit dem Prozess des Labelings (Etikettierung).
Das Ziel ist es, das klassische, auf Ursachen fokussierte Modell von Lösel durch den labeling approach zu erweitern, um ein ganzheitlicheres Bild der Entstehung antisozialer Persönlichkeiten zu zeichnen.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Fundierung mit einer strukturierten qualitativen Inhaltsanalyse von 130 Interviews mit inhaftierten jungen Erwachsenen.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung einzelner Risikofaktoren, die Vorstellung der labeling-Theorie und deren Verbindung, gefolgt von der empirischen Überprüfung dieser Zusammenhänge anhand der Interviews.
Die zentralen Begriffe umfassen Kriminalität im Lebenslauf, Risikofaktoren, Labeling Approach, Delinquenz und die Sozialisation von Jugendlichen.
Die Arbeit zeigt auf, dass negative Zuschreibungen durch die Gesellschaft – etwa durch die Polizei, Schule oder das Wohnumfeld – Jugendliche in eine abweichende Identität drängen können, was eine "Perspektivverengung" zur Folge hat.
Wendepunkte, wie etwa der Beginn einer festen Partnerschaft oder eine Ausbildung, können die Kette negativer Risikofaktoren durchbrechen und den Ausstieg aus einer kriminellen Karriere ermöglichen.
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