Magisterarbeit, 2004
66 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1 Definition der Anredeformen
2. Die Sprachhistorische Entwicklung der pronominalen Anrede
2.1 Am Anfang war das „Du“
2.2 „Er“ und „sie“ (3. Pers. Sing.) als Steigerung der Höflichkeitsanrede „Ihr“
2.3 Das Vierersystem im 18. Jahrhundert
2.4 Das neue Zweiersystem „Du“/„Sie“ im 19. Jahrhundert
2.5 Die Entwicklung der pronominalen Anrede im 20. Jahrhundert
2.5.1 Das Genossen-Du in der DDR
2.5.2 Die pronominale Anrede vor 1968
2.5.3 Das neue Studenten-Du
2.6 Das heutige binäre Anredesystem
2.6.1 Die Du-Expansion
2.6.2 Die jüngsten Entwicklungen der pronominalen Anrede
2.6.3 Die pronominale Anrede morgen- ein Ausblick
3. Die pronominalen Anredeformen in den Briefen Martin Luthers (1483-1546)
3.1 Briefe an seine Familie
3.2 Briefe an Freunde und Bekannte
3.3 Briefe an seine Gegner
3.4 Briefe an Grafen und Kurfürsten
3.5 Briefe an Papst und Kaiser
4. Zum Wandel der pronominalen Anredeformen
4.1 Ursachen des Systemwandels der pronominalen Anrede
5. Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die diachronische Entwicklung der pronominalen Anredeformen im Deutschen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ziel ist es, den Wandlungsprozess des Anredesystems nicht nur deskriptiv nachzuzeichnen, sondern auch sprachtheoretische Erklärungsansätze für die Veränderungen zu liefern, insbesondere im Hinblick auf den Übergang vom ursprünglichen „Du“-System über mehrstufige Hierarchien hin zum heutigen binären „Du/Sie“-System.
Die pronominale Anrede vor 1968
Bis in die 60er Jahre hinein gab es mehr oder weniger konventionell festgelegte Regeln hinsichtlich des Gebrauchs der pronominalen Anrede. Vieles davon gilt auch noch heute. Besch hat die, bis in die 60er Jahre gültigen Anredekonventionen wie folgt zusammengefasst:
„Man duzt sich in der Familie, zwischen Verwandten, Freunden, Jugendlichen; Erwachsene duzen Kinder. Natürlich erhalten auch Tiere das Du, erstaunlicherweise aber auch Gott, wo eigentlich nun wirklich eine gesteigerte Respektform am Platze wäre. [...] Die Anrede Du für Gott gilt auch für alle >heiligen< Personen der Bibel und für Heiliggesprochene der Kirche, ebenfalls für Dinge (Sonne, Erde etc.) und Abstrakta (Güte, Freude, etc.), auch für die Anrede von Toten bei der Beerdigung; da ist ein Sie nicht denkbar, aus welchen Gründen auch immer.“
Damit wurden Personen, zu denen kein enges persönliches oder familiäres Verhältnis bestand, gesiezt. Eine Ausnahme bilden dabei vielerlei Gruppierungen, die über eine gewisse Zeit oder generell enger zusammengehören und sich durch entscheidende Gemeinsamkeiten verbunden fühlen. Sie haben schon immer das Du gebraucht. Hierzu gehört beispielsweise das Solidaritäts-Du der Arbeiterklasse, das später in die SPD und die Gewerkschaften übernommen wurde. Aber auch unter Arbeitern auf dem Bau sowie unter Handwerkern war die Du-Anrede von jeher gebräuchlich. Sie war Ausdruck einer sozialen Zugehörigkeit, bei einer Tätigkeit, die ein hohes Maß an Einverständnis und oft sogar körperlicher Zusammenarbeit verlangt. Das gleiche galt und gilt für das bäuerliche Du in der Landwirtschaft. Andere Gruppen, die schon immer das Du gewählt haben sind zum Beispiel Vereine, Sportgruppen, Verbindungsstudenten, Bergsteiger und Soldaten.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Anredeformen und Zielsetzung der wissenschaftlichen Untersuchung.
2. Die Sprachhistorische Entwicklung der pronominalen Anrede: Detaillierte Betrachtung des Wandels von der germanischen „Du“-Anrede über das höfische „Ihr“ bis hin zu den komplizierten Systemen des 17. und 18. Jahrhunderts.
3. Die pronominalen Anredeformen in den Briefen Martin Luthers (1483-1546): Exemplarische Analyse der Briefe Luthers als historisches Fallbeispiel für die damaligen Anredekonventionen gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.
4. Zum Wandel der pronominalen Anredeformen: Theoretische Einordnung der Ursachen für sprachliche Veränderungen unter besonderer Berücksichtigung der evolutionären Sprachtheorie von Rudi Keller.
5. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Synthese der Erkenntnisse über die Entwicklung des pronominalen Anredesystems und ein Ausblick auf zukünftige Tendenzen.
Anredepronomina, Sprachwandel, Höflichkeitsmaxime, Du-Anrede, Sie-Anrede, pronominale Anrede, Sprachsoziologie, historische Linguistik, Martin Luther, soziale Hierarchie, Pejorisierung, Galanteriespiel, Zweiersystem, Kommunikation, Sprachnorm.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der diachronischen Analyse des Wandels von Anredeformen in der deutschen Sprache, insbesondere dem Gebrauch von Personalpronomen in unterschiedlichen historischen Epochen.
Zentral sind die Entwicklung des pronominalen Anredesystems von den Anfängen bis heute, die Analyse von Luthers Briefen als Quelle sowie die sprachtheoretische Begründung von Sprachwandel.
Das primäre Ziel ist die Beschreibung der sprachhistorischen Entwicklung pronominaler Anredeformen und die Bereitstellung von Erklärungsansätzen für den Wandel vom Mehrersystem hin zum binären Du/Sie-System.
Es handelt sich um eine diachronische Untersuchung auf Basis von Sprachhistorie, Sprachsoziologie und linguistischer Pragmatik, gestützt durch die Analyse von historischen Korrespondenzen.
Im Hauptteil wird die historische Entwicklung der Anredepronomina von den germanischen Anfängen über das höfische Vierersystem des 18. Jahrhunderts bis zur „Du-Expansion“ in der modernen Gesellschaft detailliert dargelegt.
Wesentliche Begriffe sind Anredepronomina, Sprachwandel, Höflichkeitsmaxime, Pejorisierung und die soziolinguistische Differenzierung des Anredeverhaltens.
Luthers Briefe dienen als wertvolle Primärquelle des 16. Jahrhunderts, um zu zeigen, wie soziale Hierarchien und familiäre Bindungen durch die Wahl der pronominalen Anrede in einer Übergangszeit zum Ausdruck gebracht wurden.
Das „Genossen-Du“ wird als Versuch einer ideologisch motivierten, erzwungenen Solidaritätsanrede dargestellt, die die soziale Hierarchie im Alltag aufheben sollte, sich jedoch langfristig nicht als allgemeine Norm durchsetzen konnte.
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