Bachelorarbeit, 2013
46 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Birmas Frühzeit
2.1. Herrschen in Birma
2.1.1. Das Vorbild Ashokas
2.1.2. Andere Königsideale
2.2. Staat und sangha im alten Birma
2.3. Religiöse und ethnische Minderheiten
3. Der Aufstieg des Nationalismus
3.1. Die Briten in Birma
3.2. Der buddhistische Widerstand
3.3. Anti-indische Proteste
3.4. Marx und Buddha
3.5. Die Japanische Herrschaft
4. Eine Nation entsteht
4.1. Birma nach der Kolonialherrschaft
4.2. Die Religionspolitik U Nus
4.3. Ausblick
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden historischen Zusammenhänge, die zur Politisierung der birmanischen Mönchsgemeinde (sangha) geführt haben, und analysiert das komplexe Verhältnis von Religion, Politik und nationaler Identität in Birma im Wandel der Zeit.
3.1. Die Briten in Birma
Nach der Niederlage Birmas im dritten Britisch-Birmanischen Krieg im Jahre 1885 wurde das Land, das zuvor schon seinen Süden an die Kolonialherren eingebüßt hatte, endgültig von Großbritannien unterworfen und Teil von Britisch-Indien.65 Vorherige Verhandlungsgespräche waren an dem rücksichtslosen Vorgehen der von Handelsinteressen geleiteten Europäer, aber auch an der reaktionären und xenophoben Haltung König Thibaws gescheitert, der sich der reformorientierten Politik seines Vorgängers Mindon entschieden widersetzte.66 Thibaw zahlte dafür mit seiner Absetzung und dem indischen Exil. Um den Untergang der birmanischen Monarchie auch symbolisch zu besiegeln, wurde der königliche Palast geplündert und der Thron in ein Museum in Kalkutta gebracht. Wo sich früher das Zentrum der birmanischen Kosmogonie befand, tranken die europäischen Kolonialherren nun ihren Whiskey. Das Bild von Birma als Nabel des Universums war zusammengebrochen, das traditionelle Weltverständnis lag in Scherben. Dieses Ereignis markiert den Beginn der revolutionären Erschütterungen, die das Land bis heute erbeben lassen.67
Schon kurze Zeit nach dem Beginn der kolonialen Herrschaft in Birma demonstrierten die Briten ihre fehlende Sensibilität für die Traditionen der fremden Kultur. Die Herrschaftspraxis, die sich in Indien erprobt hatte, wurde ohne zu zögern auch auf die birmanische Gesellschaft angewandt, allen kulturellen Unterschieden zum Trotz. Das alte Verwaltungssystem wurde aufgelöst, die Wirtschaft neu geordnet, das Bildungssystem verwestlicht; viele Birmanen verloren ihre Arbeit oder zumindest jede Möglichkeit zum beruflichen Aufstieg.68 Wie fatal diese Missachtung der Traditionen war, zeigt sich besonders deutlich am Beispiel des Umgangs mit dem sangha. Die Briten waren seit dem 11. Jahrhundert die ersten Herrscher, die den Buddhismus nicht förderten. Stattdessen folgten sie der Maxime absoluter Neutralität, die das Ergebnis mehrerer gescheiterter Versuche einer religiösen Einmischung in Indien war.69 Infolgedessen setzten die Kolonialherren den Einfluss des thathanabaing deutlich herab und stellten Mönche bei Vergehen fortan nur noch vor zivile Gerichte.70 Lieutenant General Albert Fytche schrieb:
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Politisierung birmanischer Mönche und die daraus resultierenden Spannungen, die das westliche Bild vom friedliebenden Buddhismus erschüttert haben, und stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen dieser Politisierung im historischen Kontext.
2. Birmas Frühzeit: Dieses Kapitel skizziert die politischen und religiösen Strukturen des alten Birmas, insbesondere die Rolle der Könige als Beschützer des Buddhismus und die enge Verknüpfung von Herrschaftsideologie, Religion und ethnischer Identität.
3. Der Aufstieg des Nationalismus: Der Abschnitt analysiert die Auswirkungen der britischen Kolonialherrschaft auf die traditionelle Ordnung Birmas, die Entstehung des buddhistisch motivierten Nationalismus und die zunehmenden ethnisch-religiösen Spannungen im 20. Jahrhundert.
4. Eine Nation entsteht: Dieses Kapitel untersucht die Herausforderungen der frühen Unabhängigkeit unter U Nu, den ideologischen Wettstreit zwischen buddhistischem Sozialismus und säkularen Ansätzen sowie die damit verbundenen instabilen politischen Verhältnisse, die letztlich in den Militärputsch mündeten.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentrale Rolle der Religion für die birmanische Identität zusammen und verdeutlicht, wie das Erbe der vorkolonialen Ära und die Erfahrungen der Kolonialzeit Politik und Religion bis in die Gegenwart untrennbar miteinander verbinden.
Birma, Myanmar, Buddhismus, Theravada, sangha, Nationalismus, Kolonialzeit, U Nu, Politische Religion, ethnische Minderheiten, Safran-Revolution, Identität, Sozialismus, Ashokas Vorbild, Militärherrschaft.
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des Verhältnisses von Religion und Politik in Birma, um zu verstehen, warum und wie buddhistische Mönche zu einer zentralen politischen Kraft wurden.
Die Schwerpunkte liegen auf dem birmanischen Nationalismus, der Transformation des sangha vom religiösen Orden zum politischen Akteur und den Spannungen zwischen der buddhistischen Mehrheit und religiösen Minderheiten.
Das Ziel ist es, die historischen Ursachen für die Politisierung der birmanischen Mönchsgemeinde aufzuzeigen und zu erklären, warum Religion das zentrale Element der nationalen Identität in Birma darstellt.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden historischen Analyse unter Einbeziehung von Fachliteratur, britischen Kolonialberichten sowie Reden und Autobiografien führender birmanischer Akteure wie U Nu.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: Er beginnt bei der religiös legitimierten Herrschaft im vorkolonialen Birma, untersucht den Wandel unter der britischen Herrschaft, beleuchtet den Aufstieg nationalistischer Bewegungen und endet bei der Regierungszeit U Nus und den folgenden politischen Umbrüchen.
Zentrale Begriffe sind Buddhismus, sangha, Nationalismus, Identität, U Nu, Kolonialismus und ethnisch-religiöse Konflikte.
Ashoka diente als das zentrale Vorbild für ein buddhistisches Königtum, bei dem der Herrscher als Patron des sangha agiert und seine Macht durch das dhamma-Konzept sowie wohlfahrtstaatliche Handlungen legitimiert.
U Nus zunehmende Fixierung auf die Förderung des Buddhismus als Staatsreligion vernachlässigte die Bedürfnisse der Bevölkerung und stieß bei säkularen Eliten sowie religiösen Minderheiten auf Widerstand, was die innere Zerrissenheit der Nation weiter verschärfte.
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