Masterarbeit, 2014
99 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung
0.1 Erkenntnisinteresse
0.2 Thesen
1. Zum Forschungsstand
1.1 Geschlechterstereotype im interdisziplinären Kontext
1.2 Inhalte geschlechtsstereotyper Vorstellungen
1.3 Zur Abgrenzung von Stereotyp, Vorurteil und Klischee aus kognitionslinguistischer Sicht
1.4 Beitrag der Presseberichterstattung zur Aufrechterhaltung geschlechtsspezifischer Stereotype
1.5 Kapitelzusammenfassung
2. Informationsselektion, Perspektivierung, Evaluierung und persuasives Potenzial
2.1 Informationsselektion und Perspektivierung/ Evaluierung
2.2 Informationsselektion und persuasive Aspekte
2.2.1 Persuasive Strategien
2.2.2 Formen der Ereignisdarstellung
2.2.3 Schein-Evidenz
2.2.4 Analogien
2.3 Kapitelzusammenfassung
3. Korpus
3.1 Auswahl des Korpusmaterials
3.2 Vorgehen
4. Formen geschlechtsspezifischer Perspektivierungen und Evaluierungen als Ausdruck von Stereotypen in der Presseberichterstattung
4.1 Realisierung geschlechtsspezifischer Stereotype
4.1.1 Globalstereotyp und EISERNE JUNGFRAU
4.1.2 HAUSFRAU und SONNYBOY
4.1.3 Zwischenfazit
4.2 Vorurteilsverbalisierungen
4.2.1 Eine Frau als Verteidigungsministerin?
4.2.2 Zuschreibung von Inkompetenz: KIND und KAVALIER
4.2.3 Zwischenfazit
4.3 Geschlechtsspezifische Informationsselektion: personen- vs. themenbezogene Berichterstattung
4.3.1 Als erste Frau…
4.3.2 … und trotz der Kinder
4.3.3 Das schöne Geschlecht?
4.3.4 Zwischenfazit
4.4 Perspektivierung und Evaluierung durch männliche und weibliche Textproduzenten
4.4.1 Darstellung von Frauen in Führungspositionen der Industrie
4.4.2 Darstellung von Politikerinnen
4.4.3 Zwischenfazit
4.5 Kapitelzusammenfassung
5. Diskussion
6. Fazit und Ausblick
7. Bibliographie
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist eine kognitionslinguistische Analyse der Presseberichterstattung über Frauen in hohen Führungspositionen in Politik und Industrie. Die Arbeit untersucht, inwiefern geschlechtsspezifische Stereotype und Vorurteile in der Berichterstattung sprachlich realisiert werden, welche persuasiven Strategien dabei zur Anwendung kommen und wie diese die Einstellung von Rezipientinnen und Rezipienten beeinflussen können.
1.1 Geschlechterstereotype im interdisziplinären Kontext
Der Terminus Stereotyp existiert mittlerweile seit über 90 Jahren und wurde zunächst von LIPPMANN (1922; 1964: 9) sehr allgemein als „Bilder in unseren Köpfen“ definiert. HUHNKE (1996: 200) beschreibt geschlechtsspezifische Stereotype und Klischees aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive unter weitgehend synonymer Verwendung als Realitätssurrogate, durch die „Informationen über Frauen auf ein beschränktes Repertoire von Bildern und Vorstellungen komprimiert werden“.
Stereotype bezieht sie hinsichtlich geschlechtsspezifischer Presseberichterstattung recht unspezifisch und vage auf „nicht-argumentativ begründete ‚Erzählungen‘ über soziale und politische Sachverhalte, die Frauen betreffen“ (HUHNKE 1996: 200). Aus einer soziologischen Perspektive auf berufstätige Frauen stellt KANTER (1977: 232) fest, dass diese auch in Spitzenpositionen auf geschlechtsspezifische Rollen reduziert werden: „There was also a tendency to encapsulate women and to maintain generalizations by defining special roles for women, even on the managerial and professional levels […]”.
Nach SCHWARZ-FRIESEL (2013: 340) wird der Terminus Stereotyp meist generell „im sozialpsychologischen Sinne verwendet, um in einer Gesellschaft verbreitete Vorstellungen von charakteristischen Zügen und Verhaltensweisen der Mitglieder sozialer und ethnischer Gruppen zu beschreiben“. Ein Stereotyp „hat die logische Form eines Urteils, das in ungerechtfertigt vereinfachender und generalisierender Weise, mit emotional wertender Tendenz, einer Klasse von Personen bestimmte Eigenschaften zu- oder abspricht“ (QUASTHOFF 1973: 28). Demnach handelt es sich bei Geschlechterstereotypen um die als charakteristisch betrachteten Eigenschaften und Merkmale, die Männern und Frauen jeweils zugeschrieben werden. Diese Definition genügt zwar noch nicht dem Zweck einer kognitionslinguistischen Auseinandersetzung mit der Thematik (s. Kap. 1.2), dient aber als erste Verständnisgrundlage für die durchaus maßgeblichen Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie.
0. Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld der Kognitiven Medienlinguistik, Darlegung des Erkenntnisinteresses und der zentralen Thesen bezüglich geschlechtsspezifischer Berichterstattung.
1. Zum Forschungsstand: Zusammenfassung interdisziplinärer Forschung zu Geschlechterstereotypen und linguistische Einordnung sowie begriffliche Abgrenzung von Stereotyp, Vorurteil und Klischee.
2. Informationsselektion, Perspektivierung, Evaluierung und persuasives Potenzial: Erläuterung der sprachlichen Mechanismen und Strategien, durch die Presseberichterstattung Meinungsbildung beeinflusst.
3. Korpus: Darlegung der Auswahlkriterien und des methodischen Vorgehens bei der Zusammenstellung der 71 analysierten Textbeispiele aus verschiedenen Mediensparten.
4. Formen geschlechtsspezifischer Perspektivierungen und Evaluierungen als Ausdruck von Stereotypen in der Presseberichterstattung: Qualitative Analyse der gesammelten Textbelege hinsichtlich der Realisierung von Geschlechterstereotypen und Vorurteilen durch verschiedene journalistische Strategien.
5. Diskussion: Erörterung der Analyseergebnisse im Kontext der zu Beginn aufgestellten Thesen und Einordnung der Rolle von Sozialisation und Informationsfunktion der Presse.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Diskussion offener Fragen für zukünftige linguistische Untersuchungen.
Geschlechterstereotype, Presseberichterstattung, Kognitive Linguistik, Informationsselektion, Perspektivierung, Evaluierung, Persuasion, Vorurteil, Klischee, Medienrealität, Führungspositionen, Sprache und Kognition, Gender, Diskriminierung, Textanalyse.
Die Masterarbeit befasst sich mit der Frage, wie Geschlechterstereotype in der aktuellen deutschsprachigen Presseberichterstattung über Frauen in Führungspositionen (Politik und Industrie) sprachlich inszeniert werden.
Die zentralen Themen umfassen die linguistische Untersuchung von Informationsselektion, Perspektivierung und Evaluierung als Mittel zur Konstruktion von Geschlechterrollen sowie die Analyse persuasiver Strategien in Boulevard- und seriöser Presse.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, ob und mit welchen sprachlichen Mitteln eine geschlechtsspezifische Berichterstattung erfolgt, die Frauen in Männerdomänen weiterhin stereotypisiert oder trivialisiert.
Die Autorin verwendet eine qualitative Textanalyse aus kognitionslinguistischer Perspektive, um die in den Medienberichten manifestierten mentalen Strukturen und Konzeptualisierungen zu rekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert konkret, wie verschiedene Stereotype (z. B. Hausfrau, Mutter, Eiserne Jungfrau) durch Metaphern, Analogien und eine selektive Informationspolitik auf Politikerinnen und Managerinnen übertragen werden.
Die zentralen Begriffe sind Geschlechterstereotype, Kognitive Linguistik, Perspektivierung, Persuasion, Vorurteilsverbalisierung und Informationsselektion.
Die Presse wird nicht als objektiver Spiegel der Realität, sondern als konstruierende Instanz betrachtet, die durch die Auswahl und Strukturierung von Informationen maßgeblich an der Manifestation von Geschlechterbildern beteiligt ist.
Obwohl sich beide Sparten in der Analyse teilweise annähern, arbeitet die Boulevardpresse häufiger mit drastischen Wertungen und expliziten Stereotypen, während seriöse Medien subtilere, teils indirekte Strategien der Trivialisierung nutzen.
Ja, männliche Akteure werden als Kontrastfolie hinzugezogen, um zu verdeutlichen, wie sich die Perspektivierung und Evaluierung je nach Geschlecht der Person (z. B. "Anfängerin" bei Frauen vs. "Experte" bei Männern) unterscheidet.
Die Arbeit untersucht, ob männliche und weibliche Textproduzenten unterschiedliche Strategien anwenden, und stellt fest, dass beide Geschlechter stereotype Konzepte verbalisieren, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
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