Bachelorarbeit, 2014
43 Seiten, Note: 1,3
I. Hartmann von Aue und der Stricker: die Verbindung zwischen „Iwein“ und „Daniel von dem Blühenden Tal“
II. Der sich verändernde Handlungsspielraum des Artusritter
II.1. Strukturelle Unterschiede zwischen „Iwein“ und „Daniel von dem Blühenden Tal“ und eine veränderte Gestaltung des Protagonisten
II.2. Die list als neuartige Handlungsmöglichkeit des Artusritter
III. Die list-Episoden in „Daniel von dem Blühenden Tal“
III.1. Jurân
III.2. Der bûchlôse
III.2.1. Zwischenepisode: Der Verlust des Grafen und Daniels Zeitnot
III.3. Der sieche man
IV. Die Rolle der Gewalt in „Daniel von dem Blühenden Tal“
IV.1. Die Massenschlachten und ihre Bedeutung
IV.2. Aussichtlosigkeit der alleinigen Gewaltanwendung: die Riesenvater-Episode
V. Fazit: Der neue Handlungsspielraum: Ablösung der Gewalt durch die list im ‚nachklassischen‘ Artusroman
Diese Bachelorarbeit untersucht den Wandel im Handlungsspielraum des Artusritters, indem sie Hartmanns von Aues „Iwein“ als klassischen Artusroman dem „Daniel von dem Blühenden Tal“ des Strickers gegenüberstellt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die neuartige Handlungskompetenz der „list“ (List/Verstand) im Vergleich zur klassischen ritterlichen Gewaltanwendung das Rollenverständnis und die Konfliktlösungsstrategien des Protagonisten verändert.
III.1. Jurân
Daniel trifft zunächst auf den Bruder des zuvor erwähnten Botenriesen, über den er bereits weiß, dass kein Schwert seine oder die Haut seines Bruders zu durchschneiden vermag (Dan, V.1047-1055). Der Protagonist ist sich darüber bewusst, dass er gegen den Riesen kämpfen muss, um nicht arbeit und […] êre (Dan, V.1060) zu verlieren. Allerdings weiß Daniel wie gesagt auch, dass er mit einem ‚einfachen‘ Schwert gegen den Riesen nichts ausrichten kann und dass ihm von seinem Gegner somit laster und […] tôt (Dan, V.1071) drohen. Daniel reflektiert seine – scheinbar ausweglose – Situation (Dan, V.1056-1110), doch seine Gedanken werden von ein frouwe (Dan, V.1115) unterbrochen, die ihm zu Füßen fällt und an der Daniel deutlich erkennt, dass ihr ein herzeleit geschehen ist (Dan, V.1123-1138). Der Protagonist sieht sich nun zwei Aufgaben gegenüber gestellt und überlegt, ob er zuerst gegen den Riesen kämpfen, oder der frouwe helfen soll (Dan, 1144-1164).
I. Hartmann von Aue und der Stricker: die Verbindung zwischen „Iwein“ und „Daniel von dem Blühenden Tal“: Dieses Kapitel etabliert die Verbindung zwischen Hartmanns „Iwein“ und dem „Daniel“ des Strickers und setzt den theoretischen Rahmen für den Vergleich zwischen klassischer und nachklassischer Artusepik.
II. Der sich verändernde Handlungsspielraum des Artusritter: Hier wird die theoretische Basis für den Wandel vom rein ritterlichen Zweikampf zur reflektierten Kompetenz der „list“ gelegt.
III. Die list-Episoden in „Daniel von dem Blühenden Tal“: Dieses Kapitel analysiert konkrete Einzelereignisse, in denen Daniel durch den Einsatz von Verstand statt roher Gewalt übermächtige Gegner besiegt.
IV. Die Rolle der Gewalt in „Daniel von dem Blühenden Tal“: Diese Sektion untersucht die Funktion der extensiven Massenschlacht-Szenen und wie diese die begrenzte Wirksamkeit der traditionellen Gewaltanwendung unterstreichen.
V. Fazit: Der neue Handlungsspielraum: Ablösung der Gewalt durch die list im ‚nachklassischen‘ Artusroman: Das Fazit fasst zusammen, dass die „list“ als zentrale Neuerung Daniel zu einem vollkommenen Helden macht und die überkommene Gewalt der klassischen Artusromane als Konfliktlösung ablöst.
Artusroman, Hartmann von Aue, Der Stricker, Daniel von dem Blühenden Tal, Iwein, list, Handlungsspielraum, nachklassische Artusepik, Gewaltanwendung, ritterlicher Zweikampf, Konfliktlösung, Protagonist, Mittelalterliche Literatur, Ritterethos, Aventiure
Die Arbeit analysiert den Wandel in der Darstellung des Artusritters vom klassischen zum nachklassischen Artusroman, speziell anhand des Vergleichs von Hartmanns „Iwein“ mit dem „Daniel von dem Blühenden Tal“.
Zentrale Themen sind die Entwicklung des ritterlichen Handlungsspielraums, die Bedeutung des Begriffs „list“ als rationale Handlungskompetenz und die Kritik an der Effektivität traditioneller ritterlicher Gewalt.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die „list“ im nachklassischen Werk des Strickers als überlegene und friedlichere Alternative zur reinen Gewaltanwendung eingeführt wird.
Es handelt sich um eine textbasierte literaturwissenschaftliche Analyse, die primär mit Textbelegen aus den beiden Primärtexten und der Forschungsliteratur arbeitet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von „list“-Episoden, die Analyse von Massenschlachten als Kontrastprogramm und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Riesenvater-Episode als finalem Nachweis der Überlegenheit des Verstandes.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „list“, „nachklassische Artusepik“, „Handlungsspielraum“ und „reflexives Handeln“ bestimmt.
Daniel ist von Beginn an als vollkommener Ritter dargestellt, der ohne eigene moralische Schuld agiert, während klassische Helden meist eine schuldinduzierte Krise durchlaufen müssen.
Da Daniels Gegner in den Einzelepisoden durch ihre übermenschliche Stärke oder spezielle Fähigkeiten „unbesiegbar“ wirken, ist der traditionelle ritterliche Zweikampf oft zum Scheitern verurteilt, was den Einsatz von „list“ zwingend erforderlich macht.
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