Magisterarbeit, 2003
109 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
II. 1. Kästners Lyrikkonzept in der Theorie
2. Umsetzung des Konzepts
2.1 Der private Bereich
2.1.1 Beziehungen
Sachliche Romanze
Familiäre Stanzen
Gewisse Ehepaare
Ein Mann gibt Auskunft
2.1.2 Sexualität
Moralische Anatomie
2.2 Der öffentliche Bereich
2.2.1 Militarismus und autoritäre Strukturen
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
2.2.2 Die sozialen und ökonomischen Verhältnisse
Vorstadtstraßen
Ein Buchhalter schreibt seiner Mutter
Maskenball im Hochgebirge
2.2.3 Heldentum
Der Handstand auf der Loreley
III. Zusammenfassende Betrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht Erich Kästners Konzept von Gebrauchslyrik, eingebettet in dessen Selbstverständnis als Aufklärer und Moralist, um zu analysieren, inwiefern seine Gedichte eine Wirkung auf den Leser ausüben können und welchen praktischen Gebrauch dieser von ihnen machen kann.
EIN MANN GIBT AUSKUNFT
Das Jahr war schön und wird nie wiederkehren. Du wußtest, was ich wollte, stets und gehst. Ich wünschte zwar, ich könnte dir’s erklären, und wünsche doch, daß du mich nicht verstehst.
Ich riet dir manchmal, dich von mir zu trennen, und danke dir, daß du bis heute bliebst. Du kanntest mich und lerntest mich nicht kennen. Ich hatte Angst vor dir, weil du mich liebst.
Du denkst vielleicht, ich hätte dich betrogen. Du denkst bestimmt, ich wäre nicht wie einst. Und dabei habe ich dich nie belogen! Wenn du auch weinst.
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gebrauchslyrik bei Kästner sowie Darstellung der forschungsleitenden Fragestellung bezüglich seiner Theorie und deren Umsetzung.
II. 1. Kästners Lyrikkonzept in der Theorie: Erläuterung der theoretischen Positionen Kästners zu Lyrik und deren Abgrenzung gegenüber zeitgenössischen Strömungen.
2. Umsetzung des Konzepts: Analyse ausgewählter Gedichte zur Überprüfung, wie Kästners theoretische Forderungen in der lyrischen Praxis realisiert werden.
2.1 Der private Bereich: Untersuchung der Umsetzung des Konzepts in Gedichten mit privater Thematik, insbesondere zu zwischenmenschlichen Beziehungen.
2.1.1 Beziehungen: Detaillierte Betrachtung einzelner Gedichte, die sich mit dem sozialen Miteinander und den Problematiken von Liebesbeziehungen befassen.
2.1.2 Sexualität: Untersuchung der Darstellung von Sexualität und der damit verbundenen moralischen Haltungen in Kästners Werk.
2.2 Der öffentliche Bereich: Analyse der gesellschaftskritischen Dimensionen in Kästners Lyrik, die sich mit politischen und sozialen Phänomenen auseinandersetzt.
2.2.1 Militarismus und autoritäre Strukturen: Beleuchtung der pazifistischen Haltung Kästners und seiner Kritik an autoritären Systemen.
2.2.2 Die sozialen und ökonomischen Verhältnisse: Untersuchung der Darstellung von Armut, Klassengegensätzen und den ökonomischen Nöten der Bevölkerung.
2.2.3 Heldentum: Auseinandersetzung mit Kästners Kritik an falschen Heldenbildern und übersteigertem Heroismus.
III. Zusammenfassende Betrachtung: Synthese der Ergebnisse zur ästhetischen Konzeption von Kästners Gebrauchslyrik und deren Funktion im Rahmen seines aufklärerischen Programms.
Erich Kästner, Gebrauchslyrik, Neue Sachlichkeit, Aufklärung, Moralist, Lyriktheorie, Rollenlyrik, Gesellschaftskritik, zwischenmenschliche Beziehungen, pazifistische Lyrik, soziale Verhältnisse, Wirkungsabsicht, Breitenwirksamkeit, Indirekte Lyrik.
Die Arbeit analysiert das literarische Konzept der Gebrauchslyrik von Erich Kästner und dessen Einbettung in seine Rolle als aufklärerischer Moralist.
Die Analyse umfasst den privaten Bereich (Beziehungen, Sexualität) sowie den öffentlichen Bereich (Militarismus, soziale Verhältnisse, Heldentum).
Das primäre Ziel ist zu untersuchen, inwieweit Kästner seine theoretischen Aussagen über eine "brauchbare" Lyrik in seinen Gedichten tatsächlich umsetzt und welche Wirkung diese auf den Leser haben.
Es wird eine werkanalytische Methode angewandt, bei der ausgewählte Gedichte im Hinblick auf Form, Sprache und Intention untersucht und in den Kontext von Kästners Selbstverständnis und publizistischen Äußerungen gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Kästners Lyrikkonzept sowie eine umfangreiche Analyse verschiedener Gedichtgruppen, die unterschiedliche Lebensbereiche und gesellschaftliche Zustände abbilden.
Zu den zentralen Begriffen gehören Gebrauchslyrik, Aufklärung, Neue Sachlichkeit, gesellschaftskritische Lyrik und Rollenlyrik.
Die Arbeit sieht in der "Sachlichen Romanze" ein Paradebeispiel für Kästners indirekte Lyrik, die durch ihre Nüchternheit und Alltagssprache eine tiefe emotionale Wirkung erzielt, indem sie das Scheitern einer Beziehung präzise abbildet.
Der Humor dient bei Kästner nicht der reinen Unterhaltung, sondern als pädagogisches Instrument, um den Leser zu befähigen, Dinge und soziale Verhältnisse aus der richtigen Perspektive zu betrachten und sich von falschen Denkstrukturen zu lösen.
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