Bachelorarbeit, 2014
41 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. (An)Zeichen des Dokumentarischen
2.1 Dokumentierte Zeichen der Wirklichkeit?
2.1.1 Fotografische und animierte Bilder im Widerstreit des Wirklichen
2.1.2 Vor-Zeichen der Zuschauerwahrnehmung
2.2 Vorverständnis des Dokumentarischen
2.3 ‚Der Zuschauer und sein Dokumentarfilm’
2.3.1 Mit dem Zuschauer im Hinterkopf
2.3.2 Im Hinterkopf des Zuschauers
3. Im Zeich(n)en der Veränderlichkeit
3.1 ‚Ausdruckskraft’ des Materials - Zeichen am Rand der Entstehung
3.1.1 Im Off der Gesellschaft – Found Footage 2.0
3.1.2 Kunst der Sensation - mediale Gewaltdarstellung 2.0
3.1.3 Vorzeichen der Gewaltwahrnehmung
3.2 ‚Macht der Korrespondenz’ – Gewalt im Diskurs der Zeichen
3.2.1 Zeichen am Rand der medialen Wirklichkeit
3.2.2 Überlagerte Überladung der Bilder
3.3 ‚Macht der Verwandlung’ – Weichen der Wahrnehmung
4. Fazit
Diese Arbeit untersucht, wie die Integration von Animation und Found Footage aus dem Web 2.0 in Dokumentarfilmen die Zuschauerwahrnehmung beeinflusst und ob diese hybriden Formen gesellschaftliche Relevanz vermitteln können, statt lediglich affektive Reaktionen auszulösen.
3.1.2 Kunst der Sensation - mediale Gewaltdarstellung 2.0
Um die Vorzeichen, welche das gefundene Material einbringt, erfassen zu können, soll zunächst betrachtet werden, was die Videos zeigen und ob davon die Einbindung in die Collagefilme abhängt. Der Gebrauch von Bildern aus dem Web 2.0, dem user-generated content, in einem Dokumentarfilm eröffnet einen Diskurs darüber, was diese Bilder in dem gesellschaftlichen Kontext bedeuten, aus dem sie heraustreten und in dem sie rezipiert werden, der hier stärker präsent wird als in live-action oder animierten Bildern, die entfernt auf diesen verweisen.
Auf der gesellschaftlichen Seite scheint das Interesse an Videos aus Konfliktsituationen und Gewaltdarstellungen auf YouTube zu steigen, die auch Inspiration für die Themen von Filmen wie The Green Wave und Reality 2.0 geliefert haben. Gewaltdarstellung in den verschiedensten Formen, die insbesondere mit Handy- und Amateurvideos identifiziert wird, ist ein in der Medienrezeption alltäglich gewordenes und gewolltes Phänomen. So schrieb Linda Williams schon 1993 in Bezug auf Film und Fernsehen, was sich im Zeitalter sozialer Medien nur potenziert haben mag:
„[...] we also exist in an era in which there is a remarkable hunger for documentary images of the real. These images proliferate in the vérité of on-the scene cops programs in which the camera eye merges with the eye of the law to observe the violence citizens do to one another. Violence becomes the very emblem of the real in these programs. Interestingly, violent trauma has become the emblem of the real in the new vérité genre of the independent amateur video [...].“
Der einzige Kontext, in den jene Gewaltvideos auf YouTube eingefügt sind, konstituiert sich allein über die im Material enthaltenen Hinweise und gegebenenfalls noch durch Texte in dem Informationsfeld zu den Videos. Der Rezipient ist in der Verortung der dargebotenen Gewalt, der Konstruktion eines Zusammenhangs der Bilder, allein. Es ist anzunehmen, dass in einer Gesellschaft, in der, wie Vivian Sobchack ausführt, Tod oder Sterben als Darstellung in diegetischen Erzählungen weitgehend akzeptiert ist, aber in der dokumentarischen, mimetischen Erzählung solche Einstellungen, als profilmische Präsentation eines Sterbens, das sich in der afilmischen Wirklichkeit ereignet hat, zwar faszinieren, aber ein gesellschaftliches Tabu markieren, welches nur unter dem Hinweis auf moralisch akzeptierbare Entstehungsbedingungen gebrochen werden darf.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Praxis ein, Animation und Web 2.0-Archivmaterial in Dokumentarfilme zu integrieren, und stellt die Forschungsfrage nach deren Einfluss auf die Zuschauerwahrnehmung.
2. (An)Zeichen des Dokumentarischen: Dieses Kapitel theoretisiert das Dokumentarische im Kontrast zur Fiktion und beleuchtet die Rolle der Zuschauerwahrnehmung sowie die spezifische Bedeutung von Animation als Gestaltungsmittel.
3. Im Zeich(n)en der Veränderlichkeit: Hier wird analysiert, wie Found Footage und Gewaltdarstellungen aus dem Web 2.0 durch künstlerische Montage in einen gesellschaftspolitischen Kontext eingebettet und neu bewertet werden.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die hybride Form von Collagedokumentarfilmen eine affektive Apperzeption ermöglicht, die es Zuschauern erlaubt, medial vermittelte Ereignisse kritisch zu hinterfragen.
Dokumentarfilm, Animation, Found Footage, Web 2.0, Zuschauerwahrnehmung, Mimesis, Diegesis, Mediale Gewalt, Collagedokumentarfilm, Affektive Apperzeption, Wirklichkeit, Repräsentation, Filmtheorie, Diskurs, Mediatisierung
Die Arbeit analysiert die ästhetische und inhaltliche Integration von Animationen und User-generated Content (Found Footage) aus dem Web 2.0 in zeitgenössischen Dokumentarfilmen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Wahrnehmungstheorie des Zuschauers, der Problematik von Gewaltdarstellungen in sozialen Medien und der künstlerischen Neukontextualisierung dieses Materials.
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob diese hybriden Dokumentarfilme durch die Kombination unterschiedlicher Ästhetiken die Zuschauerwahrnehmung so modulieren, dass eine tiefere gesellschaftliche Reflexion stattfindet.
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die filmtheoretische Konzepte (u.a. von Rancière, Sobchack, Nichols) auf moderne Dokumentarfilmbeispiele anwendet.
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Verortung des Dokumentarischen, der Analyse der "Ausdruckskraft" von Archivmaterial und der diskursiven Macht der Korrespondenz zwischen verschiedenen Bildästhetiken.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Dokumentarfilm, Animation, Found Footage, Zuschauerwahrnehmung, Mediale Gewalt und Affektive Apperzeption definieren.
Während die Videos auf YouTube oft unkontextualisiert bleiben, werden sie im Dokumentarfilm durch eine "narrative Anordnung" in ein Off gestellt, das eine reflektierte Bedeutungskonstruktion ermöglicht.
Die Animation fungiert hier nicht als reine Fiktion, sondern als "fiktionalisierender Filter", der es ermöglicht, komplexe oder schwer aushaltbare Realitäten im mimetischen Modus begreifbar zu machen.
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