Bachelorarbeit, 2010
49 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Räume
2.1.1. Öffentlicher Raum
2.1.2. Privater und halböffentlicher Raum
2.2. Überwachung im theoretischen Kontext
2.2.1. Die Disziplinargesellschaft – Michael Foucault
2.2.1.1. Benthams Panopticon
2.2.2. Die Kontrollgesellschaft – Gilles Deleuze
2.3. CCTV-Systeme
3. Situation der Videoüberwachung in Großbritannien
3.1. Zur Gesetzeslage in Großbritannien
3.1.1. Data Protection Act und Code of Practice
3.1.2. Criminal Justice and Public Order Act
3.1.3. Europäisches Gesetz und Human Right
3.2. Vergleich mit Deutschland
3.3. Historische Entwicklung in Großbritannien
4. Videoüberwachung als Raumkontrolle
4.1. Praxis von CCTV im Raum
4.1.1. Technische Möglichkeiten und Grenzen der Videoüberwachung
4.1.2. Einsatzgebiete von CCTV
4.1.3. Faktor Mensch
4.1.4. Videoüberwachung im Kosten-Nutzen Vergleich
4.1.5. Macht des Staates
5. Gesellschaftliche Auswirkungen durch Videoüberwachung
5.1. Gefährdung demokratischer Rechte des Einzelnen
5.2. Zur Akzeptanz der Videoüberwachung
5.3. Videoüberwachung als Angstszenario
5.4. Räumliche Verlagerungseffekte und Exklusion
6. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die staatliche Videoüberwachung als Mittel der Raumkontrolle in Großbritannien. Das primäre Ziel besteht darin, die Potentiale und gesellschaftlichen Auswirkungen der CCTV-Technologie zu analysieren, ihre Effektivität kritisch zu hinterfragen und die Rolle des Staates sowie die Konsequenzen für die Privatsphäre und demokratische Rechte im urbanen Raum aufzuzeigen.
4.1.3. Faktor Mensch
Die Videoüberwachung moderner Gesellschaften ist nach Whitaker wesentlich komplexer als die der Gefangenenüberwachung in Benthams Panopticon:
Die Masse der Informationen, die dieser umfangreiche Apparat zur staatlichen Überwachung der Gesellschaft hortet, ist viel zu groß, um von einem einzelnen verarbeitet und umgesetzt zu werden (Whitaker 1999: 61).
Clive Norris verdeutlicht diese Aussage, indem er beispielhaft die Anzahl der Überwachungsbilder berechnet, welche in einem mittelgroßen, innerstädtischen System einer britischen Stadt täglich eingehen. Bei einer Anzahl von 80 installierten Videokameras mit einer Bildrate von 25 Frames pro Sekunde zählt er schließlich eine Gesamtzahl von 172.800.000 Bildern, die an einem Tag in der Kontrollzentrale eingehen und von Menschen beobachtet und ausgewertet werden müssen (vgl. Norris 2005: 379). Selbst wenn für jeweils eine Person lediglich ein Überwachungsmonitor vorgesehen wäre – realistischer ist eher eine Anzahl von mindestens fünfzehn Monitoren (vgl. Smith 2004: 376; vgl. Kammerer 2008: 147) – ist eine vollständige Simultanüberwachung nicht möglich, denn in den seltensten Fällen sind die Überwachungsmonitore ausschließlich mit einer Kamera verbunden (vgl. Wehrheim 2006: 88). Das Überwachungspersonal ist demnach gezwungen zu entscheiden, welche Kamerabilder gegenwärtig angezeigt werden sollen und welche nicht. Damit entgehen ihnen logischerweise Informationen, die von den nicht angezeigten Kameras aufgenommen werden. In einem Interview mit einem CCTV-Operator verdeutlicht Gavin Smith dieses Problem:
I can’t tell you how many things we’ve missed when we huv not been watching the other screens. Break-ins, assaults and car thefts huv been going on whilst we’ve been operating the other cameras [...] It’s really annoying (Smith 2004: 385).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Videoüberwachung als Raumkontrolle ein und erläutert die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Grundlagen: Es werden die theoretischen Basisbegriffe der Raumdefinition und Überwachungstheorien von Foucault und Deleuze diskutiert sowie die technischen Grundlagen der CCTV-Systeme vorgestellt.
3. Situation der Videoüberwachung in Großbritannien: Dieses Kapitel behandelt die spezifische Gesetzeslage, den Vergleich zu Deutschland und die historische Entwicklung der Videoüberwachung in Großbritannien.
4. Videoüberwachung als Raumkontrolle: Hier wird die praktische Umsetzung, die technische Kapazität, die Rolle des menschlichen Faktors in Kontrollzentralen sowie die Kosten-Nutzen-Relation und staatliche Macht analysiert.
5. Gesellschaftliche Auswirkungen durch Videoüberwachung: Das Kapitel untersucht die Gefährdung demokratischer Rechte, die öffentliche Akzeptanz, die psychologische Wirkung als Angstszenario und räumliche Segregationseffekte.
6. Fazit und Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und kritisch reflektiert, wobei Alternativen zur reinen technologischen Aufrüstung aufgezeigt werden.
Videoüberwachung, Großbritannien, Raumkontrolle, CCTV, Überwachungstheorie, Privatsphäre, Kriminalitätsprävention, Kontrollgesellschaft, Disziplinargesellschaft, Datenschutz, Raumaneignung, Überwachungskameras, soziale Exklusion, biometrische Identifizierung, Macht des Staates
Die Arbeit analysiert die flächendeckende Videoüberwachung im öffentlichen Raum Großbritanniens, beleuchtet deren theoretische Hintergründe sowie die konkreten Auswirkungen auf die Gesellschaft und individuelle Rechte.
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung durch Foucault und Deleuze, die rechtliche Situation, technische Aspekte von CCTV, die Effektivität bei der Verbrechensbekämpfung sowie die daraus resultierenden sozialen Folgen wie Exklusion und Verlust von Anonymität.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der staatlichen Rechtfertigung der Videoüberwachung (Sicherheit) und der tatsächlichen gesellschaftlichen Auswirkung (Raumaneignung, Überwachungseffekte) differenziert darzustellen.
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die soziologische Theorien und rechtliche Rahmenbedingungen mit empirischen Studienergebnissen zur Videoüberwachung verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Situation in Großbritannien, die technische und menschliche Praxis der Raumkontrolle, die Kosten-Nutzen-Rechnung und die Bewertung der gesellschaftlichen Konsequenzen.
Wesentliche Begriffe sind Videoüberwachung, Raumkontrolle, CCTV, Privatsphäre, Kontrollgesellschaft und Überwachungsstaat.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche kriminalitätspräventive Wirkung von CCTV in vielen Bereichen kaum nachweisbar ist und in einem problematischen Verhältnis zum hohen finanziellen Aufwand steht.
Das Panopticon dient als zentrale Metapher für die Disziplinierung der Gesellschaft, wobei die Arbeit aufzeigt, dass moderne CCTV-Systeme durch ihre dezentrale und präventive Struktur noch komplexere und weitreichendere Kontrollmechanismen als das ursprüngliche Modell darstellen.
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