Examensarbeit, 1999
117 Seiten, Note: 1,7
1 EINFÜHRUNG
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Vorgehensweise
2 STANDORTBESTIMMUNG: DIE FRAGE NACH STREß IM KONTEXT VON E-MAIL-KOMMUNIKATION
2.1 Hinweise auf die Entstehung neuer medienspezifischer Konventionen
2.2 Die Dynamik sozialer Einflußprozesse als Problem der Kommunikationswissenschaften
2.3 Streß als Indikator für die Anpassungsfähigkeit an neue medienspezifische Konventionen
3 E-MAIL-KOMMUNIKATION ALS „REGELGELEITETES GESCHEHEN“
3.1 Erwartungen als Manifestationen von Kommunikationsregeln
3.1.1 Funktionen von Kommunikationsregeln
3.1.2 Typen von Kommunikationsregeln
3.1.2.1 Regulative und konstitutive Regeln
3.1.2.2 Implizite und explizite Kommunikationsregeln
3.1.2.3 Prozeduale Regeln
3.1.3 Klassifizierung der Kommunikationsregel „schnell zurück-schreiben“
3.2 Zur Konstitution neuer Kommunikationsregeln
3.2.1 E-Mail als „bedeutungsfreier Raum“
3.2.2 Medienbezogene Gebrauchsweisen als Grundlage der Aushandlung neuer Kommunikationsregeln
3.2.3 Zur Bedeutung gruppenspezifischer Aneignungsprozesse
3.2.4 Die „kommunikative Bedeutung von E-Mail“ als Hinweis für die Konstitution der Kommunikationsregel „schnell zurückschreiben“
3.3 Zur Aushandlung von Kommunikationsregeln unter veränderten Rahmenbedingungen
3.3.1 Die „präfigurative Kraft“ von Kommunikationsregeln
3.3.2 Erreichbarkeit und die Bewertung der Gebrauchsweise von E-Mail
3.3.3 Exkurs: „Verpflichtung“ als Erwartungsdimension
3.4 Resümee
4 STREß ALS KOGNITIV-TRANSAKTIONALER PROZEß
4.1 Standortbestimmung
4.1.1 Forschungsdisziplin: Streß als Gegenstand der Sozialpsychologie
4.1.2 Modellcharakter: Streß als Prozeß
4.2 Grundbegriffe und theoretische Einordnung
4.2.1 Stressoren
4.2.1.1 Die Erwartung „schnell zurückschreiben“ als chronischer Stressor
4.2.2 Kognitive Bewertung von Stressoren („Appraisals“)
4.2.2.1 Primäre Bewertung: Der Begriff der (kommunikativen) Anforderung
4.2.2.2 Bewertung von Bewältigungspotentialen
4.2.3 Kontextmerkmale („Moderators“)
4.2.3.1 Erreichbarkeit als streßförderndes, externes Kontextmerkmal
4.2.4 Streßbewältigung („Coping“)
4.2.4.1 Gebrauchsweisen von E-Mail als Streßbewältigungsmechanismen
4.2.5 Streßerfahrungen als Streßreaktionen
4.3 Resümee: Streß im Kontext von E-Mail-Kommunikation
5 ÜBERSICHT ÜBER ABGELEITETE HYPOTHESEN
6 METHODE
6.1 Design der Studie: Grundgesamtheit und Stichprobenziehung
6.2 Pretest
6.3 Hauptfeldphase
6.4 Inhaltliche Konzeption – Fragenbereiche
6.5 Zur Erhebung „subjektiver Streßerfahrungen“
6.6 Vorbereitung der Datenanalyse
6.7 Rekodierung
7 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE
7.1 Beschreibung der Untersuchungsteilnehmer
7.1.1 Quantitative Nutzungsmerkmale
7.1.2 Qualitative Nutzungsmerkmale
7.1.3 Wahrnehmung der Erwartung „schnell zurückschreiben“
7.1.4 Wahrgenommene Erreichbarkeit
7.1.5 Die Anforderung „schnell zurückschreiben“ (IndexKA)
7.1.6 Streßerleben
7.1.6.1 Häufigkeit von Streßerfahrungen
7.1.6.2 Intensität von Streßerfahrungen
7.1.6.3 Hinweise auf die „Bedeutung“ von Streßerfahrungen
7.2 Zusammenhang zwischen wahrgenommenen Erwartungshaltungen bezüglich einer hohen Antwortgeschwindigkeit und der kommunikativen Anforderung „schnell zurückschreiben“ (H1)
7.3 Zusammenhang zwischen wahrgenommener Erreichbarkeit und der kommunikativen Anforderung „schnell zurückschreiben“ (H3)
7.4 Zusammenhang zwischen kommunikativer Anforderung und Intensität von Streßerfahrungen (H2)
7.5 Plausibilitätskontrolle: Zusammenhang zwischen der Erwartung „schnell zurückschreiben“, dem Kriterium Erreichbarkeit und der Intensität von Streß
7.6 Zusammenhänge zwischen Streßerfahrungen und der Gebrauchsweise von E-Mail (H4)
7.6.1 Quantitatives Nutzungsverhalten
7.6.2 Qualitatives Nutzungsverhalten
7.6.2.1 Rechtschreibung
7.6.2.2 Schreibstil
7.6.2.3 Die Kurzmitteilung „schreibe später zurück“
7.7 Zusammenfassung der Ergebnisse
8 SCHLUßBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen E-Mail-Kommunikation und dem Auftreten von Stress. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Erwartungshaltungen bezüglich schneller Antwortzeiten und ständiger Erreichbarkeit bei Nutzern zu Stress führen und welche qualitativen sowie quantitativen Bewältigungsstrategien (Coping) eingesetzt werden.
Die „präfigurative Kraft“ von Kommunikationsregeln
Fühlen sich Menschen Erwartungen nicht gewachsen, so läßt sich dies über die „logische Kraft“ – die handlungsleitende Funktion von Regeln – erklären. Diese umfaßt zwei Aspekte: die „präfigurative“ und die „praktische Kraft“. Mit ersterer sind die auf das Individuum einwirkenden Zwänge und Einflüsse gemeint, welche dessen Handlungsweisen umrahmen („Ich tat es, weil ...“). Die „praktische Kraft“ dagegen beschreibt die Perspektive des zielorientierten Akteurs, der unter Abschätzung möglicher Folgen handelt („Ich tat es, um zu...“). In beiden Fällen versuchen die Handelnden, etwas Vorteilhaftes zu erhalten bzw. etwas Negatives zu vermeiden. Überwiegt jedoch die „präfigurative Kraft“, so ergibt sich das Gefühl, fremdbestimmt zu sein. In diesem Fall ist der Einfluß, den das Individuum auf die Regeln geltend machen kann, geringer (vgl. hierzu Höflich 1996: 48f.).
Eine Dominanz der „präfigurativen Kraft“ kann u.a. darauf zurückgeführt werden, daß Menschen die ihren Handlungsweisen zugrundeliegenden Regeln nicht ihren Handlungspotentialen entsprechend aushandeln. Das heißt, sie verhalten sich auf eine Art und Weise, die anzeigt, daß sie eine Konvention als verbindlich erachten; sie erfüllen Erwartungshaltungen und „bestätigen damit die Regel“ – und das, obwohl eine Bezugnahme auf die entsprechende Konvention, ihre Fähigkeiten dieser nachzukommen, erschöpft. Ein solches Verhalten läßt nicht zuletzt auf eine asymmetrische Verteilung sozialer Kontrolle schließen. Der Begriff beschreibt die Gesamtheit aller Zwänge, die Menschen durch die Art und Weise, in der sie ihre Kommunikation strukturieren, aufeinander ausüben (vgl. Wieman und Giles 1992: 214). Basierend auf dem Entdeckungszusammenhang wird im folgenden aufgezeigt, vor welchem Hintergrund das Kriterium „Erreichbarkeit“ zu einer asymmetrischen Verteilung sozialer Kontrolle bzw. zu einer Dominanz der „präfigurativen Kraft“ von Regeln führen kann.
EINFÜHRUNG: Die Einleitung erläutert den Fokus auf die Untersuchung von Stress im Kontext der E-Mail-Kommunikation und stellt die zentralen Fragestellungen zur Belastung durch Antwortzwänge vor.
STANDORTBESTIMMUNG: DIE FRAGE NACH STREß IM KONTEXT VON E-MAIL-KOMMUNIKATION: Dieses Kapitel definiert die theoretische Ausgangslage, indem es Stress als Indikator für die Anpassung an neue soziale Konventionen in der digitalen Kommunikation diskutiert.
E-MAIL-KOMMUNIKATION ALS „REGELGELEITETES GESCHEHEN“: Hier wird untersucht, wie E-Mail-Kommunikation durch soziale Regeln strukturiert ist und warum Erwartungen an Antwortgeschwindigkeit als solche Regeln verstanden werden können.
STREß ALS KOGNITIV-TRANSAKTIONALER PROZEß: Das Kapitel führt das theoretische Modell ein, um zu erklären, wie Individuen Anforderungen bewerten und welche Rolle Ressourcen bei der Stressentstehung spielen.
ÜBERSICHT ÜBER ABGELEITETE HYPOTHESEN: Die theoretischen Überlegungen werden hier in konkrete Hypothesen zusammengefasst, die im empirischen Teil der Studie geprüft werden sollen.
METHODE: Die Arbeit beschreibt das Design einer explorativen Fallstudie, die 1996 am Rollins College durchgeführt wurde, um subjektive Stressthemen bei Mitarbeitern zu erfassen.
DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE: Das Kapitel präsentiert die empirischen Befunde aus der Befragung und analysiert die Zusammenhänge zwischen wahrgenommenen Erwartungen, Erreichbarkeit und Stresserleben.
SCHLUßBETRACHTUNG: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert den Nutzen des Stressbegriffs für die Beschreibung von E-Mail-Kommunikation sowie Limitationen der Studie.
Kommunikationsstress, E-Mail-Kommunikation, Erwartungsdruck, soziale Konventionen, kognitiv-transaktionales Stressmodell, Erreichbarkeit, Stressbewältigung, Coping, Regeltheorie, Internetkommunikation, Mediennutzung, Stresserleben, Anforderungsbewertung, empirische Fallstudie, interpersonale Kommunikation.
Die Hausarbeit untersucht, ob und unter welchen Bedingungen die E-Mail-Kommunikation bei Nutzern Stress auslöst, insbesondere im Hinblick auf den sozialen Druck, zeitnah auf Nachrichten zu reagieren.
Die zentralen Themen sind die Konstitution neuer sozialer Regeln im digitalen Raum, die psychologische Bewertung von Leistungsanforderungen und der Einfluss von Erreichbarkeitserwartungen auf das Wohlbefinden.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, warum E-Mail-Nutzer durch Erwartungshaltungen gestresst werden und wie sie ihr Verhalten anpassen, um mit diesem Druck umzugehen.
Es handelt sich um eine explorative, quantitative Fallstudie. Mittels einer schriftlichen Befragung unter Mitarbeitern eines amerikanischen Colleges wurden Daten zu Nutzungsgewohnheiten und Stresserleben erhoben und bivariat statistisch ausgewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung mittels des kognitiv-transaktionalen Stressmodells und eine anschließende empirische Prüfung, die Zusammenhänge zwischen Stress und spezifischen E-Mail-Gebrauchsweisen aufzeigt.
Zu den prägenden Begriffen gehören Kommunikationsstress, E-Mail-Kommunikation, Erwartungsdruck, soziale Regeln, Coping-Strategien und kognitive Bewertungsprozesse.
Sie beschreibt die von außen kommenden Zwänge, die ein Nutzer spürt, wenn er sich verpflichtet fühlt, Erwartungen des kommunikativen Umfelds zu erfüllen, selbst wenn diese ihn überfordern.
Die Studie zeigt, dass eine hohe Erreichbarkeit den Druck erhöht, Nachrichten zeitnah zu lesen und zu beantworten, da eine Nicht-Antwort vom Kommunikationspartner als bewusste Regelverletzung interpretiert werden kann.
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