Doktorarbeit / Dissertation, 2013
116 Seiten, Note: 3
1 EINLEITUNG UND THEORIE
1.1 Geschichte der Kinderschutzarbeit
1.2 Definition und Aufgaben der Kinderschutzzentren
1.3 Kinderschutzgruppen in Österreich
1.4 Traumatischer Stress
1.5 Sekundäre Traumastörungen
1.5.1 Mitgefühlserschöpfung
1.5.2 Compassion satisfaction
1.5.3 Burnout
1.5.4 Abgrenzung von Burnout zur posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)
1.6 Auswirkungen der sekundären Traumastörungen auf Kognitionen und Emotionen
1.6.1 Gegenübertragungen der TherapeutInnen
1.6.2 Exkurs zur Emotion Ärger:
1.7 Geschlechtsunterschiede bei sekundären Traumastörungen
1.8 Emotionspsychologie
1.8.1 Was ist eine Emotion?
1.8.2 Emotionsregulation
1.8.3 Geschlechtsunterschiede im emotionalen Verhalten
1.8.4 Emotionsregulation und Alter
1.9 Zum Zusammenhang zwischen traumatischen Stress und Emotionsregulation
1.10 Ableitung der Fragestellungen und Hypothesen
2 METHODE
2.1 Beschreibung der Datenerhebungsinstrumente
2.1.1 Der „Compassion Fatigue/Satisfaction-Selbsttest“ von Stamm & Figley (2002)
2.1.2 Fragebogen zur Emotionsregulation (EERQ) von Benecke et al. (2008)
2.2 Versuchsdurchführung
3 STATISTISCHE AUSWERTUNG UND DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE
3.1 Deskriptive Statistiken
3.1.1 Versuchsteilnehmer
3.1.2 Unterschiede im Alter zwischen männlichen und weiblichen Befragten
3.1.3 Unterschiede in der Berufserfahrung
3.1.4 Überprüfung der Normalverteilung aller Mittelwerte
3.1.5 Auflistung der schwierigen Gefühle in der direkten Klientenarbeit
3.2 Auswertung des „Compassion Fatigue/Satisfaction“-Selbsttests
3.3 Überprüfung der Hypothese 1:
3.4 Überprüfung der Hypothese 2:
3.5 Überprüfung der Hypothese 3:
3.5.1 Regressionsanalysen
3.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
4 DISKUSSION UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE
4.1 Qualitätssicherung und schwierige Gefühle in der Kinderschutzarbeit
4.2 Ergebnisse des Compassion-Fatigue-Tests
4.3 Der Einfluss des Geschlechts und der Berufserfahrung
4.4 Der Einfluss der Emotionsregulierung
4.5 Ableitung eines Modells
4.6 Kritik an der vorliegenden Arbeit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Emotionserleben und die Emotionsregulationsstrategien von Mitarbeitern in Kinderschutzeinrichtungen in Österreich, um deren Belastung durch sekundäre Traumatisierungen sowie protektive Faktoren besser zu verstehen.
1.6.1 Gegenübertragungen der TherapeutInnen
Pross (2006) bezieht sich auf das Modell von Pearlman & Saakvitne und sieht den Prozess der sekundären Traumatisierung als eine „Infektion“ der KlientInnenberichte auf TherapeutInnen. Die Ängste, Erinnerungen, Albträume und Verzweiflung überschwemmen dabei den Helfer, welcher sich davon „anstecken“ lässt. Als Reaktion darauf kann der Therapeut mit einem Rückzug von Empathie und Intellektualisierung reagieren. Andererseits kann er auch mit einer Überidentifikation reagieren, was zu gegenseitiger Abhängigkeit führt.
Diese Reaktionen werden in den analytischen Modellen als Gegenübertragungsreaktionen formuliert. Diese Reaktionsweisen wurden schon in den 50er Jahren durch Hoppe untersucht. Er unterschied 4 typische Muster, welche von Wilson (1989) näher beschrieben wurden
1) Völlige Verleugnung und Abwehr der eigenen Angst, Scham und Schuldgefühle durch Bagatellisierung des Traumamaterials. Der Therapeut zeigt ein Rükzugsverhalten und Distanzierung.
2) Rationalisierung: Der Therapeut zeigt sich offen, aber empfindet keine Empathie und „versteckt“ sich hinter Wissenschaftlichkeit. Sein Verhalten ist fassadenhaft und er intellektualisiert.
3) Überidentifikation mit dem Opfer: Dadurch befriedigt der Therapeut eigene narzisstische Gefühle und Allmachtsphantasien und macht den Klienten von ihm/ihr abhängig. Dabei kommt es zu einer Grenzvermischung und Überengangement.
4) Kontrollierte Identifikation: Diese Haltung wird als ideal gesehen, in der der Therapeut offen und empathisch ist, aber gleichzeitig in der kritischen Selbstbeobachtung bleibt und seine Abwehrmechnismen reflektiert. Er bleibt dabei nicht-bewertend. Die PsychoanalytikerInnen bezeichnen diese Haltung auch als „Abstinenz“.
1 EINLEITUNG UND THEORIE: Dieses Kapitel bietet einen umfassenden theoretischen Rahmen über Kinderschutzarbeit, traumatischen Stress, sekundäre Traumatisierungen und psychologische Grundlagen der Emotionsregulation.
2 METHODE: Hier werden die eingesetzten Forschungsinstrumente wie der „Compassion Fatigue/Satisfaction-Selbsttest“ und der Fragebogen zur Emotionsregulation sowie der Ablauf der Befragung detailliert beschrieben.
3 STATISTISCHE AUSWERTUNG UND DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptiven Daten der Probanden und die statistische Auswertung der Hypothesen zur Belastung und Emotionsregulation.
4 DISKUSSION UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, mit der Literatur verglichen und es wird ein Vorhersagemodell zur Prävention in der Kinderschutzarbeit abgeleitet.
Kinderschutzarbeit, Sekundäre Traumatisierung, Mitgefühlserschöpfung, Burnout-Risiko, Compassion Satisfaction, Emotionsregulation, Emotionsregulationsstrategien, Psychohygiene, Trauma, Stressbewältigung, Gegenübertragung, Geschlechtsunterschiede, Berufserfahrung, Kinderschutzzentren, Psychotherapeuten
Die Arbeit analysiert, wie Mitarbeiter in Kinderschutzeinrichtungen die Arbeit mit traumatisierten Opfern psychisch bewältigen und welche Emotionsregulationsstrategien dabei zum Einsatz kommen.
Die Schwerpunkte liegen auf sekundären Traumatisierungen, dem Burnout-Risiko, den positiven Aspekten der helfenden Tätigkeit (Compassion Satisfaction) sowie der bewussten Steuerung von Emotionen.
Das Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen bestimmten Regulationsstrategien und psychischen Belastungsfolgen aufzuzeigen, um präventive Maßnahmen für die Psychohygiene in Kinderschutzeinrichtungen abzuleiten.
Es handelt sich um eine quantitative Befragung von 133 Fachkräften (Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter etc.) in österreichischen Kinderschutzeinrichtungen mittels standardisierter Fragebögen und statistischer Analyse.
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der Traumafolgen, der Beschreibung der Datenerhebungsinstrumente und der statistischen Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich Alters-, Geschlechts- und Erfahrungsunterschieden.
Zentrale Begriffe sind Mitgefühlserschöpfung, sekundäre Traumatisierung, Emotionsregulation, Burnout-Prävention und die professionelle Identität von Helfern.
Die Arbeit zeigt, dass Berufserfahrung tendenziell als Schutzfaktor wirkt und die Anwendung protektiver Strategien wie „soziale Unterstützung“ begünstigt.
Gefühle wie Wut, Ärger, Hilflosigkeit und Traurigkeit sind sehr verbreitet und stellen hohe Anforderungen an die Emotionsregulation der Fachkräfte.
Frauen berichten signifikant häufiger von „Compassion Satisfaction“ und nutzen tendenziell andere Regulationsstrategien als ihre männlichen Kollegen.
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