Bachelorarbeit, 2014
54 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Macht im organisationalen Kontext
2.1 Definition des Machtbegriffs
2.2 Deduktive Erklärungsansätze: Machtgrundlagen
2.2.1 Machtbasentypologie nach French / Raven
2.2.2 Erweiterungen und Ergänzungen zur Machtbasentypologie
2.2.3 Quellen der Macht nach Morgan
2.2.4 Grundlagen der Macht nach Crozier / Friedberg
2.2.5 Weitere Klassifikationen zu Machtgrundlagen im Überblick
2.3 Abgrenzung formeller und informeller Macht
2.4 Induktive Erklärungsansätze: Machtstrategien
3 Legitimationsquellen der informellen Machtzuerkennung
3.1 Psychologische Determinanten
3.1.1 Definition relevanter Bezugspunkte
3.1.2 Bezugspunkt Zutrauen
3.1.3 Bezugspunkte Vertrauen und Sympathie
3.2 Strukturelle Legitimationsquellen
3.3 Nutzung informeller Macht durch formelle Führungsinstanzen
4 Erscheinungsformen der informellen Machtausübung
4.1 Motive des Machstrebens von Individuen in Organisationen
4.2 Machtstrategien
4.2.1 Mikropolitische Akteure und Verhaltensweisen
4.2.2 Einflussstrategien von Geführten
4.2.3 Machiavellismus als mikropolitische Haltung
4.3 Negative Auswirkungen informeller Machtausübung
5 Kritische Würdigung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Systematisierung der existierenden wissenschaftlichen Literatur zur informellen Macht in Organisationen, um deren Voraussetzungen, Wirkungsweisen und Erscheinungsformen zu analysieren und kritisch zu bewerten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie informelle Machtverhältnisse entstehen, welche psychologischen und strukturellen Quellen ihnen zugrunde liegen und wie sie sowohl durch Akteure innerhalb der Organisation als auch durch formelle Führungsinstanzen aktiv genutzt werden können.
Idiosynkrasie-Kredit-Theorie nach Hollander
Die Idiosynkrasie-Kredit-Theorie nach Hollander zeigt auf, wie Akteure in Gruppen durch Leistungs- oder Konformitätsbeiträge – beispielsweise durch zielführende Beiträge zu Problemlösungen oder Verdienste hinsichtlich des Gruppenzusammenhalts – einen Kredit erwerben können. Dieser Kredit ist eine Form der Anerkennung, die idiosynkratisch, also ganz spezifisch auf eine einzelne Person bezogen, gewährt wird. Im Zeitverlauf erwirbt diese Person einen überdurchschnittlichen Kredit, wofür in der Folge Macht in Form von Gefolgschaft zuerkannt wird, der Kreditinhaber wird also zum informellen Führer.
Aus austauschtheoretischer Perspektive honorieren die Gruppenmitglieder die Leistungen des Kreditinhabers mit der Bereitschaft, auf dessen Ideen oder Anregungen einzugehen und gewähren ihm einen höheren Status und Wertschätzung. Diese informelle Machzuschreibung ermöglicht es dem Kreditinhaber, bei Bedarf vom bisher gewohnten Verhalten abweichende Aktivitäten zu zeigen, was auch als „produktive Nonkonformität“ bezeichnet wird. Diese innovative Kreativität würde man bei Gruppenmitgliedern ohne entsprechender Legitimation als Abweichung von den Gruppennormen im negativen Sinne ausgelegt. Bei Kreditinhabern allerdings führt dieses abweichende Verhalten zu einem weiteren Ausbau des Kredits, ihr Status innerhalb der Gruppe steigt weiter. Dafür werden nach Auffassung Hollanders an gewählte Führer auch höhere Anspruche gestellt als an formell ernannte.
Informelle Führer haben die Möglichkeit, auf die von der Organisation vorgegebenen Leistungsziele hinzuwirken. Dabei sind sie in der Regel nicht auf Führerschaft bedacht. Vielmehr ist ihnen die Förderung der Harmonie innerhalb der Gruppe sowie der Ausgleich von Spannungen wichtig. Sie tragen aktiv zur internen Kommunikation bei, sind dabei Wort- und Meinungsführer. Sie pflegen zu allen Mitgliedern der Gruppe Kontakte, insbesondere zu den Außenseitern der Gruppe, zeigen stets ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft und wirken bei Konflikten in der Gruppe ausgleichend.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz informeller Macht in Organisationen ein und skizziert das methodische Vorgehen sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Macht im organisationalen Kontext: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Machtforschung, verschiedene Machttypologien und differenziert zwischen formeller und informeller Macht.
3 Legitimationsquellen der informellen Machtzuerkennung: Hier werden psychologische und strukturelle Voraussetzungen analysiert, die dazu führen, dass Individuen informelle Macht zuerkannt bekommen.
4 Erscheinungsformen der informellen Machtausübung: Dieses Kapitel behandelt Motive, mikropolitische Strategien und deren Auswirkungen, inklusive negativer Phänomene wie Mobbing.
5 Kritische Würdigung: Das abschließende Kapitel reflektiert die dargestellten Forschungsergebnisse und leitet Empfehlungen für die künftige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema ab.
Informelle Macht, Organisationen, Machtgrundlagen, Mikropolitik, Machtstrategien, Legitimationsquellen, Zutrauen, Vertrauen, Sympathie, charismatische Führung, Machtmotiv, Machiavellismus, Mobbing, Führung von unten, Netzwerkanalyse.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der informellen Macht in Organisationen, das über die formalen, hierarchischen Strukturen hinausgeht und maßgeblich das Verhalten der Organisationsmitglieder sowie die Effizienz der Organisation beeinflusst.
Die zentralen Themen umfassen die theoretische Machtforschung, die Legitimationsquellen informeller Macht, mikropolitische Strategien sowie die Wirkungen informeller Macht, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.
Das primäre Ziel ist die Systematisierung der Fachliteratur zur informellen Macht, um ein tieferes Verständnis für deren Entstehung, Nutzung und Konsequenzen im organisationalen Kontext zu schaffen.
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die deduktive Erklärungsmodelle (z.B. Machtbasentypologien) und induktive Forschungsansätze (z.B. Mikropolitik) gegenüberstellt und kritisch zusammenführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Machtbegriffe, die Identifikation von Legitimationsquellen wie Zutrauen und Vertrauen sowie die detaillierte Darstellung mikropolitischer Verhaltensweisen und Strategien der Machtausübung.
Die Arbeit lässt sich am besten durch die Begriffe informelle Macht, Mikropolitik, Machtbasen, Legitimation sowie Einflussstrategien charakterisieren.
Formelle Macht basiert auf einer offiziellen, bürokratischen Autorität und Hierarchie, während informelle Macht auf individuellen zwischenmenschlichen Beziehungen, emergenten Normen und der persönlichen Zuerkennung von Einfluss durch andere Organisationsmitglieder beruht.
Die Theorie erklärt, wie Akteure durch positive Beiträge zum Gruppenzusammenhalt oder zur Problemlösung einen speziellen Kredit erwerben, der ihnen im Zeitverlauf den Status eines informellen Führers verleiht und ihnen erlaubt, von Gruppennormen abzuweichen.
McClelland unterscheidet hierbei zwischen personalisierter Macht (p-Macht), die eher selbstbezogen und oft negativ bewertet wird, und sozialisierter Macht (s-Macht), bei der das Machtstreben der Vernunft und sozialer Verantwortung untergeordnet ist.
Die Kontrolle über Bereiche, die für andere eine Ungewissheit darstellen, ist eine zentrale Machtquelle, da sie dem Akteur ermöglicht, die Bedingungen für andere zu beeinflussen und so Autonomie für sich selbst zu schaffen.
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