Bachelorarbeit, 2014
48 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Konzept der Heterotopie (Foucault)
3. Das Kino als Heterotopie par excellence
3.1 Das Kino zwischen Utopie und Heterotopie
3.2 Das filmische Prinzip der Verfremdung als heterotopes Verfahren
4. Andersartigkeit der Figuren bei Wes Anderson
4.1 Figurenzeichnung
4.2 Zeitliche Verkehrung des Rollenverhaltens als liminale Phase
5. Aus- und Aufbruch aus der bestehenden Ordnung
5.1 Symbolische Bedeutung des Familienhauses
5.2 Das Haus als Pars pro Toto des filmischen Raums am Beispiel von MOONRISE KINGDOM
6. Heterotope Orte bei Wes Anderson
6.1 Heterotopien als Orte des Zwischen- und Übergangsraumes
6.2 Die Suche nach dem heterotopen Anderen bei MOONRISE KINGDOM
7. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern die Filme des Regisseurs Wes Anderson als filmische Räume fungieren, die Michel Foucaults Konzept der Heterotopie entsprechen, und wie diese Räume zur Identitätsbildung und Sinnsuche der Figuren beitragen.
3.1 Das Kino zwischen Utopie und Heterotopie
Im Folgenden wird untersucht, inwieweit das Kino in seinen Eigenschaften den Grundsätzen der Heterotopie Rechnung trägt. Da das Kino ein tatsächlich existierender kultureller Ort ist, der den Betrachter durch den ihm innewohnenden Charakter der Zerstreuung vom geregelten Alltag kurzzeitig entfliehen lässt, bringt es damit schon sehr gute Voraussetzungen für eine Heterotopie. Bevor die Grundsätze der Heterotopie auf das Medium Film angewendet werden, ist zunächst festzustellen, ob der Film einen utopischen oder heterotopischen Charakter hat, schließlich fokussiert sich Foucault auf andere Orte, die tatsächlich existieren.
Die Voraussetzung für eine Heterotopie entspringt aus der Imagination, die den Zugang für den Zuschauer mittels Simulationstechnik in eine fiktive Welt erst ermöglicht. Dies klingt zunächst so, als ob es sich hierbei um keine – den Kriterien Foucaults entsprechenden Heterotopie – handeln würde. Tatsächlich hat er aber den Begriff der Heterotopie in Abhängigkeit zur Utopie betrachtet, da er beiden Orten eine 'gemeinschaftliche Erfahrung' unterstellt, die er mit der Metapher des Spiegels beschreibt.
Der Spiegel funktioniert als Heterotopie, weil er den Ort, an dem ich bin, während ich mich im Spiegel betrachte, absolut real in Verbindung mit dem gesamten umgebenden Raum und zugleich absolut irreal wiedergibt, weil dieser Ort nur über den virtuellen Punkt jenseits des Spiegels wahrgenommen werden kann.
Einzig die Lokalisierbarkeit bestimmt also den Unterschied zwischen Heterotopie und Utopie und stellt sie in Form eines Spiegels dar, als Verbindung zwischen dem einerseits existenten Ort des Abgebildeten und seinem Pendant des Spiegelbilds als Utopie anderseits, das auf das Hier und Jetzt des Abbilds verweist, obwohl es selbst nicht real anwesend ist.
1. Einleitung: Einführung in das Konzept der Heterotopie nach Foucault und Übertragung auf das Medium Film sowie das Schaffen von Wes Anderson.
2. Konzept der Heterotopie (Foucault): Detaillierte Herleitung der foucaultschen Begrifflichkeiten und Grundsätze der Heterotopie.
3. Das Kino als Heterotopie par excellence: Untersuchung des Kinos als Ort, der Raum- und Zeitstrukturen auflöst und mittels Verfremdung als Gegenort fungiert.
4. Andersartigkeit der Figuren bei Wes Anderson: Analyse der komplexen, charakter-getriebenen Figurenzeichnung und ihrer Rolle im liminalen Prozess.
5. Aus- und Aufbruch aus der bestehenden Ordnung: Erläuterung der symbolischen Bedeutung von Rückzugsräumen wie dem Familienhaus als Ausgangspunkt für Transformationen.
6. Heterotope Orte bei Wes Anderson: Untersuchung spezifischer Schauplätze wie Schiffe, Züge oder Zelte in ihrer Funktion als Transitorte der Identitätssuche.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Funktionalität von Heterotopien in Andersons Filmen als kreativem, lebensbejahendem Impuls.
Wes Anderson, Heterotopie, Michel Foucault, Filmtheorie, Raumkonstitution, Liminalität, Identitätssuche, Mise-en-scène, Verfremdung, Coming of Age, Melancholie, Filmästhetik, Raum, Ort, Gegenraum.
Die Arbeit untersucht, wie Wes Anderson das philosophische Konzept der Heterotopie von Michel Foucault nutzt, um filmische Räume zu schaffen, die sich von gesellschaftlichen Normen abheben.
Die zentralen Felder sind die filmische Raumtheorie, die Analyse der foucaultschen Heterotopien sowie das spezifische "Visual Style" und die Charakterzeichnung in Wes Andersons Filmen.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Andersons Filme durch räumliche und zeitliche Andersartigkeit den Zuschauer für ein Verständnis des "Fremden" sensibilisieren und den Protagonisten als "Heterotopie" dienen.
Die Arbeit nutzt eine filmtheoretische Analyse, die den foucaultschen Heterotopie-Begriff mit raumsoziologischen Aspekten (z. B. nach Michel de Certeau) verknüpft.
Der Hauptteil analysiert die formale Filmgestaltung (Montage, Kadrierung, Mise-en-scène), die Psychologie der Figuren und die Bedeutung von Orten wie Familienhäusern, Schiffen und Zügen.
Wichtige Begriffe sind Heterotopie, Wes Anderson, Liminalität, filmischer Raum, Identitätssuche und Verfremdung.
Die Autorin sieht in Anderson einen Regisseur, der nicht nur formale, sondern auch inhaltliche Räume der Andersartigkeit kreiert, die Foucaults theoretisches Konzept ideal verkörpern.
Das Haus fungiert als "Pars pro Toto" des filmischen Raums und als Erinnerungsstätte der Kindheit, aus der die Protagonisten ausbrechen wollen, um ihre eigene Identität zu finden.
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