Masterarbeit, 2012
84 Seiten
0. Einleitung
1. Zum Traum in der Antike
1.1. Träume und ihre Funktionen in der antiken Literatur
1.1.1. Penelopes Gänsetraum
1.1.2. Klytaimnestras Drachentraum
1.2. Allgemeines zum Traum und zur Traumdeutung im Mittelalter
1.2.1. Traum in der mittelalterlichen Literatur
2. Tiere in den weiblichen Träumen im Mittelalter
2.1. Kriemhilds Träume im Nibelungenlied
2.1.1. Kriemhilds Falkentraum
2.1.1.1. Falke im Mittelalter
2.1.1.2. Zur symbolischen Bedeutung des Falken im Nibelungenlied
2.1.1.3. Adler im Mittelalter
2.1.1.4. Zur symbolischen Bedeutung des Adlers im Nibelungenlied
2.1.2. Kriemhilds Ebertraum
2.1.2.1. Eber im Mittelalter
2.1.2.2. Zur symbolischen Bedeutung des Ebers im Nibelungenlied
2.1.3. Funktionen der Träume in der Handlung
2.2. Herzeloydes Traum im Parzival
2.2.1. Herzeloydes Drachentraum
2.2.1.1. Drache im Mittelalter
2.2.1.2. Zur symbolischen Bedeutung der Drachen im Parzival
2.2.2. Funktionen des Traums in Parzivals Leben und in der Handlung
3. Schlussbemerkung
Ziel der Arbeit ist es, die Rollen und Funktionen von Tier-Träumen in der mittelalterlichen Literatur zu analysieren. Dabei liegt der Fokus auf der Untersuchung der Träume von Kriemhild im Nibelungenlied und Herzeloyde im Parzival, um deren Bedeutung als Vorausdeutungen und Spiegel innerer sowie äußerer Handlungsprozesse zu entschlüsseln.
1.1.1. Penelopes Gänsetraum
Penelope ist die Gattin des Odysseus. Sie ist die liebende Gattin, die ihrem Mann zwanzig Jahre lang die Treue bewahrt und auf seine Heimkehr wartet. Nach dem trojanischen Krieg kehrt Odysseus eines Tages zurück nach Ithaka. Er verkleidet als ein Bettler, weil er die Freier besiegen will. Penelope sieht diesen Bettler und erkennt ihn nicht. Aber trotzdem erzählt sie dem Bettler von ihrem merkwürdigen Traum, den sie kurz zuvor geträumt hat:
Zwanzig Gänse fressen den Weizen im Hause. Dann kommt ein großer Adler bringe alle Gänse um. Tot liegen sie in den Hallen, während der Adler sich wieder zum göttlichen Äther erhebt. Dann komme der Adler wieder und spreche mit menschlicher Stimme. Er gebiete ihr Einhalt und sage, dass dies kein Traum sondern eine Wirklichkeit, sei, die er erfüllen werde. Und der Adler beginnt den Traum im Traum zu deuten. Er sagt, dass jene Gänse die Freier seien und ihr Gatte der Adler im Traum gewesen sei und wiedergekommen sei. Da erschien er ihr plötzlich als Odysseus. Dann fügt er hinzu, dass er den Freiern ein schmähliches Ende breiten werde. Nachdem der Adler gesprochen hat, sei sie aufgewacht. Daraufhin deutet der Gast den Traum Penelopes: Odysseus selber habe die Rätsel des Traumes in ihrem Traum aufgelöst. Der Traum werde daher in Erfüllung gehen und Odysseus werde sich an den Freiern rächen. Am nächsten Tag geht Penelopes Traum aber in Erfüllung.
0. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Träumen als universales Phänomen dar und erläutert das Ziel der Arbeit, die Funktionen von Tier-Träumen im Nibelungenlied und Parzival anhand der Traumdeutungstheorie von Speckenbach zu untersuchen.
1. Zum Traum in der Antike: In diesem Kapitel wird das antike Verständnis des Traums als Orakel und dessen Vorhersagekraft analysiert, wobei Beispiele wie Penelopes Gänsetraum als poetische Mittel der Handlungssteuerung dienen.
2. Tiere in den weiblichen Träumen im Mittelalter: Das Kapitel widmet sich der Analyse von Tierträumen im Mittelalter und untersucht deren symbolische Bedeutung sowie deren Rolle bei der Vorausdeutung des Schicksals, mit besonderem Blick auf Kriemhilds und Herzeloydes Träume.
3. Schlussbemerkung: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst, wobei betont wird, dass Tier-Träume trotz unterschiedlicher Gattungen der untersuchten Werke eine zentrale, handlungsfördernde Funktion besitzen.
Tier-Traum, Mittelalter, Nibelungenlied, Parzival, Traumdeutung, Symbolik, Vorausdeutung, Kriemhild, Herzeloyde, Falke, Eber, Drache, Minne, Schicksal, Literaturwissenschaft
Die Arbeit untersucht die Rollen und Funktionen von Tier-Träumen weiblicher Figuren in zentralen Werken der mittelhochdeutschen Literatur.
Die Hauptanalyse konzentriert sich auf das Nibelungenlied und den Parzival von Wolfram von Eschenbach.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Tier-Träume als symbolische Schlüssel fungieren, um das Geschehen, die Charakterisierung der Personen und den Verlauf der Handlung vorauszudeuten.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich primär auf das Modell der fünf Traumfunktionen von Klaus Speckenbach stützt, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit historischer Symbolik.
Der Hauptteil analysiert die Träume Kriemhilds (Falkentraum, Ebertraum) sowie den Drachentraum Herzeloydes und setzt diese in Bezug zu den jeweiligen Tiersymboliken im Mittelalter.
Die wichtigsten Tiersymbole in dieser Arbeit sind der Falke und der Eber im Nibelungenlied sowie der Drache im Parzival.
Im Mittelalter wurden Träume stärker als göttliche Offenbarungen oder Orakel angesehen, wobei eine systematische Kategorisierung (wie bei Macrobius) eine entscheidende Rolle für die Deutung spielte.
Der Drachentraum fungiert als prophetische Vorausdeutung für die Geburt eines großen Königs und das spätere Schicksal von Parzival, wobei er gleichzeitig den Abschied von der Mutter thematisiert.
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