Magisterarbeit, 2010
88 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
1.1 Rückblick in die Scheidungsforschung
1.2 Stand der Scheidungsmediation in Deutschland
2. Psychologische Aspekte der Trennung
2.1 Definitionen der Mediation
2.2 Psychologie der Gerechtigkeit
2.2.1 Vorstellungen von Gerechtigkeit
2.2.2 Gerechtigkeitskonflikte in der Mediation
2.2.3 Bearbeitung von Gerechtigkeitskonflikten
2.3 Emotionspsychologische Aspekte
2.3.1 Emotionen im beratenden Gespräch
2.4 Soziale Konflikte
2.4.1 Konfliktanlass
2.4.2 Auswirkungen auf die Beteiligten
2.4.2.1 Die Elternteile
2.4.2.2 Kinder im Trennungsprozess
3. Die Scheidung als Prozess
3.1 Der Scheidungszyklus
4. Folgen für die Beratungspraxis
4.1 Anforderungen an die Scheidungsberatung
5. Konzepte der Beratung im Trennungsprozess
5.1 Systematisierung der Beratungskonzepte
5.1.1 Konzepte zur Ambivalenzklärung und Entscheidungsfindung
5.1.1.1 Strukturierte Trennung
5.1.1.2 Systemische Ambivalenzberatung in Paargruppen
5.1.1.3 Präventive Elternarbeit
5.1.2 Konzepte zur Regelung der Scheidungsfolgen
5.1.2.1 Friends of the Court
5.1.2.2 Das Denver Modell
5.1.2.3 Das Stuttgarter Modell
5.1.2.4 Das Regensburger Modell
5.1.3 Konzepte zur Bewältigung des Scheidungserlebens
5.1.3.1 Kurzzeitinterventionen für Kinder
5.1.3.2 Das Freiburger Gruppeninterventionsprogramm
5.1.3.3 Kommunikationstraining für Geschiedene
5.1.3.4 Mehrgenerationale Familientherapie
5.1.3.5 Gruppen für Frauen in der Trennungsphase
5.1.3.6 Networking
5.1.3.7 Families in Transition Program
6. Mediation im Kontext von Beratung und Therapie
6.1 Möglichkeiten und Grenzen der Mediation
6.2 Schlussfolgerungen für die Scheidungsberatung
Die Arbeit untersucht das Wirkungspotential der Mediation als Konfliktschlichtungsinstrument im strittigen Scheidungsfall. Ziel ist es, unter Einbeziehung psychologischer Aspekte des Scheidungsprozesses sowie der Analyse verschiedener Beratungskonzepte, ein fundiertes Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen der Mediation zu gewinnen und Konsequenzen für die moderne Beratungspraxis abzuleiten.
2.2.1 Vorstellungen von Gerechtigkeit
Für eine Bearbeitung von Konflikten mit einer nachhaltigen Wirkung ist es also unabdingbar, die im individuellen Streit relevanten und unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen der Parteien zu erkennen. Daher ist es notwendig, die Vorstellungen von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit in einer Gesellschaft, in der Bevölkerung zu kennen. Hier kann die Mediation, fern der richterlichen Auslegung des festgeschriebenen Rechts in begrenzter Zeit, eine Alternative für die sich Trennenden darstellen, welche die individuellen Bedürfnisse und Bewertungen im Konflikt mehr berücksichtigt.
Die Bewertung der Gerechtigkeit ist als ein kognitiver, individueller Prozess zu verstehen, der im Laufe des Lebens verschiedenen Einflüssen unterworfen ist. Kessler und Syringa Harth (2008) nennen die Kriterien Zieldiskrepanz, Legitimität, Erreichbarkeit und Verantwortlichkeit als Kennzeichen, die bei der Bewertung einer gegebenen Situation, z.B. wahrgenommene Benachteiligung, eine zentrale Rolle spielen.
Das eigene Verhalten ist auf ein Ziel ausgerichtet, welches aus irgendwelchen Gründen nicht erreicht werden kann. Es entsteht das Gefühl der Frustration und als Konsequenz z.B. aggressives Verhalten, um das Hindernis zu beseitigen > Zieldiskrepanz.
Wenn das Ziel als ein berechtigter Anspruch wahrgenommen wird, entsteht nicht nur Frustration, sondern evtl. auch Entrüstung, wenn der gewünschte Endzustand nicht erreicht wird. Wird es hingegen als legitim angesehen, das gewünschte Ziel nicht zu erreichen, kann Enttäuschung oder Depression entstehen > Legitimität.
Ein angestrebtes Ziel kann als leicht erreichbar bis unerreichbar wahrgenommen werden, was Gefühle von Enttäuschung und Benachteiligung verstärken oder reduzieren kann > Erreichbarkeit.
Auch die Frage nach der Verantwortung für das Erreichen bzw. Nichterreichen eines Ziels erzeugt Emotionen wie z.B. Selbstmitleid bei wahrgenommener eigener Verantwortung, oder Ärger und Empörung, wenn man andere für das Nichterreichen verantwortlich macht > Verantwortlichkeit.
Es wird deutlich, dass unterschiedliche Bewertungen einer negativen Situation zu individuell unterschiedlichen Emotionen führen können und diese wiederum verschiedene Verhaltensweisen auslösen. Das Gefühl gerecht oder ungerecht behandelt worden zu sein, ist also aufgrund zuvor getroffener Bewertungen entstanden. Gerechtigkeit ist ein subjektiver, intrapersonaler Bewertungsmaßstab.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Scheidungsforschung und den aktuellen Stand der Scheidungsmediation in Deutschland ein.
2. Psychologische Aspekte der Trennung: Dieses Kapitel betrachtet die psychologischen Grundlagen von Konflikten, insbesondere das Gerechtigkeitsempfinden, Emotionen und soziale Konfliktdynamiken im Kontext einer Scheidung.
3. Die Scheidung als Prozess: Hier wird die Scheidung als systemischer Prozess betrachtet und der Scheidungszyklus in verschiedene Phasen strukturiert.
4. Folgen für die Beratungspraxis: Dieses Kapitel leitet aus den zuvor behandelten Problemen Implikationen für die praktische Scheidungsberatung und ihre Anforderungen ab.
5. Konzepte der Beratung im Trennungsprozess: Es erfolgt eine systematische Darstellung und Überprüfung verschiedener Beratungskonzepte, unterteilt nach ihrer Funktion in den verschiedenen Phasen des Scheidungsprozesses.
6. Mediation im Kontext von Beratung und Therapie: Das abschließende Kapitel beleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen der Mediation als spezialisierte Form der Scheidungsberatung und zieht allgemeine Schlussfolgerungen.
Scheidungsmediation, Trennung, Scheidungsberatung, Familienkonflikt, Gerechtigkeit, Psychologie, Beratungspraxis, Systemtheorie, Familiensystem, Kindeswohl, Konfliktbearbeitung, Scheidungszyklus, Interventionskonzepte, Ambivalenzberatung, Kommunikationstraining
Die Arbeit untersucht, ob und wie die Mediation als professionelles Verfahren zur Konfliktschlichtung im Kontext von Scheidungen eingesetzt werden kann und welche psychologischen Hintergründe hierbei zu beachten sind.
Zu den zentralen Themen gehören die psychologischen Aspekte von Trennung und Konflikten, die systemische Betrachtung der Familie, verschiedene Beratungs- und Interventionskonzepte sowie die methodischen Anforderungen an Mediatoren und Berater.
Das primäre Ziel ist es, das Wirkungspotential der Mediation bei strittigen Scheidungsfällen zu analysieren und aufzuzeigen, wie eine effektive, den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen gerecht werdende Beratung gestaltet sein sollte.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der sich primär auf sozial- und klinisch-psychologische Erkenntnisse stützt und diese mit dem systemischen Familienansatz sowie juristischen Rahmenbedingungen verknüpft.
Der Hauptteil analysiert psychologische Grundlagen (Gerechtigkeitserleben, Emotionen), strukturiert den Scheidungsprozess in Phasenmodelle und bewertet eine Vielzahl konkreter Beratungs- und Interventionskonzepte für Eltern und Kinder.
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Scheidungsmediation, Trennungsberatung, psychologische Konfliktanalyse, Kindeswohl, systemische Familientherapie und Interventionsstrategien.
Kinder werden als besonders betroffen von Trennungsprozessen identifiziert, wobei ihre Reaktion stark von ihrem Alter und dem Konfliktniveau der Eltern abhängt, weshalb eine frühzeitige, altersentsprechende Beratung unerlässlich ist.
Mediation wird diskutiert, da sie im Gegensatz zu rein juristischen Verfahren, die oft als belastend empfunden werden, einen eigenverantwortlichen und konstruktiveren Umgang mit dem Konflikt ermöglicht und hilft, tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.
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