Bachelorarbeit, 2014
71 Seiten, Note: Sehr gut (1,5)
1. Einleitung
2. Forschungsstand und Forschungsgeschichte von unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen
2.1 Die Diagnose AD(H)S aus medizinisch-biologischer Perspektive
2.1.1 Symptomkriterien der AD(H)S in den Diagnosesystemen
2.1.2 Prävalenzzahlen bei Kindern mit der Diagnose AD(H)S
2.1.3 Komorbide Störungen in Verbindung mit der Diagnose AD(H)S
2.1.4 Ätiologische Faktoren der Diagnose AD(H)S aus medizinisch-biologischer Perspektive
2.1.5 Therapie von Kindern mit der Diagnose AD(H)S
2.2 Kritischer Diskurs um die medizinisch-biologische Perspektive des Phänomens der AD(H)S
2.2.1 Kritikpunkte an der medizinisch-biologischen Ursachenerklärung der Diagnose AD(H)S
2.2.2 Kritikpunkte an der Psychopharmakatherapie bei Kindern mit der Diagnose AD(H)S
2.3 Weitere Forschungsperspektiven zu unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen
2.3.1 Mangel an Sicherheit und Vertrauen als Faktor zur Entstehung von unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen
2.3.2 Psychoanalytische Positionen zu den Ursachen einer Aufmerksamkeits und Hyperaktivitätsstörung
2.3.3 Eine philosophische Perspektive zum Phänomen der AD(H)S
2.3.4 Auswirkungen veränderter gesellschaftlicher Bedingungen für die Entwicklung von unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen
3. AD(H)S, eine soziale Konstruktion
3.1 Devianz – ein Problem der Grenzziehung bei abweichendem Verhalten
3.2 Prozess der Kategorisierung und Zuschreibung von Verhaltensweisen
4. Ressourcen bei Kindern mit unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen erkennen und Handlungsspielräume erweitern
4.1 Den Teufelskreis von negativen Beziehungserfahrungen bei Kindern mit unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen durchbrechen
4.2 Die Unbestimmtheit der Diagnose AD(H)S als Ressource nutzen
5. Ausbildung und Teamvorbereitung der ehrenamtlichen Betreuer/innen für Ferienfreizeiten am Beispiel der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V.
5.1 Träger der Ferien- und Ausbildungsmaßnahmen
5.2 Ausbildung der ehrenamtlichen Freizeitbetreuer/innen beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V.
5.2.1 Gruppendynamik auf Kinderfreizeiten
5.2.2 Aspekte der Aufsichtspflicht auf Kinderfreizeiten
5.2.3 Bedeutung des Teams auf Kinderfreizeiten
5.2.4 Aspekte der Organisation und Vorbereitung einer Kinderfreizeit bei der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V.
5.2.5 Umgang mit Konflikten auf einer Kinderfreizeit
5.2.6 Bedürfnisse auf Kinderfreizeiten
5.3 Einblick in eine Ferienmaßnahme der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V.
5.4 Aspekte der Teamvorbereitung des Konzeptes der Kinderfreizeit auf Sylt der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V. 2014
5.4.1 Pädagogisches Aspekte des Konzeptes der Kinderfreizeit auf Sylt der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V. 2014
5.4.2 Organisatorische Aspekte des Konzeptes der Kinderfreizeit auf Sylt der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V. 2014
6. Handlungsansätze für den Umgang mit hyperaktiven und unaufmerksamen Kindern auf Ferienfreizeiten
6.1 Beziehungsgestaltung als Voraussetzung für mögliche Handlungsansätze im Umgang mit hyperaktiven und unaufmerksamen Kindern
6.2 Bedeutung von Anerkennung für die Beziehungsgestaltung zu Kindern denen eine AD(H)S zugeschrieben wird
6.3 Prinzipien für die Erziehung eines Kindes mit der Diagnose AD(H)S
6.4 Verantwortung übergeben
6.5 Aufmerksamkeit gewinnen - Umgebung reduzieren - Signale setzen
6.6 Verwendung von Wenn-dann-Strategien
6.7 Bedeutung des Freispiels
6.8 Sport als Möglichkeit zur Selbstregulation
6.9 Bedeutung von Ritualen
6.10 Resümee der Handlungsansätze
7. Zusammenfassung
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht kritisch die Konstruktion der Diagnose AD(H)S und entwickelt auf dieser Basis eine Handlungsorientierung für ehrenamtliche Betreuungspersonen auf Ferienfreizeiten, um trotz herausfordernder Verhaltensweisen positive Gruppenerfahrungen und Empowerment für die betroffenen Kinder zu ermöglichen.
2.2.1 Kritikpunkte an der medizinisch-biologischen Ursachenerklärung der Diagnose AD(H)S
Die medizinisch-biologische Ursachenerklärung kann nach Meinung einiger Autoren nur eine Hypothese sein, die die Komplexität der Ursachen und Erscheinungsmerkmale des Phänomens der AD(H)S auf eine fachspezifische Perspektive reduziert. Roggensack erklärt hinsichtlich eines Kausalzusammenhangs zwischen physiologischen Befunden und Verhaltensäußerungen von Menschen, dass dieser nur schwer auf andere übertragbar sei. Physiologische Abweichungen im Gehirn seien eher die Regel als die Ausnahme. So stützen sich die medizinisch-biologischen Erklärungsansätze nur auf die Hypothese des auf das Verhalten wirkenden Medikamentes. Durch die nachgewiesene Wirkung von Psychopharmaka auf das Verhalten wird ein kausaler Zusammenhang des Neurotransmitterstoffwechsels im Gehirn angenommen. Ein wissenschaftlicher Nachweis darüber bleibe aber bisher aus (vgl. Roggensack 2006, S. 101–104). So zeigt Brandl, dass nur bei 2 von 60 Versuchspersonen nach sechswöchiger Stimulanziengabe eine Veränderung in den Stoffwechselparametern gefunden wurde, während sich das Verhalten bei allen unterschiedlich veränderte (vgl. Brandl 2007, S. 112).
Auch Amft beschreibt, dass gleiche neurobiologische Zustände, die in der medizinischen Sichtweise als Ursache betrachtet werden, unterschiedliche Verhaltensweisen hervorrufen können. So zitiert er Hüther (2001) hinsichtlich der Interpretation von neurowissenschaftlichen Untersuchungen:
„Viele Autoren sind beim Abfassen ihrer Berichte der Versuchung erlegen – und suggerieren dem unbefangenen Leser, dass es möglich ist – einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den gefundenen neurobiologischen Veränderungen und den auf der Verhaltensebene beobachteten Symptomen herzustellen.“ (Hüther 2001 zit. n. Amft et al. 2004, S. 64)
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Kontroverse um die AD(H)S-Diagnose und stellt das Ziel vor, eine ressourcenorientierte Handlungshilfe für ehrenamtliche Freizeitbetreuer/innen zu entwickeln.
2. Forschungsstand und Forschungsgeschichte von unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen: Dieses Kapitel stellt medizinisch-biologische Erklärungsmodelle sowie einen kritischen Diskurs darüber dar und führt weitere Perspektiven ein, darunter bindungstheoretische und gesellschaftliche Erklärungsansätze.
3. AD(H)S, eine soziale Konstruktion: Hier wird AD(H)S als Prozess der Etikettierung und Zuschreibung analysiert, bei dem Normalitätsvorstellungen und institutionelle Machtverhältnisse eine entscheidende Rolle spielen.
4. Ressourcen bei Kindern mit unaufmerksamen und hyperaktiven Verhaltensweisen erkennen und Handlungsspielräume erweitern: Das Kapitel plädiert dafür, den Teufelskreis negativer Beziehungserfahrungen durch einen ressourcenorientierten Blick zu durchbrechen und die Unbestimmtheit der Diagnose als pädagogische Chance zu begreifen.
5. Ausbildung und Teamvorbereitung der ehrenamtlichen Betreuer/innen für Ferienfreizeiten am Beispiel der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar e.V.: Anhand eines Praxisbeispiels wird gezeigt, wie durch Ausbildung, Teamreflexion und pädagogische Konzepte eine strukturierte und kindgerechte Ferienfreizeit gestaltet werden kann.
6. Handlungsansätze für den Umgang mit hyperaktiven und unaufmerksamen Kindern auf Ferienfreizeiten: Dieses Kapitel bietet konkrete pädagogische Strategien, wie Beziehungsgestaltung, Anerkennung, Wenn-dann-Strategien und die Nutzung von Freispiel, um konstruktiv mit herausfordernden Verhaltensweisen umzugehen.
7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass AD(H)S mehr als eine medizinische Diagnose ist, und betont die Notwendigkeit, Kinder ressourcenorientiert und ohne voreilige Etikettierung in ihrer Entwicklung zu begleiten.
AD(H)S, Ferienfreizeit, Sozialpädagogik, Etikettierung, soziale Konstruktion, Ressourcenorientierung, Beziehungsgestaltung, ehrenamtliches Engagement, Kindheit, Verhaltensauffälligkeit, pädagogische Praxis, Empowerment, psychische Entwicklung, Inklusion, Handlungsorientierung.
Die Arbeit beschäftigt sich kritisch mit der Diagnose AD(H)S und der Frage, wie ehrenamtliche Betreuer/innen auf Ferienfreizeiten konstruktiv und ressourcenorientiert mit als hyperaktiv oder unaufmerksam beschriebenen Kindern umgehen können.
Zentrale Themen sind der wissenschaftliche Diskurs über AD(H)S, die sozialpädagogische Betrachtung von abweichendem Verhalten, die Rolle von Etikettierungsprozessen sowie praktische pädagogische Handlungskonzepte für die Freizeitpädagogik.
Das Ziel ist es, eine Handlungsorientierung für Betreuende zu schaffen, die den Fokus von einer defizitorientierten medizinischen Sichtweise weg hin zu einer ressourcenorientierten, verstehenden pädagogischen Haltung lenkt.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und theoretischen Reflexion, wobei verschiedene sozialwissenschaftliche und pädagogische Erklärungsmodelle kritisch gegenübergestellt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Auseinandersetzung mit der sozialen Konstruktion von AD(H)S, die Darstellung von Ressourcen bei betroffenen Kindern sowie die konkrete Vorstellung von Handlungsansätzen für Ferienfreizeiten, illustriert am Beispiel der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Neckar.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie AD(H)S, Ferienfreizeit, soziale Konstruktion, Ressourcenorientierung, Beziehungsgestaltung und pädagogische Praxis charakterisiert.
Die Ausbildung ist entscheidend, um Betreuer/innen für eine kritische und ressourcenorientierte Haltung zu sensibilisieren, damit sie nicht unreflektiert defizitorientierte Stigmatisierungen übernehmen.
Laut dem Autor dient das Freispiel als notwendiger Raum für Bewegung und Selbstregulation, in dem Kinder Spannungen abbauen und soziale Kompetenzen durch selbstständige Konfliktlösungen erwerben können.
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