Examensarbeit, 2004
103 Seiten, Note: 1,0
1. BEGRIFFSKLÄRUNG UND FORSCHUNGSSTAND
1.1 ZUM BEGRIFF SCHULABSENTISMUS
1.2 SCHULABSENTISMUS ALS SCHULAVERSIVE VERHALTENSWEISE
2. ZUR SCHULPFLICHT UND ZUM SCHULZWANG
2.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER SCHULPFLICHT
2.2 RECHTLICHE GRUNDLAGEN DER ALLGEMEINEN SCHULPFLICHT
2.3 SCHULZWANG: MAßNAHMEN ZUR DURCHSETZUNG DER ALLGEMEINEN SCHULPFLICHT
2.4 DER UNRECHTSGEHALT DER SCHULPFLICHTVERLETZUNGEN
2.5 ZUSAMMENFASSUNG
3. DIFFERENZIERTE BETRACHTUNGSWEISE DES SCHULABSENTISMUS
3.1 SCHULABSENTISMUS ALS SCHULAVERSIVES VERHALTEN DURCH ABWESENHEIT DES SCHÜLERS VON DER SCHULE
3.1.1 Schulschwänzen
3.1.2 Schulverweigerung
3.2.1.1 Schulverweigerung als Schulangst
3.1.2.2 Schulverweigerung als Schulphobie
3.1.3 Zurückhalten
3.2 SCHULABSENTISMUS ALS SCHULAVERSIVES VERHALTEN BEI ANWESENHEIT DES SCHÜLERS (UNTERRICHTSABSENTISMUS)
3.2.1 Stören und Störungen in der Schule
3.2.2 Unterrichtsverweigerung
3.3 ZUSAMMENFASSUNG
4. SCHULABSENTISMUS ALS VERHALTENSSTÖRUNG
4.1 ZUM BEGRIFF DER VERHALTENSSTÖRUNG
4.2 SCHULSCHWÄNZEN ALS VERHALTENSSTÖRUNG
4.3 SCHULSCHWÄNZEN ALS `DISSOZIALE´ VERHALTENSWEISE
4.4 SCHWÄNZEN UND DELINQUENZ BZW. KRIMINALITÄT
4.5 ZUSAMMENFASSUNG
5. BEDINGUNGSFAKTOREN DES SCHULABSENTISMUS
5.1 INDIVIDUELLE VARIABLEN
5.1.1 Alter/ Klassenstufe
5.1.2 Geschlecht
5.1.3 Leistungsangst
5.1.4 Schulversagen
5.1.5 Selbstkonzept
5.1.6 Intelligenz
5.2 EXTRAPERSONALE VARIABLEN
5.2.1 Schulbezogene Variablen
5.2.1.1 Schulform
5.2.1.2 Schul- und Klassenklima
5.2.1.3Bewertungen von Schulversäumnissen
5.2.1.4Lehrerverhalten
5.2.2 Beziehungsvariablen im Schulkontext
5.2.2.1 Schüler-Lehrer-Beziehung
5.2.2.2 Schüler-Schüler-Beziehung
5.2.2.3Eltern-Lehrer-Beziehung
5.3 FAKTOREN IM PRIMÄRMILIEU
5.4 ZUSAMMENFASSUNG
6. PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONSMAßNAHMEN
6.1 VORAUSSETZUNGEN
6.2 SCHULISCHE PRÄVENTION UND INTERVENTION
6.3 THERAPEUTISCHE ZUGÄNGE
6.4 REHABILITATIVE ANSÄTZE
6.5 PRAXISBEISPIELE
6.5.1 Prävention in Berlin
6.5.2 Nürnberger Modell
6.5.3 Alternativbeschulungen in Angeboten freier Träger
6.6 ZUSAMMENFASSUNG
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Phänomen des Schulabsentismus, um dessen komplexe Ursachen durch eine differenzierte Literaturanalyse offenzulegen und auf dieser Basis präventive sowie interventive Strategien für die Schulpraxis abzuleiten.
Schulschwänzen
Im Gegensatz zum Phänomen des Schulverweigerns ist man sich in der Literatur recht einig, welche Erscheinungsformen unter Schulschwänzen verstanden werden sollen (Ricking 2003):
„Von Schulschwänzen wird gesprochen, wenn Kinder und Jugendliche zeitweilig oder anhaltend – in der Regel – ohne Wissen der Eltern die Schule nicht besuchen und während der Unterrichtszeit einer für sie angenehmeren Beschäftigung meist im außerhäuslichen Bereich nachgehen“ (Preuß, 1978a, S.164).
Dabei wird das Schulschwänzen von einigen Autoren als Ausdrucksform einer generalisierten Fehlanpassung (Verhaltensstörung) verstanden, die „dem Systemkomplex jugendlicher Verwahrlosung zuzuordnen ist“ (Preuß 1978a, S. 167). Dies bestätigen auch die Aussagen von Bools et al. (1990). Aus ihrer Sicht wird das Schulschwänzen ebenfalls als soziale Fehlanpassung oder dissoziale, externalisierende Störung verstanden (vgl. Kapitel 4).
Sander (1979, S. 29) lehnt dagegen wertende Kennzeichnungen wie „ [...] „generalisierte soziale Fehlanpassung“ bei Schulschwänzern [...] ab, weil das Fernbleiben vom Unterricht aus eigenem Entschluß eines Schülers auch die verständliche Reaktion auf unzumutbare schulische Mißstände sein kann und dann eher als Hinweis auf Selbständigkeit und Emanzipation als auf Verwahrlosung und Delinquenz wäre.“
1. BEGRIFFSKLÄRUNG UND FORSCHUNGSSTAND: Dieses Kapitel definiert Schulabsentismus als Sammelbegriff für schulaversives Verhalten und gibt einen Überblick über die verschiedenen theoretischen Ansätze der Forschung.
2. ZUR SCHULPFLICHT UND ZUM SCHULZWANG: Hier werden die rechtlichen Grundlagen der Schulpflicht sowie die historische Entwicklung und die gesellschaftliche Bedeutung des Schulzwangs erörtert.
3. DIFFERENZIERTE BETRACHTUNGSWEISE DES SCHULABSENTISMUS: Dieses zentrale Kapitel klassifiziert die verschiedenen Erscheinungsformen wie Schulschwänzen, Schulverweigerung (inkl. Schulangst und Schulphobie) und Zurückhalten.
4. SCHULABSENTISMUS ALS VERHALTENSSTÖRUNG: Es wird untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Schulabsentismus als klinische Verhaltensstörung oder Ausdruck von Dissozialität und Kriminalität eingeordnet werden kann.
5. BEDINGUNGSFAKTOREN DES SCHULABSENTISMUS: Dieses Kapitel analysiert multifaktorielle Einflüsse, von individuellen Variablen (Alter, Intelligenz) bis hin zu sozialen Faktoren in Familie und Schule.
6. PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONSMAßNAHMEN: Hier werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Schulen präventiv und interventiv agieren können, ergänzt durch Praxisbeispiele wie das Nürnberger Modell oder alternative Beschulungsformen.
Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Schulpflicht, Schulangst, Schulphobie, Verhaltensstörung, Prävention, Intervention, Bedingungsfaktoren, Unterrichtsverweigerung, Leistungsangst, Schulversagen, Schulklima, Delinquenz
Die Arbeit behandelt das Problem des Schulabsentismus bei Kindern und Jugendlichen, untersucht dessen vielfältige Ursachen und diskutiert pädagogische sowie ordnungspolitische Interventionsmöglichkeiten.
Die Themenfelder umfassen die rechtliche Grundlage der Schulpflicht, die Differenzierung verschiedener Formen schulabsenten Verhaltens, die Identifikation von Risikofaktoren und die Darstellung praktischer Präventionsmaßnahmen.
Das Ziel ist es, die Komplexität des Schulabsentismus durch eine Literaturanalyse zu durchdringen und die verschiedenen Bedingungsfaktoren als Grundlage für wirksame Interventionsmaßnahmen herauszuarbeiten.
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen, systematischen Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Ansätze und empirische Untersuchungen zum Thema zusammenführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Auseinandersetzung mit der Schulpflicht, die differenzierte Darstellung der Erscheinungsformen, die Frage nach Verhaltensstörungen sowie die Analyse von Bedingungsfaktoren.
Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Schulpflicht, Verhaltensstörung und pädagogische Intervention bilden den Kern der terminologischen Ausrichtung.
Schulschwänzen zeichnet sich durch das Meiden der Schule ohne Wissen der Eltern aus, oft motiviert durch lustbetonte Aktivitäten, während Schulverweigerung mit Wissen der Eltern erfolgt und meist auf psychischen Belastungen wie Angst beruht.
Die Schulpflicht bildet die notwendige gesetzliche Grundlage, um unentschuldigtes Fehlen überhaupt als „Absentismus“ definieren zu können, wobei ihre Verletzung heute primär als Ordnungswidrigkeit behandelt wird.
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