Bachelorarbeit, 2014
73 Seiten, Note: 1,0
Prolog
Methodik
Erster Teil
Einführung in die Thematik der Obdachlosigkeit
1. Definition der Obdachlosigkeit
2. Soziologische Grundlagen des Wohnens Obdachloser
2.1 Wohnen als Grundlage des Lebens und Erlebens
2.2 Wohnen und Macht
2.3 Wohnen und Straßenobdachlosigkeit
2.3.1 Die Wohnwirklichkeit Obdachloser
2.3.2 Auswirkung des ‚obdachlosen Wohnens’ auf die Gesundheit
2.3.3 Widrigkeiten und Gewalt im öffentlichen Raum
3. Geschichte der Obdachlosigkeit
3.1 Obdachlosigkeit im Mittelalter
3.2 Erste Entwicklung von staatlich geregelten Hilfssystemen im späten Mittelalter
3.3 Repression sowie Arbeits- und Zuchthäuser im Absolutismus
3.4 Armenfürsorge in der Industrialisierung
4. Psychologische und sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze
4.1 Entwicklung von Psychopathie-Konzepten im 19. und 20. Jahrhundert
4.2 Konzept der pathologischen Wanderpersönlichkeit im Nationalsozialismus
4.3 Beibehaltung der pathologischen Erklärungsmodelle auch nach 1945
4.4 Innovationen in der Obdachlosenhilfe in den 1970er Jahren
4.5 Entwicklung eines multikausalen Begründungsmodells
4.6 Theoretischer Ansatz dieser Ausarbeitung
5. Im Abwärtsstrudel der Gesellschaft
5.1 Wohnungserhaltende Präventionsmaßnahmen
5.2 Mögliche Ursachen eines Wohnungsverlusts
5.3 Rechtliche Hilfen nach Eintritt der Wohnungslosigkeit
6. Straßenobdachlosigkeit
6.1 Ursachen der Straßenobdachlosigkeit
6.2 Hilfen für Obdachlose
6.3 Probleme im Hilfesystem
Zweiter Teil
Vertiefung der Forschungsfrage
1. Obdachlosigkeit und Sozialstruktur
1.1 Der soziale Raum
1.2 Präzisierung der Forschungsfrage
2. Wohnungslosigkeit in Zahlen: Die Sozialstruktur der Wohnungslosen
3. Sozialstruktur der Obdachlosigkeit
3.1 Erster Überblick über das Ausmaß der Straßenobdachlosigkeit
3.2 Straßenobdachlosigkeit in der Presse
3.3 Studien über Straßenobdachlosigkeit
3.3.1 Eine qualitative Untersuchung
3.3.2 Eine weitere Auswertung qualitativer Daten
3.3.3 Studie über Obdachlose in Niedersachsen
3.3.4 Bundesweite Untersuchung der Caritas
3.3.5 Auf der Straße lebende Menschen in Hamburg
3.4 Weitere Erkenntnisse aus den Experteninterviews
4. Fazit
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Obdachlosigkeit in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Frage, ob es sich dabei um ein sozialstrukturell bedingtes Risiko unterer Schichten handelt oder um schichtunabhängige Einzelschicksale. Dabei steht die Analyse der sozialen Herkunft von Obdachlosen im Mittelpunkt, um zu klären, ob Bildung und soziale Schichtzugehörigkeit gegen den Abstieg in die Obdachlosigkeit schützen können.
2.3.1 Die Wohnwirklichkeit Obdachloser
In Hinbezug auf die Wohnwirklichkeit der Betroffenen bedeutet dies, dass Straßenobdachlose auf keinen privaten Rückzugsraum zur Bewahrung der Intimsphäre zurückgreifen können. Für jegliche Handlungen, inklusive der täglichen Hygienemaßnahmen, sind diese auf die Existenz des öffentlichen Raums angewiesen.
Am weitesten verbreitet ist das Bild derjenigen Obdachlosen, die im Freien schlafen; im Fachjargon auch ‚Platte machen’ genannt. Die Betroffenen wohnen und schlafen dauerhaft an Plätzen des öffentlichen Lebens, wie an Straßen, Plätzen und Parkanlagen, aber auch in Baracken oder Wäldern (vgl. Neupert 2010: S.20). Im Winter hingegen haben sie mit widrigen Umständen zu kämpfen. Zum Schutz gegen die Kälte ziehen sie sich an wärmere Orte, wie z.B. öffentliche Toiletten, Bankvorräume oder Hausflure, zurück (vgl. Neupert 2010: S.20). Wer keine ausreichend geschützte Übernachtungsmöglichkeit findet, begibt sich in Lebensgefahr; allein im Zeitraum von 1991 bis 2004 sind mindestens 189 Obdachlose in Deutschland erfroren (vgl. Linde 2004: S.82).
Eine andere Möglichkeit unterzukommen sind niedrigschwellige Einrichtungen, die primär der Übernachtung dienen, wie Nachtcafés und Notunterkünfte. Diese werden im Winter verstärkt zur Verfügung gestellt, sie bieten den Betroffenen teils Matten, Decken und eine Mahlzeit an und müssen nach dem Frühstück wieder verlassen werden. Allerdings schwankt die Qualität zwischen den Unterkünften stark und eine Garantie unterzukommen gibt es hier nicht (vgl. Neupert 2010: S.17-20). Für viele eine letzte Möglichkeit, um im Warmen zu nächtigen, stellt das ‚Rutsche machen’ dar: das Schlafen in öffentlichen Verkehrsmitteln, was jedoch mit vielen Störungen und dem Risiko des Verweises verbunden ist (vgl. Neupert 2010: S.20).
1. Definition der Obdachlosigkeit: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Abgrenzung zwischen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit und stellt die ETHOS-Typologie als Klassifikationsgrundlage vor.
2. Soziologische Grundlagen des Wohnens Obdachloser: Es wird die Bedeutung von Wohnraum für das soziale Leben dargelegt und aufgezeigt, wie Obdachlosigkeit durch den Verlust von Privatheit und Rückzugsräumen die Existenzgrundlage entzieht.
3. Geschichte der Obdachlosigkeit: Die historische Entwicklung des Umgangs mit Massenarmut wird von der mittelalterlichen Fürsorge bis hin zu repressiven Maßnahmen in der Industrialisierung und der NS-Zeit nachgezeichnet.
4. Psychologische und sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze: Dieses Kapitel analysiert verschiedene theoretische Ansätze zur Entstehung von Obdachlosigkeit, angefangen bei früheren pathologischen Modellen bis hin zu modernen sozialwissenschaftlichen Theorien.
5. Im Abwärtsstrudel der Gesellschaft: Der Prozess des Wohnungsverlustes wird als multidimensionales Geschehen beschrieben, wobei staatliche Präventionsinstrumente und deren Defizite kritisch betrachtet werden.
6. Straßenobdachlosigkeit: Hier werden die Ursachen für das Scheitern an Hilfesystemen sowie die spezifische Lebenssituation von Menschen auf der Straße diskutiert, ergänzt durch die Analyse von Expertensichtweisen.
Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit, Straßenobdachlosigkeit, Sozialstruktur, soziale Ungleichheit, Armut, Hilfesystem, Wohnungsverlust, Prävention, Sozialraum, Pierre Bourdieu, Stigmatisierung, Lebenskarriere, soziale Exklusion, Wohnungsmarkt.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Obdachlosigkeit in Deutschland unter dem Aspekt, ob es sich um eine Folge sozialstruktureller Gegebenheiten oder um individuelle Schicksale handelt.
Neben soziologischen Grundlagen des Wohnens und einer historischen Einordnung thematisiert die Arbeit vor allem die Ursachen des Wohnungsverlustes und die Wirksamkeit aktueller Hilfesysteme.
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Gefahr, obdachlos zu werden, ein sozialstrukturell bedingtes Risiko der unteren Schichten ist oder ob Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und Bildung in diese Lage geraten können.
Die Recherche basiert primär auf der Auswertung bestehender Studien sowie zwei leitfadengeführten Experteninterviews mit Akteuren der Wohnungslosenhilfe.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen und eine praxisnahe Vertiefung, in der die Sozialstruktur der Betroffenen anhand von Daten und Expertenwissen analysiert wird.
Die zentralen Schlagworte sind Obdachlosigkeit, Sozialstruktur, Armut, soziale Exklusion, Wohnungsmarkt und Hilfesysteme.
Der Begriff beschreibt die problematische Zuständigkeitsaufteilung zwischen den Rechtskreisen SGB II, SGB VIII und SGB XII, die junge Menschen in prekären Situationen oft zwischen den Ämtern hin und her verweist.
Die befragten Experten, wie etwa von der BAG-W oder der Motz-Straßenzeitung, bemängeln die oft zu kurzfristige, auf bloße Überlebenssicherung ausgerichtete Hilfe und fordern eine politische Neuausrichtung sowie mehr datengestützte Analyse.
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