Masterarbeit, 2015
71 Seiten, Note: 2,0
1. Industrialisierung, ‚soziale Frage‘ und Naturalismus – zur Kultur der Industriegesellschaft im 19. Jahrhundert
1.1 Zur Industrialisierung
1.1.1 Zu den sozialen Folgen vor dem Hintergrund technischer und sozioökonomischer Entwicklungslinien in Deutschland: Zur ‚sozialen Frage‘
1.1.2 Auswirkungen der Industrialisierung auf die Kultur
1.2 Der Naturalismus: Theorie und Verflechtungen
1.3 Naturalismus und technischer Fortschritt: Zur Rolle des Naturalismus und des Einzugs der ‚sozialen Frage‘ in Kunst und Literatur
2. Die ‚soziale Frage‘ in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts – analysiert am Beispiel des Dramas Die Weber von Gerhart Hauptmann
2.1. Soziales Drama? Motive der Industrialisierung im naturalistischen Drama
2.2. Aspekte zum methodischen Vorgehen und der Analyse des Textes hinsichtlich der Thematisierung der ‚sozialen Frage‘
2.2.1. Entstehungszeit und dargestellte Zeit: Die Weber im Spiegel der Wirklichkeit
2.2.2. Zur Gesellschaftsstruktur
2.2.3 Die Bedeutung der ‚sozialen Frage‘ im Frühwerk Gerhart Hauptmanns
2.3. Zwischenfazit
3. Zum Motiv der Technik in der novellistischen Studie Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann
3.1. Abgrenzung: Novelle versus novellistische Studie
3.2. Zum Technikmotiv im Bahnwärter Thiel
3.2.1. Korrelation Naturalismus und Symbolismus
3.2.2. Die Psyche Thiels: Spiegelbild einer Entfremdung von der Natur durch Technik?
3.2.3. Das Individuum als Opfer der ‚Umstände‘
3.3. Zwischenfazit
4. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Motive der Industrialisierung und der sogenannten ‚sozialen Frage‘ im literarischen Frühwerk von Gerhart Hauptmann. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit der Autor als sozialpolitisch motiviert betrachtet werden kann und welche Rolle die Technisierung in seinen Werken einnimmt, wobei die Novelle Bahnwärter Thiel und das Drama Die Weber als exemplarische Analyseobjekte dienen.
Die Psyche Thiels: Spiegelbild einer Entfremdung von der Natur durch Technik?
Im Folgenden soll der Zusammenhang der Psyche Thiels mit Natur und Technik betrachtet werden. Thiels Wahnsinn entwickelt sich vordergründig aus dem Konflikt zwischen seiner mythischen, seelischen Bindung an Minna und der triebhaften, sexuellen Abhängigkeit von Lene, aus seinem auf Dualität angelegten Leben. Hier sein Wärterhäuschen, das ihm zur heiligen Zuflucht, zur „Totenkapelle“ geworden ist, umgeben von dem „geheiligten Land, welches ausschließlich den Manen der Toten“ (BW 7), dem Gedenken an seine erste Frau Minna gewidmet ist.
Dort seine zweite, rohe Frau Lene, der er sich mit ihren erotischen Reizen und auch sonst dominantem Auftreten nicht entziehen kann, unterordnet und so in ein Abhängigkeitsverhältnis gerät, über dessen er seine grundlegenden Fürsorgepflichten verletzt: Er interveniert nicht, als es zur Misshandlung Tobias durch Lene kommt. Dieser Grundkonflikt und dessen Folgen sind ursächlich für Thiels Wahnsinn. Daher mag man auf den ersten Blick über die These erstaunt sein, Thiels psychischer Verfall sei auch Ausdruck von der Entfremdung des Menschen von der Natur.
1. Industrialisierung, ‚soziale Frage‘ und Naturalismus – zur Kultur der Industriegesellschaft im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel skizziert die technischen, sozialen und wirtschaftlichen Hintergründe des 19. Jahrhunderts und führt in die Ästhetik des Naturalismus ein.
2. Die ‚soziale Frage‘ in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts – analysiert am Beispiel des Dramas Die Weber von Gerhart Hauptmann: Hier wird Hauptmanns Drama als soziales Dokument analysiert, wobei besonders die gesellschaftliche Struktur und die Rolle derWeber im Fokus stehen.
3. Zum Motiv der Technik in der novellistischen Studie Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann: Dieses Kapitel widmet sich der Darstellung der Technik in Bahnwärter Thiel und untersucht deren Funktion für die psychische Verfassung des Protagonisten sowie das Verhältnis von Mensch und Natur.
4. Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die Analyseergebnisse zusammen und ordnet Hauptmanns Rolle als „sozialer Dichter“ kritisch in den historischen Kontext ein.
Gerhart Hauptmann, Naturalismus, soziale Frage, Industrialisierung, Die Weber, Bahnwärter Thiel, Determinismus, Technisierung, Milieutheorie, soziales Drama, Entfremdung, Symbolismus, Proletariat, literarisches Frühwerk.
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Industrialisierung und der sogenannten ‚sozialen Frage‘ im frühen literarischen Schaffen von Gerhart Hauptmann.
Zentrale Themen sind der historische Wandel zur Industriegesellschaft, die Einordnung von Hauptmanns Werk in den Naturalismus sowie die psychologische Auswirkung technischer Determinierung auf das Individuum.
Die Arbeit analysiert, inwieweit Hauptmanns Werke als sozialpolitisch motiviert zu verstehen sind und welche Funktion das Technikmotiv dabei einnimmt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historisch-kontextuelle Bezüge mit textimmanenter Interpretation verknüpft, insbesondere unter Berücksichtigung naturalistischer und symbolistischer Aspekte.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Dramas Die Weber unter sozialkritischen Gesichtspunkten sowie eine detaillierte Analyse der Technikdarstellung in der Novelle Bahnwärter Thiel.
Wichtige Begriffe sind Naturalismus, ‚soziale Frage‘, Determinierung, Entfremdung, Kollektivheld sowie die Korrelation zwischen technischem Fortschritt und menschlichem Verfall.
Die Eisenbahn dient nicht nur als Arbeitsplatz, sondern fungiert als Symbol für die unerbittliche, determinierende Kraft der Technik, die Thiel sowohl existenziell sichert als auch in seiner Psyche entfremdet und in den Wahnsinn treibt.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Hauptmann sich eher als „sozialer Dichter“ verstand, der Mitleid für benachteiligte Schichten ausdrückte, ohne jedoch explizite politische Agitation oder revolutionäre Forderungen zu verfolgen.
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