Magisterarbeit, 2004
101 Seiten, Note: sehr gut
I. Einleitung
II. Theoretische Grundlagen
2.1 Das Bild vom anderen Land in der Wissenschaft
2.1.1 Interdisziplinarität und Forschungsgegenstände in der komparatistischen Imagologie
2.1.2 Konstanz oder Variabilität ? – Stereotype, Vorurteile, Images, Klischees
2.1.3 Die Interdependenz von Selbst- und Fremdbild
2.1.4 Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität
2.2 Englisches Selbstbild und englische Fremdbilder
2.2.1 Englishness – zwischen Empire und ‚Cool Britain’
2.2.2 Amerikabilder – zwischen Verehrung und Ablehnung
2.2.3 Deutschlandbilder – zwischen ‚häßlichen Deutschen’ und Wirtschaftswunder
2.3 Relevante narrative Analysekriterien
III. Out of the Shelter
3.1 Der „Blitz“ als individuelle und kollektive Traumatisierung
3.2 Abschied und Reise als Vorzeichen der Revidierung nationaler Vorurteile
3.3 Die Grenzüberschreitung als Grenzerfahrung – Reaktivierung nationaler Vorurteile
3.4 Semantisierung des Raumes und Kulturvergleich als Möglichkeiten der narrativen Inszenierung von Selbst- und Fremdbildern
3.5 Kontrast- und Korrespondenzrelationen: Die Projektion nationaler Selbst- und Fremdbilder auf das Personal
3.6 Die Interferenz von nationalem Selbst- und Fremdbild
3.7 Zusammenfassung
IV. Changing Places: A Tale of Two Campuses
4.1 Das Personal: Figuren als Vertreter ihrer Nationen
4.2 Die Bedeutung von Raum- und Zeitdarstellung für den Nationenvergleich
4.3 Die Universitätsthematik als Metonymie für die Gesellschaft
4.4 Die Form als zusätzliche Bedeutungsebene: Implizite Orchestrierung von nationalen Selbst- und Fremdbildern
4.5 Multiperspektivität als Mittel der Kontrastierung von Nationen
4.6 Explizite Inszenierung der Interferenz zwischen nationalem Selbst- und Fremdbild
4.7 Zusammenfassung
V. England, England
5.1 Formale Kriterien: Die Darstellung individueller Erlebnisse in Form der Historiographie
5.2 Das Personal – zwischen kritischer Hinterfragung und unreflektiertem Patriotismus
5.3 Die explizite Thematisierung von Englishness anhand der ‚The Fifty Quintessences of Englishness’
5.4 Dekonstruktion englischer Landschaft, Institutionen und Mythen
5.5 „Baby, your tits have dropped“ – die Kommerzialisierung und Personifizierung Englands
5.6 Die Interferenz zwischen nationalem Selbst- und Fremdbild
5.7 Zusammenfassung
6. Schlußbetrachtung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie nationale Selbst- und Fremdbilder in zeitgenössischen englischen Romanen funktionalisiert und narrativ inszeniert werden. Der Fokus liegt dabei nicht auf der bloßen Existenz von Stereotypen, sondern auf deren Rolle bei der Konstruktion und Revision nationaler Identität vor dem Hintergrund historischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse.
3.1 Der „Blitz“ als individuelle und kollektive Traumatisierung
OOTS beginnt mit den Kindheitserlebnissen des Protagonisten Timothy Young; seine ersten Lebensjahre sind geprägt von den Bombenangriffen und der damit verbundenen nächtlichen Flucht in einen Bunker. Die Grausamkeit des Krieges bekommt er am eigenen Leibe zu spüren, als er miterleben muß, wie seine Nachbarsfamilie im Krieg ums Leben kommt. Weiterhin wird die Flucht vor den Bombenangriffen aufs Land sowie das entbehrungsreiche Leben während des Krieges, welches anschließend noch in Form der Lebensmittelrationierung und allgemeiner Armut der Bevölkerung fortdauert.
Der Roman ist weitestgehend in der personalen Erzählsituation geschrieben; als Fokalisierungsinstanz fungiert der Protagonist. In den ersten beiden Kapiteln werden die oben geschilderten Ereignisse zunächst aus der eingeschränkten Perspektive eines kleinen Kindes wiedergegeben, das die Ausmaße des Krieges nur an solchen ihn unmittelbar betreffenden Ereignissen versteht. Timothy verkennt zunächst die Ernsthaftigkeit der Lage. Für ihn erscheint die nächtliche Flucht in den Bunker wie ein Kinderspiel; er verbindet mit dem Krieg in erster Linie seine „Micky Mouse gasmask“ (OOTS 3). Die Fokalisierung durch die Eindrücke eines fünfjährigen Kindes verstärkt die Wirkung der Kriegserfahrung. Aus der Schilderung der Ereignisse mit konsequenter Fehlinterpretation derselben ergibt sich ein groteskes Wirkungspotential.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Darstellung der Deutschen und Amerikaner in britischen Medien und Literatur als Spiegel gesellschaftlicher Ängste und nationaler Identitätsstiftung.
II. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel fundiert die Untersuchung imagologisch durch die Klärung von Begriffen wie Stereotyp, Vorurteil und kollektives Gedächtnis sowie durch die Darlegung relevanter Analysekriterien.
III. Out of the Shelter: Der Roman dient als Fallbeispiel für die traumatisierende Wirkung des Krieges und die schrittweise Revision nationaler Feindbilder durch die Fremderfahrung des Protagonisten.
IV. Changing Places: A Tale of Two Campuses: Hier steht die kontrastive Inszenierung nationaler Eigenschaften durch die Dualität zweier Protagonisten und den Vergleich der akademischen Systeme im Fokus.
V. England, England: Das Kapitel analysiert die Dekonstruktion englischer Mythen und die kommerzielle Konstruktion nationaler Identität durch die Kopie englischer Traditionen im 21. Jahrhundert.
6. Schlußbetrachtung und Ausblick: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zur narrativen Inszenierung und Interferenz nationaler Bilder zusammen und reflektiert die Beständigkeit von Stereotypen im kulturellen Gedächtnis.
Komparatistische Imagologie, nationale Stereotype, Selbstbild, Fremdbild, Englishness, kollektives Gedächtnis, David Lodge, Julian Barnes, Entwicklungsroman, nationale Identität, interdisziplinäre Kulturwissenschaft, Narratologie, Historiographiekritik, transatlantische Beziehungen.
Die Arbeit analysiert, wie moderne englische Romane nationale Selbst- und Fremdbilder nutzen und reflektieren, um nationale Identitäten zu konstruieren oder zu dekonstruieren.
Zentral sind die Funktionen von nationalen Vorurteilen, die Bedeutung des kulturellen Gedächtnisses, der Einfluss von Literatur auf das Verständnis des "Anderen" sowie die narrativen Mittel der Inszenierung.
Ziel ist es, die narrative Funktionalisierung von nationalen Stereotypen in den Romanen zu untersuchen und zu erörtern, ob diese Bilder affirmativ eingesetzt oder kritisch dekonstruiert werden.
Es wird ein imagologischer Ansatz der Literaturwissenschaft verwendet, der mit narratologischen Analysekriterien und kulturwissenschaftlichen Modellen (wie dem kollektiven Gedächtnis) kombiniert wird.
Im Hauptteil werden die Romane "Out of the Shelter" (Lodge), "Changing Places" (Lodge) und "England, England" (Barnes) detailliert auf ihre Darstellung von Deutschland- und Amerikabildern sowie ihr Verständnis von Englishness hin untersucht.
Wichtige Begriffe sind imagologische Konzepte wie Stereotyp und Vorurteil, sowie literaturwissenschaftliche Kategorien wie die Perspektivenstruktur, Intertextualität und das Genre des Entwicklungsromans.
Der Zweite Weltkrieg fungiert in den untersuchten Werken oft als prägendes traumatisches Ereignis und Ausgangspunkt für ein tief sitzendes negatives Deutschlandbild, das erst im Laufe der Romane durch reale Fremderfahrung hinterfragt wird.
Der Park wird als Symbol für die Kommerzialisierung und artifizielle Konstruktion nationaler Identität gedeutet, an dem Barnes die Unmöglichkeit einer authentischen Rückbesinnung auf eine "reine" nationale Vergangenheit dekonstruiert.
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