Diplomarbeit, 2004
119 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.2 Literaturbericht und Forschungsstand
2 Neue alte Tradition Thronjubiläum: zu Begriff und Geschichte
2.1 Der Jubiläumsbegriff
2.1.1 Etymologischer Abriss
2.1.2 Vom Leserbrief zum „Diamond Jubilee“
2.2 Historische Verankerung
2.2.1 Ursprünge der Jubiläumstradition
2.2.2 Der Fluch der frühen Regentschaft: englische Thronjubilare vor 1809
3 Ausgewählte Aspekte und Entwicklungen in der Tradition englischer Thronjubiläen seit 1809
3.1 Jubilare und Jubiläen im Wandel der Zeit: eine Erstbegegnung
3.2 Nicht um jeden Preis: zu Kosten und Finanzierung
3.3 Politische Funktionen
3.3.1 Ablenkung von alltagspolitischen Problemen
3.3.2 (Un-)genutzte Redezeit: Der König hat das Wort
3.3.3 Monarchie in göttlicher Mission: Amnestie
3.4 Soziale Dimensionen
3.4.1 Der König zum Anfassen: von der "Slumfahrt" zum "Walkabout"
3.4.2 Krone mit Herz: Sozialprojekte
3.5 "With my humble duty": zur Rolle zentraler Institutionen
3.5.1 Staatskirche
3.5.2 Regierung und Parlament
3.5.3 Streitkräfte
3.5.4 Kolonien und Commonwealth
3.5.5 Königliche Familie
3.6 Monarchie im Ausverkauf: Merchandising
4 Schlussbemerkung
Diese Arbeit untersucht die englischen Thronjubiläen seit 1809, um deren Entwicklung, Bedeutung und Funktion in einem sich wandelnden historischen und gesellschaftlichen Kontext zu beleuchten und eine Lücke in der wissenschaftlichen Forschung zu diesem Thema zu schließen.
3.3.1 Ablenkung von alltagspolitischen Problemen
„Königliche Thronjubiläen finden seltsamerweise häufig während harter Zeiten für das Land statt“174 notierte Detlef von Ziegesar unter seiner Kapitelüberschrift „Das Königshaus als Opium fürs Volk“. Tatsächlich legt die eigenwillig regelmäßige Koinzidenz aus tiefen Krisen- und teuren Jubiläumsjahren den Gedanken an einen dankbaren machtpolitischen Schachzug zur „Narkotisierung“ von Unmut und Kritik innerhalb der Bevölkerung nahe: Mit der Instrumentalisierung von Prominenz lässt sich leicht ein massenwirksames Ablenkungsmanöver von realpolitischen Missständen schaffen. Die Kalkulation, dass Glanz und Glamour die Alltagspolitik (zumindest für einige Zeit) in den Hintergrund drängen, von den Titelseiten bringen und an ihrer statt ein auf die Krone gestütztes Nationalbewusstsein festigen mögen, fußt auf einer m.E. sicheren Formel: Gilt schon Prominenz per se als ein veritabler Nachrichtenwert, kann ihn ein emotionsorientiertes und personalisierendes Ereignis wie ein Jubiläum grundsätzlich nur noch positiv verstärken.
Selbst negative Schlagzeilen aus dem Königshaus erfüllen angesichts dieser Häufung an zentralen Nachrichtenfaktoren ihren Zweck, „die Bürger von politischem Versagen und von wirtschaftlichen oder sozialen Schwierigkeiten abzulenken“175, wie das Beispiel der Trennung von Prince Andrew und Sarah Ferguson im Jahr 1992 belegt: Die Nachricht wurde während des Unterhauswahlkampfes von der konservativen „Daily Mail“ lanciert, als die Conservative Party in Prognosen hinter der Labour Party lag.
1 Einleitung: Stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, die Entwicklung der Thronjubiläen seit 1809 als Ausdruck monarchischer Zeremonien wissenschaftlich zu erfassen.
2 Neue alte Tradition Thronjubiläum: zu Begriff und Geschichte: Analysiert die etymologische Herkunft des Jubiläumsbegriffs und die historische Institutionalisierung des Thronjubiläums in England.
3 Ausgewählte Aspekte und Entwicklungen in der Tradition englischer Thronjubiläen seit 1809: Untersucht zentrale Faktoren wie Kosten, politische Funktionen, soziale Aspekte, institutionelle Rollen und Merchandising-Strategien.
4 Schlussbemerkung: Resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und bestätigt die These von der zunehmenden Bedeutung der Zeremonien im Kontext abnehmender politischer Macht der Monarchie.
Thronjubiläum, Monarchie, Großbritannien, Rituals of Royalty, Machtpolitik, Merchandising, Staatskirche, Commonwealth, Queen Victoria, König George III., König George V., Queen Elizabeth II., Jubiläumsfeiern, Zeremoniell, Politische Kommunikation
Die Diplomarbeit dokumentiert und analysiert die Tradition der englischen Thronjubiläen seit dem Jahr 1809 und betrachtet diese als Teil eines komplexen Zusammenspiels zwischen monarchischem Selbstverständnis, Machtpolitik und gesellschaftlichem Wandel.
Die Arbeit behandelt die politische Instrumentalisierung von Jubiläen, die Rolle der Medien und der Wirtschaft, die soziale Einbindung der Bevölkerung sowie die Funktion der Monarchie als Symbol der nationalen Identität.
Das Ziel ist es, erstmals eine jubiläumsübergreifende Analyse vorzulegen, die die historische Entwicklung und die wechselnde Bedeutung dieser royalen Zeremonien seit George III. detailliert beleuchtet.
Der Autor wählt einen aspektorientierten Ansatz, der kulturwissenschaftliche Analysen mit einer Auswertung von historischen Rahmendaten, Biographien und Primärquellen kombiniert, anstatt sich auf ein starres, rein theoretisches Phasen-Modell zu beschränken.
Im Hauptteil werden die Jubiläen chronologisch und thematisch aufgearbeitet, inklusive der Finanzierungsfragen, der politischen Amnestie, der sozialen Interaktion („Walkabouts“) und der Rolle zentraler Institutionen wie der Kirche.
Zentrale Begriffe sind Thronjubiläum, Machtpolitik, Merchandising, Staatszeremoniell und das Verhältnis zwischen Krone und Gesellschaft im Wandel der Zeit.
Das Jubiläum von George III. im Jahr 1809 gilt als institutioneller Beginn, war jedoch im Vergleich zu den späteren, prunkvollen und medial inszenierten Jubiläen von Victoria oder Elizabeth II. deutlich karger und von persönlichen sowie politischen Krisen überschattet.
Der Autor zeigt auf, dass die kommerzielle Vermarktung, von Gedenkmünzen bis zu Souvenirs, ein integraler Bestandteil der modernen royalen Zeremonien geworden ist und die wachsende Bedeutung des „Markennamens“ Monarchie unterstreicht.
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