Magisterarbeit, 2003
135 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Merkmale der Gattung Kriminalliteratur
2.1 Kriminalliteratur versus Verbrechensliteratur
2.2 Der Detektivroman
2.2.1 Inhaltliche Elemente des Detektivromans
2.2.2 Strukturelle Elemente des Detektivromans
2.3 Der Thriller
2.3.1 Inhaltliche Elemente des Thrillers
2.3.2 Strukturelle Elemente des Thrillers
3 Einordnung der Kriminalgeschichten Friedrich Dürrenmatts
3.1 Der Richter und sein Henker – Die Erweiterung des Schemas
3.2 Der Verdacht – Der philosophische Kriminalroman
3.3 Das Versprechen – Der Abgesang auf eine Gattung
3.4 „Die Panne“ – ‚Das Spiel kippt in die Wirklichkeit‘
3.5 Justiz – Das Spiel mit der Möglichkeit
3.6 Tradition und Regelbruch in den Kriminalgeschichten Dürrenmatts
4 Zufall
4.1 Der Zufall in der erzählenden Literatur
4.2 Zufall mit System? – Die Zufallskonzeption Friedrich Dürrenmatts
4.3 Spielarten des Zufalls
5 Formen zufälligen Geschehens in den Kriminalgeschichten Dürrenmatts
5.1 Der Richter und sein Henker – Bärlach als Nutznießer des Zufalls?
5.2 Der Verdacht – Bärlach, der mutige Mensch
5.3 Das Versprechen – ‚Die schlimmst-mögliche Wendung‘
5.4 „Die Panne“ – Eine Frage von Absicht und Zufall
6 Schlußbemerkung
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die zentrale Rolle des Zufalls in den Kriminalgeschichten von Friedrich Dürrenmatt. Das primäre Ziel ist die Identifizierung und Kategorisierung verschiedener Zufallstypen, um aufzuzeigen, wie Dürrenmatt durch deren gezielten Einsatz das Genre des Kriminalromans von innen heraus dekonstruiert und die Illusion einer durch Logik und Kausalität erklärbaren Welt hinterfragt.
Die Vorgehensweise des Detektivs
Die Vorgehensweise des Detektivs bei seiner Ermittlung stützt sich auf verschiedene Faktoren. Er beobachtet scharf, analysiert die Fakten und leitet daraus logische Folgerungen ab, oder aber er stellt Hypothesen auf und überprüft diese auf Richtigkeit und Beweisbarkeit. Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Aufklärungsarbeit ist auch die Vertrautheit mit der Psychologie und allgemeine Menschenkenntnis, die es dem Detektiv ermöglichen, bestimmte Verhaltensweisen zu erahnen oder nachzuvollziehen. Insgesamt ist seine Vorgehensweise bestimmt von Ordnung, Methode und dem unbegrenzten Vertrauen in die Logik und die verstandesmäßige Erklärbarkeit aller vorliegenden Fakten.
In seiner Abhandlung über den Detektivroman findet Žmegač den Ursprung dieser Vorgehensweise wiederum direkt bei Edgar Allan Poe: Schon Poes Dupin setzt seinen ganzen Ehrgeiz auf seine geradezu mathematische Disziplin des Denkens, gestützt durch exakte Kenntnisse und psychologischen Spürsinn. [...] Den Schlüssel zur Erkenntnis der Welt – die freilich auf den Kriminalfall reduziert erscheint – finden die modernen Helden weder in der Metaphysik noch im Mythos oder der Gefühlsmagie; sondern einzig und allein in der Erfahrung und in der Analyse von Fakten. Der positivistische Wissenschaftsbegriff sowie die logische Kombinatorik bilden den Boden, auf dem sie stehen.
1 Einleitung: Einführung in das Thema, die Relevanz des Zufalls bei Dürrenmatt und die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Merkmale der Gattung Kriminalliteratur: Theoretische Abgrenzung zwischen Verbrechens- und Kriminalliteratur sowie Analyse der Strukturmerkmale von Detektivroman und Thriller.
3 Einordnung der Kriminalgeschichten Friedrich Dürrenmatts: Überprüfung der Prosawerke Dürrenmatts auf ihre Gattungszugehörigkeit und erste Auseinandersetzung mit der spezifischen Dürrenmattschen Struktur.
4 Zufall: Theoretische Definition und Einordnung des literarischen Zufalls sowie Erläuterung der Zufallskonzeption Friedrich Dürrenmatts.
5 Formen zufälligen Geschehens in den Kriminalgeschichten Dürrenmatts: Konkrete Analyse der Zufallstypen in den einzelnen Romanen und deren Auswirkungen auf die Figuren und die Handlung.
6 Schlußbemerkung: Resümee der Arbeit, das die Demontage des klassischen Detektivs durch den Zufall unterstreicht und die philosophischen Konsequenzen zusammenfasst.
Friedrich Dürrenmatt, Kriminalliteratur, Detektivroman, Thriller, Zufall, Kausalität, Weltbild, Literaturanalyse, Gattungstheorie, Erzählstruktur, Bärlach, Matthäi, philosophische Detektivromane, Dekonstruktion, Literaturwissenschaft
Die Arbeit untersucht die theoretische und narrative Bedeutung des Zufalls in den Kriminalgeschichten Friedrich Dürrenmatts und wie dieser das klassische Detektivschema beeinflusst.
Die Themenfelder umfassen die Gattungstheorie der Kriminalliteratur, die Rolle von Logik und Kausalität sowie die philosophische Auseinandersetzung mit dem Zufall als Element, das menschliches Planen vereitelt.
Ziel ist es, die Zufallskonzeption Dürrenmatts zu identifizieren und aufzuzeigen, wie er den Zufall nutzt, um die traditionelle Form des Detektivromans als "illusionär" zu entlarven.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Schriften zur Gattung (z.B. von Žmegač, Nusser, Marsch) mit einer Textanalyse der spezifischen Kriminalgeschichten Dürrenmatts verknüpft.
Der Hauptteil analysiert die Merkmale des Kriminalromans, ordnet Dürrenmatts Werke in diesen Kontext ein, definiert den Zufall theoretisch und untersucht dessen spezifische Formen in den einzelnen Erzählungen.
Dürrenmatt demontiert die klassische Figur des unfehlbaren, logisch-analytischen Detektivs und stellt ihn als eine Figur dar, die in einer chaotischen, vom Zufall geprägten Welt scheitert.
In diesem Werk ist der Zufall noch eher gattungskonform eingesetzt, fungiert aber bereits als diskursives Element, da die Protagonisten ihn explizit thematisieren.
Matthäi scheitert, weil er sich weigert, den Zufall in sein logisches Gedankenkonstrukt einzukalkulieren, und versucht, die Welt mit rein rationalen Mitteln zu beherrschen.
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