Forschungsarbeit, 2015
246 Seiten
Vorbemerkung
Einleitung
I. Geoffroy attackiert die frommen Fundamentalisten
II. Goeoffroy de La Tour Landry und der Herr von Craon
III. Liebe, Ehe und Ehebruch bei Geoffroy
IV. Ein Skandal und seine Folgen
V. Liebeskonzepte bei Geoffroy
VI. Konsequenzen für das politische Lager der Craon
1. Ritterliche Tugend und Amt
2. Heiraten
VII. Von lustigen Witwen und einem Heiligen König
1. Lustige Witwen
2. Heiliger König
VIII. Patrides/Paridès oder Gautier d' Arras als Vorbild
1. Eheliche Trennungen als literarisches Konstrukt
2. Eheliche Trennungen in der historischen Wirklichkeit
IX. Geoffroy als Autor
X. Resümee und Ausblick - Frankreich
XI. Marquard von Stein und das 'Livre' Geoffroys
1. Marquard von Stein und seine Landesherren
2. Von Taugenichtsen und einem Tugendhaften
2.1 Die Taugenichtse
2.2 Der Tugendhafte
3. Marquards absichtsvolle Änderungen des 'Livre'
3.1 Helena als Tochter des Menelaus
3.2 Untergang der fünf Städte
3.3 Die Witwe des Ritters vom Kreuz
3.4 Schnecken und Einhörner
XII. Resümee und Ausblick - Deutschland
XIII. Schlussbetrachtungen
Die Studie untersucht das Werk "Der Ritter vom Turn" von Geoffroy de La Tour Landry und dessen spätere Adaption durch Marquard von Stein als getarnte politische Streitschriften, um aufzuzeigen, dass diese Texte entgegen ihrer oberflächlichen Lesart als Erziehungsschriften eine verborgene politische Agenda verfolgten.
I. Geoffroy attackiert die frommen Fundamentalisten
Zwar scheinen die Lehren Geoffroys für seine Töchter, ein frommes, sittenstrenges Leben zu führen, mit den allgemein verbreiteten Vorstellungen einer idealen christlichen Lebensführung übereinzustimmen. Von regelmäßigem Kirchgang und Messe-hören ist die Rede, vom Beten, den Lob und Danksagungen Gottes und der Mutter Maria, von Toten-Fürbitten, von den segensreichen Wirkungen des Fastens sowie der Pilgerfahrt und Beichte wird gehandelt. Jedoch werden die Darstellungen idealer christlicher Lebensführung und die gegebenen Exempel dermaßen übertrieben und grotesk konstruiert, dass Geoffroy beim überwiegenden Teil des adligen Publikums wohl mit einer Gegenreaktion rechnen kann, die dann mit der Ablehnung solch extremer Praktiken zur Relativierung des Sinns konsequent frommer Lebensweise überhaupt führt:
Gebete sollten morgens und abends zum Lob Gottes und seiner Mutter Maria gesprochen werden, ebenso nachts bei Unterbrechung des Schlafes. Hierbei sei darauf zu achten, dass die Gebeten andächtig gesprochen werden, ohne dass beim Gebet an andere Dinge gedacht wird. Das Morgengebet sei auf nüchternen Magen zu leisten, ohne vorher gefrühstückt zu haben, da ein gesättigter Mensch niemals so andächtig und demütig sein könne, wie ein hungriger.
I. Geoffroy attackiert die frommen Fundamentalisten: Das Kapitel erläutert, wie Geoffroy durch übertriebene und grotesk konstruierte Exempel die Glaubwürdigkeit extremistischer Frömmigkeitspraktiken untergräbt.
II. Goeoffroy de La Tour Landry und der Herr von Craon: Hier wird der historische Kontext eines Skandals beleuchtet, der als Ausgangspunkt für Geoffroys politische Argumentation dient.
III. Liebe, Ehe und Ehebruch bei Geoffroy: Es wird dargelegt, dass es Geoffroy nicht um eine strikte Verurteilung von Ehebruch geht, sondern um dessen öffentliche Handhabung und politische Folgen.
IV. Ein Skandal und seine Folgen: Das Kapitel verdeutlicht, dass das Werk des Autors primär eine literarische Intervention zur politischen Interessenvertretung im französischen Adel war.
V. Liebeskonzepte bei Geoffroy: Geoffroy analysiert hierbei die gesellschaftliche Konstruktion von Liebe und Minne als Instrumente zur sozialen Steuerung.
VI. Konsequenzen für das politische Lager der Craon: Das Kapitel analysiert, wie politische Interessen die ritterliche Ethik und familiäre Bündnisse, wie etwa Hochzeiten, instrumentalisierten.
VII. Von lustigen Witwen und einem Heiligen König: Es wird untersucht, wie Geoffroy historische Figuren und Heilige heranzieht, um die Lebensführung seiner Zeitgenossen zu kommentieren.
VIII. Patrides/Paridès oder Gautier d' Arras als Vorbild: Hier zeigt der Autor die Nutzung literarischer Konstrukte auf, um reale eheliche Trennungen zu legitimieren oder zu verurteilen.
IX. Geoffroy als Autor: Eine Analyse von Geoffroys Selbstdarstellung als Vaterfigur, die dazu dient, sein Werk als unpolitische Erziehungsliteratur zu tarnen.
X. Resümee und Ausblick - Frankreich: Eine zusammenfassende Einschätzung der politischen Stoßrichtung Geoffroys innerhalb des französischen Adelsgefüges.
XI. Marquard von Stein und das 'Livre' Geoffroys: Dieser Teil untersucht die Adaption der französischen Vorlage durch den württembergischen Adligen Marquard von Stein.
XII. Resümee und Ausblick - Deutschland: Betrachtung der Übertragung der politischen Streitschrift auf die spezifischen Machtverhältnisse in Württemberg.
XIII. Schlussbetrachtungen: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Funktion von Literatur als politisches Kampfmittel.
Geoffroy de La Tour Landry, Marquard von Stein, Der Ritter vom Turn, Politische Streitschrift, Adelskultur, Mittelalterliche Literatur, Ehebruch, Hofkultur, Politische Kommunikation, Exempel, Frömmigkeit, Adelslager, Literaturgeschichte
Die Arbeit analysiert die literarischen Werke "Der Ritter vom Turn" und dessen deutsche Übertragung als getarnte politische Instrumente zur Vertretung adliger Interessen.
Die Themen umfassen die Verknüpfung von Literatur und Politik, mittelalterliche Moralvorstellungen, höfische Lebensführung sowie die politische Instrumentalisierung von Ehebruch und Erziehungskonzepten.
Das Ziel ist es nachzuweisen, dass Geoffroy de La Tour Landry und Marquard von Stein ihre Texte gezielt als politische Kampfmittel nutzten, um Machtkonflikte innerhalb ihres jeweiligen Adelsmilieus zu adressieren.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die den Text im Kontext historischer politischer Ereignisse und sozialer Machtgefüge interpretiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse konkreter Kapitel, in denen der Autor fromme Praktiken karikiert, Ehebruch-Exempel zur politischen Diffamierung einsetzt und politische Programmatik hinter einem erzieherischen Deckmantel verbirgt.
Schlüsselbegriffe sind politische Kommunikation, Adelskultur, literarische Tarnung, Exempeltradition und die Transformation politischer Krisen in didaktische Texte.
Die Gräfin von Maine dient Geoffroy als konkretes Beispiel, um über die Dynamiken von Ehebruch, gesellschaftlicher Ächtung und politischer Stigmatisierung innerhalb des Adels zu debattieren.
Marquard von Stein übernimmt die literarische Struktur des "Livre", passt diese aber gezielt an die württembergischen Machtverhältnisse und seine eigene politische Agenda im 15. Jahrhundert an.
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