Diplomarbeit, 2001
155 Seiten, Note: 1
1. EINLEITUNG
2. GEGENWÄRTIGE THEORIEN DER ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE
2.1 Der Säugling in der psychologischen Forschung
2.2 Die Untersuchungsmethoden der neueren Säuglingsforschung
2.3 Methodenkritik
2.4 ZUSAMMENFASSUNG
3. DIE PRÄNATALE ENTWICKLUNG
3.1 Die frühe embryologische Entwicklung des Menschen nach Erich BLECHSCHMIDT
3.2 Die pränatale Entwicklung der Sinne
3.2.1 Die pränatale Entwicklung des zentralen Nervensystems
3.2.2 Die Augen
3.2.3 Die Ohren
3.2.4 Der Geruch
3.2.5 Der Geschmack
3.2.6 Die Haut
3.3 Die pränatale Entwicklung der Motorik
3.4 Die pränatale Mutter-Kind-Beziehung
3.5 Praktische Folgerungen für die Betreuung von Schwangeren
3.6 ZUSAMMENFASSUNG
4. DIE GEBURT
4.1 Die Bedeutung der prä- und perinatalen Risiken für die psychologische Entwicklung
4.2 ZUSAMMENFASSUNG
5. DIE POSTNATALE ENTWICKLUNG
5.1 Das Neugeborenenverhalten
5.1.1 Das Saugen und seine psychologische Bedeutung
5.1.2 Das Nachahmungsverhalten von Neugeborenen
5.1.3 Die Ablösung des Neugeborenenverhaltens
5.2 Die Entwicklung der Sinne
5.2.1 Das visuelle System
5.2.2 Das auditive System
5.2.3 Das vestibuläre System
5.2.4 Das olfaktorische und gustatorische System
5.2.4.1 Der Geruchssinn
5.2.4.2 Der Geschmackssinn
5.2.5 Das taktile System
5.2.6 Das kinästhetische System
5.3 Zur Integration der Sinneswahrnehmungen
5.4 Die statomotorische Entwicklung
5.4.1 Frühkindliche Reaktionen und Reflexe
5.4.1.1 Orale Reflexe
5.4.1.2 Die Körperreflexe
5.4.2 Kindliche Aktionen in Haltung, Bewegung und Gleichgewicht
5.4.2.1 Stellreaktionen
5.4.2.2 Bewegungsreaktionen
5.4.2.3 Gleichgewichtsreaktionen
5.5 Motorische Veränderungen im Säuglingsalter
5.5.1 Das Greifen
5.5.2 Die Auge-Hand-Koordination
5.5.3 Das Krabbeln
5.5.4 Das Laufen
5.6 Der Zusammenhang von Wahrnehmung und Bewegung
5.7 Die Bindungstheorie
5.7.1 Grundannahmen der Bindungstheorie
5.7.2 Repräsentationen von Bindungsmustern und ihre Bedeutung
5.8 ZUSAMMENFASSUNG
6. PERSPEKTIVEN DER ENTWICKLUNGSFORSCHUNG
6.1 Die Entwicklung des Selbstempfindens als organisierendes Prinzip der Entwicklung
6.2 Die vier Selbstempfindungen nach Daniel STERN
6.2.1 Das auftauchende Selbst
6.2.1.1 Amodale Wahrnehmung
6.2.1.2 Physiognomische Wahrnehmung
6.2.1.3 Vitalitätsaffekte
6.2.2 Das Empfinden eines Kern-Selbst
6.2.2.1 Urheberschaft des eigenen Handelns
6.2.2.2 Selbst-Kohärenz
6.2.2.3 Selbst-Affektivität
6.2.2.4 Selbst-Geschichtlichkeit
6.2.3 Das subjektive Selbst
6.2.3.1 Affektabstimmung
6.2.4 Das verbale Selbst
6.3 ZUSAMMENFASSUNG
7. PSYCHOMOTORISCHE THERAPIE - DEFINITION, ZIELE UND INHALTE
7.1 Entwicklungsüberprüfung und -beobachtung
7.1.1 Entwicklungsfrühdiagnostik
7.2 Sensomotorische und psychomotorische Fehlanpassungen
7.3 Konzeptionelle Ansätze in der Psychomotorik
7.3.1 Die Psychomotorische Übungsbehandlung nach Ernst KIPHARD
7.3.2 Die sensorische Integrationsbehandlung nach Jean AYRES
7.3.3 Der Systemisch-konstruktivistische Ansatz der Psychomotorik
7.3.4 Die kindzentrierte psychomotorische Entwicklungsförderung
7.4 Konsequenzen für die Praxis der Psychomotorik
7.4.1 Selbstkonzept und Identität – Schlüsselbegriffe psychomotorischer Förderung
7.4.2 Die Bedeutung der neueren Entwicklungspsychologie für die Psychomotorik
7.4.3 Säuglingsschwimmen – ein Beispiel der psychomotorischen Förderung
7.5 ZUSAMMENFASSUNG
8. DISKUSSION UND AUSBLICK - DIE BEDEUTUNG DER SELBSTENTWICKLUNG IN DER LEBENSSPANNE
Die Arbeit untersucht die Erkenntnisse der neueren Säuglingsforschung zu den frühen perzeptiven und motorischen Kompetenzen und erforscht deren Relevanz für die psychomotorische Therapie, um zu einem tieferen Verständnis der lebenslangen menschlichen Entwicklung beizutragen.
Die pränatale Mutter-Kind-Beziehung
Während seiner Zeit im Mutterleib bildet das Kind gemeinsam mit seiner Mutter einen Organismus. Es erhält durch die Plazenta Nahrung, Hormone, Immunabwehrstoffe und Sauerstoff, jedoch auch Schadstoffe, Medizin etc. Es bewegt sich mit der Mutter, beide schlafen, essen oder rauchen gemeinsam (vgl. CHAMBERLAIN 1997, 33 & vgl. weiterführend VON LÜPKE 1988, 25ff.).
BRAZELTON & CRAMER (1991, 17) unterteilen die Schwangerschaft in drei psychologisch bedeutsame Stadien. Das erste Stadium stellt den Empfang der Nachricht über die Schwangerschaft mit ihren individuellen Wunsch- und Angstvorstellungen dar. Die zweite Phase, um den 5. Schwangerschaftsmonat ist gekennzeichnet durch die Auseinandersetzung der Mutter mit dem Ungeborenen als eigenständigem Wesen. Hier liegt nach BRAZELTON & CRAMER (1991, 25f.) der Ursprung der Mutter-Kind-Bindung. Die Bewegungen des Fötus sind deutlich spürbar, das Sehen des Ungeborenen über das Ultraschallgerät bedeutet einen starken Einfluß, das Ungeborene kann auditiv z.B. durch Vorsingen oder Musik hören stimuliert werden. Im dritten Stadium nimmt die Mutter ihr Baby immer mehr als Persönlichkeit wahr, sie kann sich auf bestimmte Verhaltensweisen, die sie auf das Temperament oder den Charakter zurückführt, verlassen (vgl. BRAZELTON & CRAMER 1991, 29ff.).
An die Möglichkeit, daß über die Mutter und ihre Wahrnehmung – ihre Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen – Einfluß auf das ungeborene Leben ausgeübt wird, haben die Menschen schon lange geglaubt. Bereits die Bibel schildert ein Ereignis, in dem ein Fötus auf Emotionen seiner Mutter reagiert. Es heißt im Neuen Testament:
1. EINLEITUNG: Die Einleitung verknüpft psychische Prozesse untrennbar mit menschlicher Bewegung und begründet die Notwendigkeit psychomotorischer Förderung in der modernen Industriegesellschaft.
2. GEGENWÄRTIGE THEORIEN DER ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene entwicklungstheoretische Ansätze und deren Relevanz für das moderne Verständnis des Säuglings.
3. DIE PRÄNATALE ENTWICKLUNG: Hier wird die pränatale Phase als dynamischer Prozess der Differenzierung dargestellt, in der Sinneserfahrungen und Bewegung maßgeblich die Entwicklung des Fötus prägen.
4. DIE GEBURT: Dieses Kapitel betrachtet die Geburt nicht als Unterbrechung, sondern als einschneidendes Geschehen, das sowohl körperliche als auch affektive Auswirkungen auf die Entwicklung hat.
5. DIE POSTNATALE ENTWICKLUNG: Der Fokus liegt auf den motorischen und sensorischen Veränderungen im ersten Lebensjahr sowie deren Bedeutung für Bindung und Selbstempfinden.
6. PERSPEKTIVEN DER ENTWICKLUNGSFORSCHUNG: Dieses Kapitel diskutiert das Konzept der Selbstentwicklung nach Daniel STERN als zentrales Organisationsprinzip der menschlichen Entwicklung.
7. PSYCHOMOTORISCHE THERAPIE - DEFINITION, ZIELE UND INHALTE: Es werden verschiedene konzeptionelle Ansätze der Psychomotorik vorgestellt und deren praktische Bedeutung für die Entwicklungsförderung erläutert.
8. DISKUSSION UND AUSBLICK - DIE BEDEUTUNG DER SELBSTENTWICKLUNG IN DER LEBENSSPANNE: Das Abschlusskapitel resümiert die Bedeutung der frühen Erfahrungen für die gesamte Lebensspanne und plädiert für eine ganzheitliche psychomotorische Arbeit.
Psychomotorik, Entwicklungspsychologie, Säuglingsforschung, Pränatale Entwicklung, Selbstempfinden, Bindungstheorie, Sensomotorik, Sensorische Integration, Körpererfahrung, Selbstwirksamkeit, Mototherapie, Säuglingsschwimmen, Neuropsychologie, Frühentwicklung, Handlungskompetenz
Die Diplomarbeit untersucht die Konzepte der neueren Säuglingsforschung und beleuchtet deren zentrale Bedeutung für die psychomotorische Therapie.
Die zentralen Themen umfassen die pränatale und postnatale Entwicklung, die Bindungstheorie, die Bedeutung des Selbstempfindens sowie die Anwendung psychomotorischer Konzepte in der Praxis.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis der lebenslangen menschlichen Entwicklung und der untrennbaren Verknüpfung von seelischen Prozessen und Bewegung zu erlangen und dies für die psychomotorische Förderung von Kindern zu gewichten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturstudie, die theoretisch ausgerichtet ist und sich an einem humanistischen Menschenbild orientiert.
Der Hauptteil behandelt die pränatale Entwicklung, den Prozess der Geburt, die postnatale Entwicklung, verschiedene Theorien der Selbstentwicklung (insbesondere nach Daniel Stern) sowie konkrete psychomotorische Förderkonzepte.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Psychomotorik, Selbstempfinden, Sensomotorik, Säuglingsforschung und die Bindungstheorie.
Studien, wie die von ROTTMANN, zeigen Verbindungen zwischen der emotionalen Grundhaltung der Mutter zur Schwangerschaft und den Verhaltensreaktionen des Neugeborenen, etwa hinsichtlich Motorik oder Saugverhalten.
Das auftauchende Selbst fungiert als fundamentale Arbeitshypothese, die das Selbstempfinden als Organisationsprinzip der Entwicklung betrachtet und zeigt, dass Säuglinge keine passiven Wesen sind, sondern von Anbeginn ihre Umwelt strukturieren.
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