Magisterarbeit, 2012
132 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.2 Geschichtlicher Überblick
1.3 Aktuelle Lage
1.4 Begründung der Relevanz innerhalb der Ethnologie
1.5 Begründung der Relevanz über die Fachgrenzen hinaus
2. Das Vorhaben
2.1 Fragestellung und Hypothesen
2.2 Fallbeispiele
2.3 Theoretischer Hintergrund und Stand der Forschung
3. Grunddefinitionen relevanter Begriffe und was genau ist Antisemitismus?
4. Theorie
4.1 Der Fremde und der Andere
4.1.1 Differenz, Hierarchie und Abgrenzung
4.2 Erklärungsansätze des Antisemitismus und tragende Theorien
4.3 Kritische Rassismustheorie
4.3.1 Kategorisierungen des Rassismus nach W.D. Hund
4.4 Konstruktionen des Antisemitismus nach K. Holz
5. Praxis
5.1 Analyserahmen
5.2 Fallbeispiele: Darstellung und Analyse
5.2.1 Ritualmordvorwürfe in den „aufgeklärten“ Zeiten der Haskala
5.2.2 Völkisch-nationalistische Hetze im gegenwärtigen Ungarn
5.2.3 Literarischer Antisemitismus (fast) ohne Juden in Japan
5.2.4 Dämonisierende Filmproduktionen im islamisierten Antisemitismus
5.2.5 Tätliche Angriffe in den Niederlanden
6. Vergleich und Zusammenfassung der Ergebnisse
6.1 Antisemitismus, Rassismus, die Forschung und der Versuch eines Fazits
Die Arbeit untersucht die Funktion des modernen Antisemitismus innerhalb der Differenzkonstruktion und Identitätsstiftung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Rolle der Antisemitismus als identitätsstiftendes Prinzip spielt, wenn er zur Konstitution einer Wir-Gruppe durch Sinnkonstruktion und -selektion instrumentalisiert wird.
1.2 Geschichtlicher Überblick
Als Einstieg in die Thematik soll ein knapper Umriss der verschiedenen Formen der Judenfeindschaft dienen, um eine Verständnisbasis dieses Phänomens und der antisemitischen Denkweise zu liefern. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit bedeutet dies, die groben Strömungen und Entwicklungen des Antisemitismus anzureißen, um einen Ausgangspunkt für das Vorhaben zu schaffen, von dem ausgehend wir in die Theorie und anschließend in die analytische Tiefe gehen können.
Die Wurzeln des modernen antisemitischen Ressentiments liegen, wie wir gleich sehen werden, im weitesten Sinne im europäisch-christlichen Kulturraum, der sich von seiner „Vaterreligion“ (nach Adorno/Horkheimer 1950), dem Judentum, abzusetzen bedurfte. Frühere antijüdische Tendenzen in der Antike und im sog. „Alten Orient“, im Römischen Reich und später im Hellenistischen Einflussbereich hat es, meist aus Gründen des Festhaltens am monotheistischen Glauben an einen einzigen Gott im Judentum und der Ablehnung, Götter oder Riten anderer Glaubenssysteme darin zu integrieren, gegeben. Auch Entwicklungen im damaligen Zeiten grundlegende Einschnitte in die jüdische Geschichte gebracht, wie etwa die Zerstörungen des Tempels in Jerusalem (587 v.Ch. und 70 n.Ch.) oder die Zerstreuung ins Babylonische Exil (ab 589 v.Ch.), allerdings ist kein „identisches System“ hinter den Unruhen in Alexandria (38 n.Ch.) und den antijüdischen Attacken der Kirchenväter zu erkennen (Frindte 2006: 22, nach Claussen 1994a). Daher beschränkt sich die vorliegende Darstellung auf die Entwicklung der Hauptströmungen im für die Entstehung des modernen Antisemitismus relevanten Kulturraum.
1. Einleitung: Bietet einen Überblick über den Stand der Antisemitismusforschung und begründet die Relevanz der Thematik für die Ethnologie sowie über die Fachgrenzen hinaus.
2. Das Vorhaben: Definiert die Forschungsfrage, die zentralen Hypothesen und den methodischen Ansatz der Arbeit.
3. Grunddefinitionen relevanter Begriffe und was genau ist Antisemitismus?: Klärt grundlegende Konzepte und differenziert zwischen Vorurteilen, Rassismus und Antisemitismus.
4. Theorie: Analysiert Konzepte des Fremden, Rassismustheorien und die spezifischen Konstruktionen des Antisemitismus nach Klaus Holz.
5. Praxis: Wendet den erarbeiteten Analyserahmen auf fünf interkulturelle Fallbeispiele an, um die Sinnstruktur antisemitischer Vorfälle offenzulegen.
6. Vergleich und Zusammenfassung der Ergebnisse: Synthetisiert die Ergebnisse der Fallanalysen und diskutiert die Rolle des Antisemitismus als soziales und identitätsstiftendes Phänomen.
Antisemitismus, Rassismus, Differenzkonstruktion, Othering, Identität, Inklusion, Exklusion, Wir-Gruppe, Antisemitische Semantik, Sinnkonstruktion, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Vorurteilsforschung, Kulturtheorie, Nationalismus, Fremdbild.
Die Arbeit untersucht, wie Antisemitismus als identitätsstiftendes Prinzip in verschiedenen Gesellschaften dazu genutzt wird, eine „Wir-Gruppe“ durch die Ausgrenzung und Konstruktion eines jüdischen „Anderen“ zu definieren.
Die zentralen Themenfelder sind die soziologische Konstruktion von Differenz, die Analyse rassistischer Ideologien und die Untersuchung, wie Antisemitismus als Mechanismus der Sinnstiftung innerhalb der Differenzkonstruktion fungiert.
Das primäre Ziel ist es, zu erklären, welche Rolle der Antisemitismus spielt, wenn er als identitätsstiftendes Prinzip fungiert und ein jüdisches Fremdbild dazu dient, die eigene Wir-Gruppe zu konstituieren.
Es wird eine theoretisch fundierte, qualitativ-vergleichende Methode angewandt. Die Arbeit nutzt einen Analyserahmen, der auf Theorien von W.D. Hund (Rassismus) und Klaus Holz (Antisemitismus) basiert, um interkulturelle Fallbeispiele zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Rassismus- und Antisemitismusforschung sowie einen Praxisteil, in dem Fallstudien wie die Haskala, Antisemitismus in Ungarn, Japan, der islamisierte Antisemitismus und Anfeindungen in den Niederlanden analysiert werden.
Wesentliche Begriffe sind Antisemitismus, Differenzkonstruktion, Othering, Inklusion/Exklusion, Wir-Gruppe und Identität.
Obwohl die antisemitische Semantik (die Sinnstruktur) überraschend stabil bleibt, variiert der kulturelle und historische Kontext. In Japan etwa tritt er als „Antisemitismus ohne Juden“ auf, während er in islamisch geprägten Kontexten oder in den Niederlanden stark durch den Nahostkonflikt und aktuelle politische Spannungen geprägt ist.
Die Ethnologie bietet durch ihren Fokus auf das Verhältnis von „Eigenem“ und „Fremdem“ sowie die Erforschung von Inklusions- und Exklusionsmechanismen wertvolle Perspektiven, um Antisemitismus als kulturelles Phänomen und Teil der Sinnkonstruktion menschlicher Gesellschaften zu verstehen.
Die „Figur des Dritten“ dient als abstrakte Konstruktion, die es ermöglicht, Juden aus dem direkten sozialen Kontext zu lösen und als „unfassbares Drittes“ zu stilisieren, um Bedrohungsszenarien für die eigene nationale oder religiöse Identität zu erzeugen.
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