Magisterarbeit, 2002
269 Seiten, Note: Befried.
1. Einleitung
2. Zur Funktion von (Geschichts-)Lehrbüchern und deren Analyse
2.1 Zur Funktion von (Geschichts-)Lehrbüchern
2.2 Zur Funktion von (Geschichts-)Lehrbuchanalysen
2.2.1 NS-Darstellungsmerkmal Dogma
2.2.2 NS-Darstellungsmerkmal Mythos
2.2.3 NS-Darstellungsmerkmal Tabu
3. Entstehungsbedingungen von Schulbüchern in Österreich nach 1945
3.1 Schulbuchapprobationsverfahren und „Schulbuchaktion“ in Österreich
3.2 Lehrpläne für Geschichte (und Sozialkunde) in 4. Klassen AHS und Hauptschule, 1945 bis 1999/2000
4. Vorstellung des untersuchten Materials
5. Die Untersuchung
5.1 Raumanalyse
5.1.1 Darstellung der Methode
5.1.2 Graphische Darstellung der Auszählergebnisse
5.1.3 Ergebnis und Interpretation
5.2 Qualitative Inhaltsanalyse
5.2.1 Darstellung der Methode
5.2.2 Das Kategoriensystem
5.2.2.1 Faschismus als „zwangsläufige“ Konsequenz der Weltwirtschaftskrise
5.2.2.1.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.1.2 Interpretation
5.2.2.2 Diffamierung demokratischer Kräfte
5.2.2.2.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.2.2 Interpretation
5.2.2.3 Gleichsetzung unterschiedlicher Regime und Ideologien (totalitarismustheoretische Positionen)
5.2.2.3.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.3.2 Interpretation
5.2.2.4 Personalisierung und Anonymisierung
5.2.2.4.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.4.2 Interpretation
5.2.2.5 Österreich ausschließlich als Okkupationsopfer
5.2.2.5.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.5.2 Interpretation
5.2.2.6 Opfer-Täter-Umkehr
5.2.2.6.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.6.2 Interpretation
5.2.2.7 Das Konstrukt einer unwissenden, unschuldigen und durch Bedrohung und Manipulation ohnmächtigen Bevölkerung
5.2.2.7.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.7.2 Interpretation
5.2.2.8 Reduzierung des politischen Spektrums des Widerstands und der Widerstandleistenden
5.2.2.8.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.8.2 Interpretation
5.2.2.9 Harmonisierungstendenzen nach 1945 („Entnazifizierung“)
5.2.2.9.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.2.9.2 Interpretation
5.2.3 Zusammenfassende Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.2.3.1 Interpretation
6. Schlussbemerkungen
Die Arbeit untersucht, wie österreichische Schulgeschichtsbücher den Nationalsozialismus darstellen und ob diese Darstellung von Mythen, Tabus und Dogmen geprägt ist, die eine kritische Auseinandersetzung verhindern.
NS-Darstellungsmerkmal Dogma
Das Wort Dogma (griech. für Meinung, Lehre) bezeichnet einen Lehrsatz, der als nicht zu hinterfragende Wahrheit angenommen wird, ohne ihn einer Verifikation oder Falsifikation zu unterziehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch verstehen wir unter „Dogma“ eine Behauptung, die als allgemein richtig angenommen wird, obwohl ihr Wahrheitsgehalt äußerst zweifelhaft ist.
In der österreichischen Nachkriegsgesellschaft existierten lange Zeit Dogmen im Sinne von Glaubenssätzen über die Herrschaft des Nationalsozialismus, die teilweise bis in die Gegenwart wirken. Beispielsweise glaubte man, dass das Individuum unter der NS-Herrschaft machtlos gewesen sei, da einem Terrorregime auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, oder dass „man“ nichts von den Gräueltaten des Nationalsozialismus gewusst habe.
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über den Forschungsstand und formuliert die beiden Ausgangshypothesen zur Konstanz und zum Wandel der NS-Darstellung in österreichischen Schulbüchern.
2. Zur Funktion von (Geschichts-)Lehrbüchern und deren Analyse: Dieses Kapitel klärt die gesellschaftspolitischen Funktionen von Schulbüchern und definiert die Analysebegriffe Dogma, Mythos und Tabu im Kontext der NS-Aufarbeitung.
3. Entstehungsbedingungen von Schulbüchern in Österreich nach 1945: Hier werden die Approbationsverfahren sowie die Entwicklung der Lehrpläne von 1945 bis 2000 dargestellt, um den regulatorischen Rahmen der Schulbuchproduktion zu verdeutlichen.
4. Vorstellung des untersuchten Materials: Die Auswahl der 15 analysierten Lehrwerke wird begründet, wobei der Fokus auf Verbreitung und zeitlicher Abdeckung liegt.
5. Die Untersuchung: Das Hauptkapitel präsentiert die methodische Vorgehensweise und die Ergebnisse der Raumanalyse sowie der qualitativen Inhaltsanalyse.
6. Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird festgestellt, dass trotz einer positiven Ablehnung des Nationalsozialismus die Darstellung weiterhin von Mythen und Tabus beeinflusst ist, was eine kritische Identitätsbildung behindert.
Nationalsozialismus, Österreich, Schulgeschichtsbücher, Politische Bildung, Inhaltsanalyse, Mythen, Tabus, Dogmen, Vergangenheitsbewältigung, Österreichisches Selbstverständnis, Zweite Republik, NS-Herrschaft, Geschichtsdidaktik, Schulbuchaktion, Zeitgeschichte.
Die Arbeit untersucht, wie der Nationalsozialismus in österreichischen Schulgeschichtsbüchern für die 4. Klasse Hauptschule und AHS im Zeitraum von 1945 bis 2000 dargestellt wurde und wie sich diese Darstellung im Laufe der Zeit verändert hat.
Zentrale Themen sind die Vergangenheitsbewältigung, die Funktion von Schulbüchern als politische Medien sowie die Analyse spezifischer Mythen und Tabus in der Darstellung der NS-Zeit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, an welchen Darstellungen seit 1945 festgehalten wurde und inwiefern sich die Vermittlung des Nationalsozialismus durch gesellschaftliche und didaktische Veränderungen gewandelt hat.
Es kommen eine quantitative Raumanalyse sowie eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Anwendung, um die inhaltliche Struktur und die verwendeten Interpretationsmuster zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rahmenbedingungen, die Vorstellung des untersuchten Materials (Schulbücher) sowie die detaillierte qualitative Analyse anhand eines Kategoriensystems.
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, österreichische Identität, Opferthese, Schulbuchanalyse, Mythen, Tabus und politische Bildung.
Die Opferthese, wonach Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus war, bildet ein zentrales Tabu bzw. einen Mythos, der in den untersuchten Schulbüchern lange Zeit dominierte und erst in neueren Publikationen vorsichtig hinterfragt wird.
Arbeitsaufgaben sollen das affektive Lernen fördern, können jedoch, wenn sie Suggestivfragen enthalten oder ein vorgefertigtes "Verstehen" der Täter erzwingen, kritische Distanz eher verhindern als fördern.
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