Examensarbeit, 2001
93 Seiten, Note: 1,3
0. Einleitung
1. Biographie und Autobiographie
1.1. Name und Herkunft
1.2. Kindheit und Jugend
1.3. Der Schriftsteller Georges Perec
2. Die literarische Verarbeitung des Traumas
2.1. Das Trauma und seine Auswirkungen
2.1.1. Zur Definition des Traumas
2.1.2. Georges Perecs Trauma
2.1.3. Die Auswirkungen des Traumas auf Perecs Texte
2.2. Die contrainte und die Prinzipien der Gruppe OuLiPo
2.3. Geschichten rund um die Lücke
2.3.1. La Disparition: Der fehlende Buchstabe
2.3.2. W ou le souvenir d’enfance
3.3.3. La Vie mode d’emploi
3. Trauma, Gedächtnis und Identität
3.1 Gedächtnis, Identität und soziale Gruppen
3.2. Namen und Identität
3.3. Perecs Beziehung zum Judentum
4. Auf der Suche nach dem Gedächtnis
4.1. Vorbemerkungen zu Perecs Gedächtnis- und Identitätssuche
4.2. Auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte
4.3. Je me souviens: Erinnerungen an das Alltägliche
5. Schreiben und Gedächtnis
5.1. Definitionen von écrire
5.2. æncrage: Schrift als Anker -Verankerungen in der Schrift
5.3. Schreiben, damit nicht vergessen wird
6. Schlußbemerkungen
7. Bibliographie
7.1. Primärliteratur
7.2. Sekundärliteratur
7.3. Audiovisuelle Quellen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Verarbeitung individueller und kollektiver Traumata sowie die Gedächtnisthematik im Werk des französischen Autors Georges Perec. Zentrale Forschungsfrage ist, wie der durch den Holocaust und den Verlust der Eltern geprägte Autor dieses Trauma in seine Texte integriert und wie es seine autobiographische Praxis beeinflusst.
2.3.1. La Disparition: Der fehlende Buchstabe
La Disparition, erschienen 1969, muß zunächst als ein typisches OuLiPo-Werk angesehen werden. Bereits kurz nach seinem Eintritt in die Gruppe OuLiPo im Jahre 1967 beginnt Georges Perec, an dem Roman zu arbeiten. «Den äußerlichen Anstoß für das Buch gab Raymond Queneau bei einer Versammlung von OuLiPo: Der französischen Literatur fehle noch ein Sprachexperiment, ein Lipogramm, bei dem ein ganzer Roman unter Auslassung des Buchstabens E geschrieben würde.» Insofern stellt La Disparition auf den ersten Blick ein gigantisches Sprachspiel dar, bei dem eine Reihe der wichtigsten Wörter der französischen Sprache eliminiert wurden.
La Disparition zu interpretieren, heißt in der Regel, die fehlenden Elemente des Romans zu analysieren: den fehlenden Buchstaben, das fehlende fünfte Kapitel (entspräche dem fünften Buchstaben im Alphabet), den fehlenden zweiten Teil (entspräche dem zweiten Vokal im Alphabet) etc. Indes scheint es problematischer zu sein, den Inhalt zu erfassen, zusammenzufassen und zu interpretieren. Dabei hat der Roman eine nicht unbedeutende Rahmenhandlung, die jedoch durch wechselnde Erzählperspektiven, ungewohnte Syntax sowie ungewohntes Vokabular, viele ironische, satirische und burleske Passagen, das Einstreuen von Gedichten, wissenschaftlichen Texten, politischen Erklärungen und vielem mehr verschleiert wird.
0. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Relevanz des Themas Trauma und Gedächtnis und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie die Auswahl der analysierten Texte vor.
1. Biographie und Autobiographie: Dieses Kapitel zeichnet die Lebensgeschichte von Georges Perec nach, mit besonderem Fokus auf den Verlust der Eltern im Holocaust und den Einfluss seiner Kindheit auf sein Schreiben.
2. Die literarische Verarbeitung des Traumas: Hier wird der theoretische Rahmen um den Begriff Trauma definiert und die Rolle der formalen Regeln (contraintes) als Werkzeuge zur indirekten Thematisierung dieses Traumas bei Perec untersucht.
3. Trauma, Gedächtnis und Identität: Das Kapitel analysiert die komplexen Wechselbeziehungen zwischen individueller und kollektiver Identität vor dem Hintergrund des traumatischen Verlustes und der damit verbundenen Entwurzelung.
4. Auf der Suche nach dem Gedächtnis: Diese Untersuchung widmet sich den methodischen Ansätzen Perecs bei der Rekonstruktion seiner Vergangenheit und seiner Auseinandersetzung mit alltäglichen Erinnerungen.
5. Schreiben und Gedächtnis: Das abschließende inhaltliche Kapitel erörtert die Bedeutung des Schreibens als ein ankerndes Handwerk und als notwendiges Medium gegen das Vergessen.
Georges Perec, Trauma, Gedächtnis, Identität, Holocaust, OuLiPo, contrainte, autobiographisches Schreiben, La Disparition, W ou le souvenir d’enfance, La Vie mode d’emploi, Leugnung, Erinnerung, Schreiben, Intertextualität
Die Arbeit untersucht, wie der französische Autor Georges Perec sein durch den Holocaust bedingtes Trauma literarisch verarbeitet und wie sich diese Lücke auf sein Gedächtnis und seine Identität auswirkt.
Die zentralen Felder sind die psychoanalytische Deutung von Perecs Werk, die Bedeutung seiner Kindheitserinnerungen sowie die literarische Praxis der Gruppe OuLiPo als Mittel der Traumabewältigung.
Ziel ist es, die Verbindung zwischen der traumatischen Erfahrung des Elternverlustes und der daraus resultierenden speziellen Schreibweise Perecs aufzuzeigen, die oft indirekte oder formale Wege wählt, um das Unaussprechliche zu thematisieren.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die biographische Fakten mit psychoanalytischen Theorien und strukturanalytischen Beobachtungen von Perecs Texten verbindet.
Der Hauptteil analysiert die Werke La Disparition, W ou le souvenir d’enfance und La Vie mode d’emploi unter Aspekten wie Namensgebung, Lückenhaftigkeit, Intertextualität und dem Schreiben als Gedenkarbeit.
Trauma, Gedächtnis, Identität, OuLiPo, Holocaust, autobiographisches Schreiben und Erinnerung.
Der Autor verzichtet in diesem Roman vollständig auf den Buchstaben E (ein Lipogramm). Dies symbolisiert das Fehlen seiner Mutter und stellt eine strukturelle Lücke dar, die Perecs eigene traumatisierte Erinnerung repräsentiert.
Die Protagonisten scheitern an dem Versuch, die Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Dies spiegelt Perecs eigene Unfähigkeit wider, seine zersplitterten Kindheitserinnerungen zu einer konsistenten Lebensgeschichte zu formen.
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