Bachelorarbeit, 2014
46 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Rahmenbedingungen
3 Häusliche Gewalt
3.1 Begriffsbestimmung „Häusliche Gewalt“
3.2 Formen von häuslicher Gewalt
3.2.1 Physische Gewalt
3.2.2 Psychische Gewalt
3.2.3 Sexuelle Gewalt
3.2.4 Ökonomische Gewalt
3.2.5 Soziale Gewalt
3.3 Die Zyklustheorie der häuslichen Gewalt - Gewaltspirale
3.3.1 1. Phase - Stufe des Spannungsaufbaus
3.3.2 2. Phase - Der akute Gewaltakt
3.3.3 3. Phase - Zuwendung und reuiges, liebevolles Verhalten
4 Viktimologie
4.1 Begriffsbestimmung „Viktimologie“
4.2 Begriffsbestimmung „Opfer“
4.3 Der Prozess der Viktimisierung - Das Karrieremodell
4.3.1 Primäre Viktimisierung - Primärschäden
4.3.2 Sekundäre Viktimisierung - Sekundärschäden
4.3.3 Tertiäre Viktimisierung - Tertiärschäden
4.4 Täter-Opfer-Beziehung
5 Warum verharrt die Frau in der Opferrolle?
6 Opferschutz
6.1 §§406 d-h StPO
6.1.1 Historische Entwicklung
6.1.2 Begriffsbestimmung „Verletzter“
6.1.3 Befugnisse des Verletzten
6.1.3.1 Mitteilung an den Verletzten nach §406 d StPO
6.1.3.2 Akteneinsicht nach §406 e StPO
6.1.3.3 Beistand durch einen Anwalt nach §406 f Abs. 1 StPO
6.1.3.4 Hinzuziehung einer Vertrauensperson nach §406 f Abs. 2 StPO
6.1.3.5 Rechtsanwaltlicher Beistand des Nebenklagebefugten nach §406g StPO
6.1.4 Hinweispflicht nach §406 h StPO
7 Fazit
Die Arbeit analysiert die Dynamik häuslicher Gewalt, untersucht die Gründe für das Verharren von Frauen in der Opferrolle und bewertet die strafprozessualen Möglichkeiten des Opferschutzes als Mittel gegen sekundäre Viktimisierung.
3.3.1 1. Phase - Stufe des Spannungsaufbaus
Der Kreislauf beginnt mit der Stufe des Spannungsaufbaus. Das Opfer erleidet zunächst verbalen Missbrauch in Form von Abwertungen, Demütigungen oder Beschimpfungen. Auch leichte körperliche Gewalt kann bereits auftreten, indem die Partnerin geschubst oder leicht geschlagen wird. Auf diese kleineren gewalttätigen Vorfälle versuchen die Frauen auf unterschiedliche Weise zu reagieren. Sie greift dabei gern auf Methoden zurück, die sich in der Vergangenheit als hilfreich erwiesen haben. Beispielsweise fürsorgliches Verhalten oder sie geht ihm aus dem Weg. Dadurch versucht sie, eine Steigerung der Wut des Mannes zu verhindern. Ihm gibt sie jedoch zu verstehen, dass sie seine Misshandlungen akzeptiert, denn immer wieder nimmt sie auf diese Weise die Schuld auf sich. Psychologen nennen diesen Verteidigungsmechanismus „Realitätsleugnung“.
Diese Realitätsleugnung lässt die Frau sich selbst nicht eingestehen, dass sie die seelischen und körperlichen Verletzungen ihres Partners eigentlich nicht akzeptieren kann. Gewissermaßen gesteht sie sich selbst nicht ein, dass sie wütend auf ihren Partner ist und glaubt selbst an die falschen Argumentationen ihres Partners. Je mehr Vorfälle durch andere Faktoren erklärt werden können, desto weniger kommt die Frau in die Situation, sich ihre eigene Wut über das Verhalten ihres Partners eingestehen zu müssen.
1 Einleitung: Hinführung zum Thema häusliche Gewalt unter Darstellung der gesellschaftlichen Relevanz und persönlichen Motivation.
2 Rahmenbedingungen: Eingrenzung des Untersuchungsgegenstands auf Frauen als Opfer und Männer als Täter innerhalb heterosexueller Partnerschaften.
3 Häusliche Gewalt: Definition, Erscheinungsformen und detaillierte Darstellung der Gewaltspirale nach der Zyklustheorie.
4 Viktimologie: Theoretische Grundlagen zum Opferbegriff, zum Prozess der Viktimisierung und zur Täter-Opfer-Beziehung.
5 Warum verharrt die Frau in der Opferrolle?: Untersuchung der psychologischen, ökonomischen und sozialen Faktoren, die eine Trennung von gewalttätigen Partnern erschweren.
6 Opferschutz: Analyse der strafprozessualen Rechte für verletzte Personen (StPO) zur Vermeidung von sekundärer Viktimisierung.
7 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der Notwendigkeit aktiven Opferschutzes.
Häusliche Gewalt, Viktimologie, Gewaltspirale, Opferrolle, Strafprozessordnung, Opferschutz, Sekundärviktimisierung, Gewalt gegen Frauen, Beziehungsdelikte, Täter-Opfer-Beziehung, Realitätsleugnung, erlernte Hilflosigkeit, Nebenklage, Zeugenvernehmung, StPO.
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen häuslicher Gewalt gegen Frauen, analysiert die Mechanismen, die zu einer Verfestigung der Opferrolle führen, und untersucht rechtliche Möglichkeiten des Opferschutzes im Strafverfahren.
Die Schwerpunkte liegen auf den verschiedenen Gewaltformen, dem Gewaltzyklus (Spannungsaufbau, Gewaltakt, Versöhnung), der viktimologischen Einordnung sowie den strafrechtlichen Schutzrechten für Verletzte.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Handeln der Opfer zu schaffen, um Polizeibeamte und Außenstehende für die Situation zu sensibilisieren und die Bedeutung proaktiven Opferschutzes aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine umfangreiche Literaturarbeit, die psychologische Fachliteratur, Internetquellen, Gesetzeskommentare zur StPO sowie ausgewählte Rechtsprechungen analysiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gewaltformen und ihrer Systematik, die psychologischen Prozesse der Opferwerdung (Viktimisierung) und die praktische Analyse der §§ 406 d-h StPO.
Die zentralen Begriffe sind Häusliche Gewalt, Viktimologie, Gewaltspirale, Opferrolle, Opferschutz und Sekundärviktimisierung.
Die Realitätsleugnung dient den betroffenen Frauen als Verteidigungsmechanismus, um die Verletzungen ihres Partners nicht anerkennen zu müssen und die Verantwortung für das gewalttätige Verhalten teilweise bei sich selbst zu suchen.
Polizeibeamte sind oft die ersten Ansprechpartner nach einem Gewaltausbruch. Ihre Art der Vernehmung kann entscheidend dazu beitragen, eine sogenannte sekundäre Viktimisierung zu verhindern oder eben zu verschlimmern.
Es dient als Erklärungsansatz für die paradoxe emotionale Bindung zwischen Opfer und Täter, die dazu führen kann, dass die Frau ihre eigene Lage verharmlost und Hilfe von außen sogar aktiv abwehrt.
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