Examensarbeit, 2001
106 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Zum Gegenstand dieser Arbeit
1.2 Quellen- und Literaturlage
1.2.1 Quellenlage
1.2.2 Literaturlage
1.3 Erläuterungen zur Schreib- und Zitierweise
2. Definitionen
2.1 „Identität“
2.2 „Nationaljudentum“ und „Zionismus“
2.3 „Assimilation“
3. Juden im wilhelminischen Deutschland – Probleme der Integration
3.1 Die „Judenfrage“ als Frage der Emanzipation – Juden als Träger der bürgerlichen Kultur
3.2 Die „Judenfrage“ als Frage der Diskriminierung – der neu aufflammende Judenhaß
4. Der „Jüdische Turnverein Bar Kochba“
4.1 Gründe für die Entstehung jüdischer Turnvereine
4.1.1 Antisemitismus in der „Deutschen Turnerschaft“
4.1.2 Das neue jüdische Menschenbild
4.2 Die Entwicklung des „Bar Kochba“
4.3 Ziele jüdischen Turnens und Mittel zur Umsetzung dieser Ziele
4.3.1 Ziele des „Bar Kochba“
4.3.2 Mittel zur Umsetzung der Ziele des „Bar Kochba“
4.4 Selbstbild und Identität der jüdischen Turner
5. Der „Jüdische Wanderbund Blau-Weiss“
5.1 Gründe für die Entstehung des „Blau-Weiss“
5.1.1. Die Identitätskrise der jüdischen Jugend
5.1.2 Der Antisemitismus im deutschen „Wandervogel“
5.2 Die Entwicklung des „Blau-Weiss“
5.3 Ziele des „Blau-Weiss“ und Mittel zur Umsetzung dieser Ziele
5.3.1 Die Ziele des „Blau-Weiss“
5.3.2 Mittel zur Umsetzung der Ziele des „Blau Weiss“
5.4 Selbstbild und Identität der jüdischen Jugend
6. Das „Kartell Jüdischer Verbindungen“und seine Vorgänger
6.1 Gründe für die Entstehung jüdischer Studentenverbindungen
6.1.1 Der studentische Antisemitismus
6.1.2 Der jüdische Nationalismus
6.2 Die Entwicklung der ersten jüdischen Studentenverbindungen zum „Kartell Jüdischer Verbindungen“
6.3 Ziele jüdischer Studentenverbindungen und Mittel zur Umsetzung dieser Ziele
6.3.1 Ziele jüdischer Studentenverbindungen
6.3.2 Mittel zur Umsetzung der Ziele jüdischer Studentenverbindungen
6.4 Selbstbild und Identität der jüdischen Studenten
7. Fazit
Die Arbeit untersucht die Entfaltung deutsch-jüdischer Identität am Beginn des 20. Jahrhunderts durch eine exemplarische Analyse spezifischer jüdischer Organisationen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie jüdische Turnvereine, Jugendgruppen und Studentenverbindungen als Antwort auf Antisemitismus und zur Ausbildung eines neuen Selbstverständnisses zur Entfaltung jüdischer Identität beitrugen.
4.1.2 Das neue jüdische Menschenbild
Der Versuch, ein neues jüdisches Menschenbild zu schaffen, ging nur teilweise von der jüdischen Turnbewegung aus. Vielmehr übernahm sie dieses Element aus den Zielen der zionistischen Bewegung. Der Delegierte Max Nordau verkündete auf dem vierten Zionistenkongreß, es müsse ein neues „Muskeljudentum“ geschaffen werden.
Ein „Muskeljudentum“ sollte einen Gegensatz zu dem Bild des Juden der nichtjüdischen Umwelt, die die Juden jahrhundertelang in ihrer Freiheit beschnitten hatte, darstellen:
Die anderen haben Fleischabtötung an uns geübt, mit dem reichsten Erfolge, den Hunderttausenden von Judenleichen in den Ghettos. [...] Alle Elemente der aristotelischen Physik waren uns knickrig zugemessen: Licht und Luft, Wasser und Boden. In der Enge der Judenstrasse verlernten unsere Glieder sich fröhlich zu regen, im Dämmer ihrer sonnenlosen Häuser gewöhnten unsere Augen sich ein scheues Blinzeln an, in der Angst der beständigen Verfolgung erlosch die Kraft unserer Stimme zu einem bangen Flüstern. [...] Aber jetzt ist ja der Zwang gebrochen, man gönnt uns den Raum, uns wenigstens körperlich auszuleben. Knüpfen wir wieder an unseren ältesten Überlieferungen an: werden wir wieder tiefbrüstige, strammgliedrige und kühnblickende Männer.
Die Schaffung des neuen jüdischen Menschenbildes ist nicht allein auf Nordaus Mahnruf und die zionistische Bewegung zurückzuführen. Die Wurzeln solcher Ansichten liegen auch in den damaligen allgemeinen Bestrebungen, ein Bild ausgeprägter Männlichkeit zu erschaffen. Es heißt daher: „Tatsächlich war das männliche Ideal seit Anfang des 19. Jahrhunderts so fest verankert, daß jede westeuropäische Bewegung sich ihm stellen mußte [...]“ Somit konnte sich weder die deutsche noch die jüdische Turnbewegung diesem Einfluß entziehen. Es erscheint daher sinnvoll, auf dieses Bild der Männlichkeit kurz einzugehen.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der jüdischen Identität im Kaiserreich und Vorstellung der untersuchten Organisationen.
2. Definitionen: Erläuterung der zentralen Begriffe Identität, Nationaljudentum, Zionismus und Assimilation im Kontext der Arbeit.
3. Juden im wilhelminischen Deutschland – Probleme der Integration: Analyse des gesellschaftlichen Umfelds und des Antisemitismus als Hintergrund für die Gründung jüdischer Vereine.
4. Der „Jüdische Turnverein Bar Kochba“: Untersuchung der Ursprünge, Ziele und Mittel des ersten jüdischen Turnvereins sowie dessen Rolle für die Identitätsbildung.
5. Der „Jüdische Wanderbund Blau-Weiss“: Darstellung der Identitätskrise jüdischer Jugendlicher und der Entwicklung des zionistisch orientierten Wanderbundes.
6. Das „Kartell Jüdischer Verbindungen“ und seine Vorgänger: Untersuchung des studentischen Antisemitismus und der Entwicklung zionistischer Studentenverbindungen.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der identitätsstiftenden Funktion jüdischer Vereine und ihrer Reaktion auf das gesellschaftliche Umfeld.
Jüdische Identität, Zionismus, Antisemitismus, Wilhelminisches Deutschland, Turnbewegung, Blau-Weiss, Jüdische Studentenverbindungen, Muskeljudentum, Emanzipation, Integration, Nationaljudentum, Identitätskrise, Bar Kochba, Kartell Jüdischer Verbindungen.
Die Arbeit analysiert, wie sich jüdische Identität im ausgehenden deutschen Kaiserreich entwickelte, indem sie drei spezifische Organisationstypen – Turnvereine, Jugendgruppen und Studentenverbindungen – exemplarisch untersucht.
Die Arbeit behandelt die Wechselwirkung zwischen der gesellschaftlichen Diskriminierung durch Antisemitismus und der gleichzeitigen Suche nach einem eigenständigen jüdischen Selbstbewusstsein durch nationale oder zionistische Identitätskonzepte.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie jüdische Vereine durch die Übernahme deutscher Organisationsstrukturen und deren Adaption auf jüdische Bedürfnisse eine eigene Identität entfalteten und damit auf das Spannungsfeld zwischen Assimilation und Abgrenzung reagierten.
Die Autorin stützt sich primär auf eine Analyse von Quellen, die von den Vereinen selbst publiziert wurden, wie Vereinszeitungen und Liederbücher, ergänzt durch eine Auswertung historischer Sekundärliteratur zum Thema.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von drei Organisationen: dem Turnverein „Bar Kochba“, dem Wanderbund „Blau-Weiss“ und dem „Kartell Jüdischer Verbindungen“, wobei jeweils die Gründe für die Entstehung, die Ziele und die Mittel der Organisationen dargelegt werden.
Zentrale Begriffe sind Jüdische Identität, Zionismus, Antisemitismus, Nationaljudentum sowie die spezifischen Namen der untersuchten Organisationen wie „Blau-Weiss“ und „Bar Kochba“.
In der ersten Phase verfolgte der „Blau-Weiss“ ein eher unpolitisches Ziel der Identitätsstärkung, während er sich in der zweiten Phase unter dem Einfluss neuer Führungen und der Balfour-Deklaration explizit als zionistischer, auf Palästina ausgerichteter Bund politisierte.
Das Konzept sollte den jahrhundertelangen Vorurteilen über die physische Schwäche der Juden entgegenwirken und durch körperliche Ertüchtigung sowohl ein neues Selbstbild als auch eine psychologische und soziale Wehrhaftigkeit in einer feindlichen Umwelt schaffen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

