Bachelorarbeit, 2014
52 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Körper-Geist Dualismus und Künstlertum im Werk E. T. A. Hoffmanns
Biographischer Hintergrund
Das serapiontische Prinzip und die Duplizität allen Seins
Wahres Künstlertum am Beispiel des Ritter Gluck
E. T. A. Hoffmanns Ästhetik des Erhabenen
Das „Geisterreich“ der Musik
Die Entstehung der romantischen Musikästhetik
Die Metaphysik der Instrumentalmusik
Instrumentalmusik und Oper
Der Komponist Hoffmann
Don Juan als literarischer Topos
E. T. A. Hoffmanns Don Juan
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Verschränkung von Künstlertum, Musikästhetik und der gelebten Realität in den Erzählungen von E. T. A. Hoffmann. Dabei steht insbesondere die Analyse des sogenannten „serapiontischen Prinzips“ sowie die dialektische Spannung zwischen der Welt der Phantasie und der bürgerlichen Alltagswelt im Vordergrund.
Wahres Künstlertum am Beispiel des Ritter Gluck
Um das Verhältnis von innerer Schau und Werk, um das wahre Künstlertum, geht es auch in Hoffmanns Erzählung Ritter Gluck. Der Ich-Erzähler hört der Musik eines mittelmäßigen Orchesters zu und äußert sich negativ darüber. Da mokiert sich am Nebentisch ein Fremder, „schon wieder ein Oktavenjäger“. Es ist Ritter Gluck, der wie Kreisler zum Typus der Sonderlinge in Hoffmanns Werk gehört. Mit seiner Antwort kritisiert der Sonderling das starre Beharren auf Tonsatzregeln, die der Erzähler als Maß für die Beurteilung von Musik anwendet. Als das nächste Stück erklingt, gibt Gluck ein Beispiel, wie Musik eigentlich zu rezipieren sei. Der Rezeption des Erzählers, die mehr eine analytisch-theoretische ist, setzt Gluck nun eine völlige Hingabe der eigenen Person ans Werk entgegen. Als das Unterhaltungsorchester die Ouvertüre der >Iphigenie in Aulis< intoniert, verändert sich das Wesen des Sonderlings. „[...] die Augen erglänzen, ein tiefer, innerer Schmerz löst sich auf in Wollust, die alle Fibern ergreift und krampfhaft erschüttert – tief aus der Brust zieht er den Atem, Tropfen stehen auf der Stirn; [...] So belebte er das Skelett, welches jene paar Violinen von der Ouvertüre gaben, mit Fleisch und Farben.“ Gluck zeigt damit, dass das Werk als solches erst vollkommen wird, wenn der Rezipient seine Person an die Musik entäußert. Eine Wechselwirkung entsteht, wenn das klassische Sender-Empfänger-Modell statt einer linearen, eine zyklische Form annimmt. Interpret und Rezipient richten sich dabei nach dem Werk aus, das als verbindendes Medium fungiert.
Einleitung: Einführung in die Problematik der Zerrissenheit und die Sehnsucht nach ursprünglicher Einheit als zentrale Motive der Romantik.
Körper-Geist Dualismus und Künstlertum im Werk E. T. A. Hoffmanns: Analyse der expliziten Körperfeindlichkeit und der platonischen Dualität in Hoffmanns Erzählfiguren.
Biographischer Hintergrund: Untersuchung der Lebensumstände Hoffmanns und deren dialektische Spiegelung in seiner literarischen Produktion.
Das serapiontische Prinzip und die Duplizität allen Seins: Erläuterung des Kernprinzips Hoffmanns, das die Anerkennung des Dualismus von Innen- und Außenwelt zur Voraussetzung künstlerischen Schaffens macht.
Wahres Künstlertum am Beispiel des Ritter Gluck: Untersuchung des Verhältnisses von innerer Schau, Werk und der notwendigen Entäußerung des Rezipienten.
E. T. A. Hoffmanns Ästhetik des Erhabenen: Darstellung der Musikauffassung Hoffmanns als Erbe der Odentheorie und Ausprägung einer reflektierten Empfindung.
Das „Geisterreich“ der Musik: Analyse des Begriffs der unendlichen Sehnsucht und der Rolle der Musik als Sprache des Transzendenten.
Die Entstehung der romantischen Musikästhetik: Betrachtung des Bruchs mit der pythagoräisch-platonischen Musiktradition und der Emanzipation der Musik.
Die Metaphysik der Instrumentalmusik: Begründung der Instrumentalmusik als autonomer, romantischer Kunstform schlechthin.
Instrumentalmusik und Oper: Reflexion über die Rolle von Sprache und Musik sowie das Verhältnis der beiden Gattungen zueinander.
Der Komponist Hoffmann: Auseinandersetzung mit Hoffmanns eigenem musikalischem Stil und seinem ästhetischen Anspruch.
Don Juan als literarischer Topos: Historischer Überblick über die Entwicklung des Don-Juan-Stoffes vor Hoffmanns Bearbeitung.
E. T. A. Hoffmanns Don Juan: Analyse der radikalen Umdeutung der Mozartschen Oper durch Hoffmann zur faustischen Suche nach dem Absoluten.
E. T. A. Hoffmann, Musikästhetik, Romantik, Serapiontisches Prinzip, Instrumentalmusik, Duplizität, Zerrissenheit, Don Juan, Künstler, Philister, Unendliche Sehnsucht, Subjektivität, Metaphysik, Ideal, Identifikation
Die Arbeit untersucht das literarische und musiktheoretische Werk von E. T. A. Hoffmann unter dem Fokus seiner ästhetischen Prinzipien und seiner Lebensphilosophie.
Im Zentrum stehen die Konzepte des Körper-Geist-Dualismus, das serapiontische Prinzip, die Sonderstellung der Instrumentalmusik und die spezifisch romantische Auffassung von Erhabenheit.
Ziel ist es, die innere Struktur von Hoffmanns Ästhetik aufzuzeigen, insbesondere wie er die Zerrissenheit des modernen Menschen in der Kunst zu verarbeiten sucht.
Die Untersuchung nutzt einen strukturalistischen Ansatz zur Gegenüberstellung von Werk und Biographie, um analoge Strukturen statt bloßer inhaltlicher Analogien zu identifizieren.
Der Hauptteil analysiert zentrale Novellen wie „Ritter Gluck“, „Der Sandmann“ und „Don Juan“ sowie Hoffmanns musiktheoretische Schriften zur Symphonie und Oper.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Duplizität, romantische Musikästhetik, Transzendenz, Künstlertum und Idealismus definieren.
Hoffmann transformiert Don Juan von einem bloßen Libertin zu einem metaphysischen Sucher, der in der unendlichen Sehnsucht nach dem Absoluten gefangen ist.
Der Autor zeigt, dass Hoffmann als Musiker nach Versöhnung in der Kunst strebte, während er als Literat die Zerrissenheit seiner Existenz offen thematisierte.
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