Bachelorarbeit, 2012
43 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1. Der Autor: Stefan Zweig
1.2. Inhalt der Novelle
1.3. Klassische Novellendefinition
2. Die Figuren
2.1. Der Ich-Erzähler
2.1.1. Forschungsüberblick
2.1.2. Die Erzählsituation
2.2. Mirko Czentovic
2.2.1. Forschungsüberblick
2.2.2. Als Autist
2.3. McConnor
2.3.1. Forschungsüberblick
2.3.2. Als Vermittler
2.4. Dr. B.
2.4.1. Forschungsüberblick
2.4.2. Als Süchtiger
2.4.3. Psychische Folgen der Isolationshaft
3. Schach als „Falke“
4. Interpretation
4.1. Das Verhältnis zwischen Czentovic und Dr. B.
4.2. Das Ende der Novelle
5. Resümee
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, die Charaktere von Stefan Zweigs "Schachnovelle" unter psychologischen und medizinischen Gesichtspunkten neu zu bewerten und dabei über eine rein biografische oder politisch-allegorische Deutung hinauszugehen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit das Handeln und die psychische Verfassung der Figuren durch fachspezifische Diagnosen wie Autismus, Suchtverhalten und sensorische Deprivation erklärt werden können.
2.2.2. Als Autist
Der Charakter Mirko Czentovics ist der eines seltsamen Menschen. Der junge Mann scheint nur Schach und Geld, das er mit dem Spiel verdienen kann, im Kopf zu haben. Sein Verhalten ist einerseits mit seiner Lebensgeschichte zu erklären, andererseits könnte er auch an einer abgeschwächten Form der psychischen Krankheit Autismus, dem Asperger-Syndrom, leiden. Diese These soll im Folgenden erläutert werden.
Autismus bezeichnet eine „tiefgreifende Entwicklungsstörung, bei der Kinder spezifische kognitive, kommunikative und motorische Fertigkeiten nicht erwerben“34 können. Autisten nehmen die Welt um sich herum anders wahr als gesunde, nicht-autistische Menschen. Die Ursache für die Störung ist unbekannt, obwohl es mehrere Theorien dazu gibt. Ganz typisch für Autisten ist die Abkapselung von der Umwelt, das Vermeiden von Blickkontakt, eine gestörte sprachliche Entwicklung, stereotype Beschäftigung mit einer Sache, Angst vor Veränderung, auf andere Menschen gefühlskalt wirkendes Handeln und allgemein das männliche Geschlecht.35
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Bedeutung der Novelle, ordnet sie in das Werk von Stefan Zweig ein und formuliert das methodische Ziel, die Figuren mithilfe psychologischer Erkenntnisse neu zu analysieren.
2. Die Figuren: In diesem Kapitel werden die vier zentralen Charaktere – der Ich-Erzähler, Mirko Czentovic, McConnor und Dr. B. – einzeln auf Basis des Forschungsstands und eigener Überlegungen analysiert.
3. Schach als „Falke“: Das Kapitel untersucht die Funktion des Schachspiels als zentrales Dingsymbol der Novelle und wie es die gegensätzlichen Charaktere der Figuren und ihre spezifische Herangehensweise an das Spiel verdeutlicht.
4. Interpretation: Auf Basis der vorangegangenen Einzelanalysen wird die Konstellation der Personen, insbesondere das Verhältnis zwischen Dr. B. und Czentovic sowie das Ende der Novelle, kritisch neu bewertet.
5. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die differenzierte Darstellung der Charaktere und ihre psychologischen Begründungen eine neue, tiefere Bewertung der Novelle ermöglichen.
Schachnovelle, Stefan Zweig, Literaturanalyse, Figurenkonstellation, psychologische Analyse, Asperger-Syndrom, Suchtverhalten, Isolationshaft, sensorische Deprivation, Ich-Erzähler, Mirko Czentovic, Dr. B., McConnor, Falkentheorie, literarische Novelle
Die Arbeit analysiert die Hauptfiguren der "Schachnovelle" von Stefan Zweig unter Einbeziehung psychologischer und medizinischer Erkenntnisse, um ein tieferes Verständnis für ihre Motivationen und Verhaltensweisen zu gewinnen.
Die zentralen Themen sind die psychologische Beschaffenheit der Figuren, die Erzählsituation, die Rolle des Schachspiels als Symbol und der Einfluss von Krankheitsbildern auf die Handlungsdynamik.
Ziel ist es, die Figuren frei von der oft einseitigen Lenkung durch den Ich-Erzähler und losgelöst von rein biografischen Interpretationen anhand ihrer Handlungen sachlich zu analysieren.
Die Arbeit nutzt die Analyse des Forschungsstands, eine textimmanente Untersuchung sowie die Anwendung psychologischer Kriterien (z.B. Autismus-Diagnostik, Suchtphasen) auf die fiktiven Charaktere.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelanalyse der Charaktere (Ich-Erzähler, Czentovic, McConnor, Dr. B.), eine Untersuchung des Schachspiels als "Falke" und eine darauf aufbauende Neuinterpretation ihrer Interaktionen.
Wichtige Schlüsselwörter sind Psychologische Analyse, Asperger-Syndrom, Suchtverhalten, Schachnovelle, Stefan Zweig und Erzähltheorie.
Die Arbeit führt spezifische Verhaltensmerkmale wie mangelnden Blickkontakt, soziale Unbeholfenheit, Inselbegabung und die Unfähigkeit zu emotionaler Empathie an, die charakteristisch für das Asperger-Syndrom sind.
Sie dient als Ursprung seiner psychischen Instabilität und der Entwicklung seiner Schachsucht, da das Spiel die einzige Möglichkeit bot, der sensorischen Deprivation und dem psychischen Druck der Haft entgegenzuwirken.
McConnor fungiert als zentraler Vermittler und Katalysator der Handlung, der durch seine Spielleidenschaft und aufdringliche Art das Aufeinandertreffen von Czentovic und Dr. B. erst ermöglicht.
Das Ende wird als Gleichgewicht zwischen den beiden Hauptfiguren gewertet, wobei die letzte Aussage Czentovics als aufrichtiges Kompliment statt als Ironie verstanden wird, was die Feindseligkeit als Projektion des Erzählers entlarvt.
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