Bachelorarbeit, 2013
47 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Zur Biographie Anna Seghers'
2.1. Anna Seghers im Exil
2.2. Verrat aus den eigenen Reihen
2.3. Odyssee
2.4. Sieben Jahre Mexiko
3. Rückkehr nach Deutschland
4. Das Argonautenschiff
4.1. Entstehungsgeschichte
4.2. Seefahrer- und Hafenmilieu
4.3. Stationen der Veränderung
4.4. Die Philosophie in der Jason-Erzählung
4.5. Mythos und Seghers' Jason
5. Figurenbetrachtung
5.1. Jason
5.2. Die Nebenfiguren
5.3. Medea
6. Zur Biographie Alfred Döblins
6.1. Alfred Döblin im Exil
6.2. Paris
6.3. Amerika
7. Rückkehr nach Europa
8. Letzte Ehrungen
9. Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende
9.1.Mythologie in Döblins Hamlet
9.2. Alice und Gordon als mythische Figuren
9.3. Mythen-Figur und Roman-Figur
9.4. Krieg und Familienkrieg im Hamlet-Roman
10. Hamlet und Jason im Vergleich
11. Fazit
12. Bibliographie
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Entwürfe für eine Zukunft in den Werken von Anna Seghers und Alfred Döblin nach ihrer Remigration aus dem Exil. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die beiden Autoren ihre Exilerfahrungen, das politische Engagement und das Motiv der Heimkehr in ihren literarischen Texten verarbeiten und welche zukunftsorientierten Muster sie für ihre Figuren entwickeln.
4.2. Seefahrer- und Hafenmilieu
Mit Hilfe der Hafenkneipe wird die Exposition der Jason-Geschichte mit dem Milieu der Seefahrt verbunden. Das Seefahrermilieu gehört zur Lebenswelt des Jasons, in der Mythologie wie auch in der Handlungsgegenwart der Erzählung und so nimmt DIERSEN an, dass sich »mit dem Hafenmilieu und seiner zeitlos-mythischen Dimension« die Schriftstellerin auch selbst „ziere“. Seghers verfuhr ähnlich auch in ihrem Roman Transit, wo sie auf den Hafen von Marseille anspielt, von dem sie ihre Reise in das mexikanische Exil begann.
Der Hafenkneipe kann etwas Mythisches zugeschrieben werden, da sie sich nicht verändert zu haben und somit der Zeit enthoben zu sein scheint. Auf die Frage der Wirtstochter, ob sich die Kneipe verändert habe, antwortet Jason: »Keine Spur von verändert. Die ganze Welt habe sich zwar inzwischen verändert, [...] Die Kneipe aber, die sei die selbe geblieben.« Jenes zeitliche Enthobensein der Kneipe ist jedoch Jason bewusst, da auch er der Zeit enthoben ist. Er erkennt, dass selbst die Menschen sich durch die Zeiten ähneln. So verschluckt er beispielsweise die das Mädchen betreffende Erkenntnis: »Auch du bist die selbe geblieben.« Aber dies betrifft nicht nur die Wirtstochter, sondern alle sich in der Kneipe befindenden Menschen. Es gibt immer eine Wirtstochter, deren Bräutigam eifersüchtig auf sie wartet und es gibt auch immer die Seefahrergäste, die sich auch an ihre Heimat erinnert fühlen. Und eine Hafenbar ist typischer Treffpunkt der Seefahrer und ein Ort an dem sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt und sie der bürgerlichen Normalität entrückt. Sie ist wie eine „Höhle“ und sollte von jedem besucht werden, der in diesen Hafen einläuft, denn die Seefahrer raten sich: »Wenn ihr wirklich dort ankommt, vergeßt diese Kneipe nicht!«
Sie ist eine Anlaufstelle für die Reisenden, ein Treffpunkt, an dem man Gleichgesinnte trifft und wo man sich austauschen und weniger einsam fühlen kann. Sie ist wie ein sicherer Hafen, da sie sich sich eben nicht verändert, und diese Sicherheit, wird durch Jason, den Fremden, gestört.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Rückkehr aus dem Exil ein und definiert den Vergleich der Autoren Seghers und Döblin sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Zur Biographie Anna Seghers': Dieses Kapitel beleuchtet die Exilstationen von Anna Seghers, ihre politische Haltung und die prägenden Erfahrungen, die ihre literarische Produktion beeinflussten.
3. Rückkehr nach Deutschland: Hier wird der Prozess der Remigration von Anna Seghers und ihre ersten Eindrücke sowie ihr Engagement im Nachkriegsdeutschland analysiert.
4. Das Argonautenschiff: Dieses Kapitel analysiert das Werk von Seghers hinsichtlich Entstehung, Milieudarstellung, mythologischer Elemente und der philosophischen Ebene der Jason-Erzählung.
5. Figurenbetrachtung: Eine detaillierte Untersuchung der Hauptfigur Jason, der Nebenfiguren und der Medea-Figur im Kontext von Seghers' Erzählung.
6. Zur Biographie Alfred Döblins: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg von Alfred Döblin im Exil nach, inklusive seiner Zeit in Paris und Amerika sowie seiner Konversion.
7. Rückkehr nach Europa: Ein Überblick über die Umstände und Motive von Alfred Döblins Rückkehr nach Europa und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
8. Letzte Ehrungen: Ein kurzes Kapitel zu den späten Lebensjahren und Ehrungen von Alfred Döblin vor seinem Tod.
9. Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende: Eine Analyse von Döblins Roman, die sich auf die mythologischen Ebenen, die Figuren Alice und Gordon sowie die Thematisierung von Krieg und Familie konzentriert.
10. Hamlet und Jason im Vergleich: Ein direkter Vergleich der beiden behandelten Werke von Seghers und Döblin in Bezug auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Zukunftsgestaltung der Figuren.
11. Fazit: Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit, die die unterschiedlichen Lebenswege und literarischen Lösungsansätze der Autoren kontrastiert.
12. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur für diese Arbeit.
Anna Seghers, Alfred Döblin, Exilliteratur, Remigration, Heimkehr, Das Argonautenschiff, Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende, Mythos, Jason, Kriegsliteratur, Literaturwissenschaft, Nachkriegszeit, Zukunftsentwurf, Identität, Exil.
Die Arbeit befasst sich mit einem literaturwissenschaftlichen Vergleich der Schriftsteller Anna Seghers und Alfred Döblin, wobei ihr Leben im Exil und ihre nachfolgende Rückkehr sowie die literarische Verarbeitung dieser Erfahrungen im Fokus stehen.
Zentrale Themen sind die Exil-Erfahrung, die Probleme und Motive der Remigration, die Integration von Mythen in die Erzählstruktur sowie der Umgang mit der eigenen Identität nach dem Zweiten Weltkrieg.
Ziel ist es, die spezifischen Zukunftsentwürfe zu analysieren, die Seghers und Döblin ihren Romanfiguren angedeihen lassen, und aufzuzeigen, wie unterschiedlich die Autoren ihre persönlichen Erfahrungen in die Texte einfließen ließen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die biographische Kontexte mit einer werkbezogenen Interpretation verbindet, um Parallelen und Unterschiede zwischen den Autoren herauszuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in biographische Analysen beider Autoren sowie eine vertiefende Textanalyse der Werke "Das Argonautenschiff" (Seghers) und "Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende" (Döblin), gefolgt von einem direkten Vergleich.
Schlüsselbegriffe sind Remigration, Exilliteratur, Mythos-Rezeption, Identitätssuche und die Verarbeitung von Kriegserfahrungen in der deutschsprachigen Literatur nach 1945.
Seghers nutzte den Argonautensagen-Stoff, um Distanz zur aktuellen politischen Realität zu schaffen und gleichzeitig universelle Fragen über Schuld, Flucht und Veränderung zu behandeln, die für ihre Figuren (wie Jason) zentral sind.
Döblins Konversion zum Katholizismus im Exil führte zu einer stärkeren christlichen Thematisierung in seinem späteren Werk, was insbesondere im Vergleich zu seinem früheren Schaffen und im "Hamlet"-Roman deutlich wird.
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