Examensarbeit, 2015
76 Seiten
I. Vorwort
II. Die Quellenlage
III. Methodik
IV. Die Entstehung der Banater Schwaben
1.) Das Banat wird habsburgisches Kronland
2.) Die sogenannten Schwabenzüge
a) Der „Erste Schwabenzug“ unter Karl VI.
b) „Der große Schwabenzug“ unter Maria Theresia
c) Der „Dritte Schwabenzug“ unter Kaiser Joseph II.
3.) Zwischenfazit
V. Die Kolonisation des Banats als habsburgische Binnenkolonisation
1.) Der Begriff „Binnenkolonisation“
2.) Das Banat als Beispiel einer Binnenkolonie
3.) Zwischenfazit
VI. Der Umgang mit Minderheiten bei der Kolonisation des Banats
1.) Vorbemerkungen
2.) Der Umgang mit Minderheiten Anhand zweier Fallbeispielen
a) Die Ansiedlung spanischer Pensionisten
b) Der sog. Temeswarer Wasserschub unter Maria Theresia
3.) Kurze Bemerkungen zu den anderen Deportationen in den Banat
4.) Zwischenfazit
VII. Gesamtfazit
Die Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der "Banater Schwaben" im Kontext der habsburgischen Kolonisationspolitik des 18. Jahrhunderts. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Beweggründe sowohl die Siedler zur Auswanderung als auch die Habsburger zur gezielten Besiedelung des Banats veranlassten und ob dieses Vorgehen als gezielte Binnenkolonisation oder als Deportationspraxis einzustufen ist.
Die Entstehung der „Banater Schwaben“
Als am 23. August 1944 das mit Nazi-Deutschland verbündete Königreich Rumänien kapitulierte, begann der größte Exodus deutschstämmiger Bevölkerung aus Südost-Europa, der in der Geschichte der Neuzeit seines gleichen sucht. Mit dem Exodus der Donauschwaben aus Rumänien und Jugoslawien endete auch eine mehr als zweihundert Jahre dauernde Epoche der deutschsprachigen Besiedelung des Balkans. Auch wenn einige wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind, so wurde das Donauschwabengebiet nie wieder das, was es zur Zeit der Donaumonarchie und während der Zeit des Königreichs Rumänien und des Königreiches Jugoslawien war.
Der Terminus der „Donauschwaben“ wurde 1922 zum ersten Mal von der deutschen Südosteuropaforschung als eine stammeskundliche und siedlungsgeografische, aber auch als eine ethnologische und vor allem als eine historische Gruppenbezeichnung eingeführt. Dieser Sammelbegriff steht genauso wie der Begriff „Siebenbürger Sachsen“ für ein Konglomerat an Menschen, die aus den verschiedensten Teilen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation stammten, wobei die meisten aus den deutschsprachigen Gebieten Oberdeutschland stammten; die Meisten davon aus Schwaben. Diese war die namensgebende Volksgruppe gewesen. Das Ziel dieser innerhabsburgischen Migration war die Bevölkerungszunahme als ein Element merkantilistischer Wirtschaftspolitik. Außerdem wurde das Banat als eine „Vormauer der Christenheit“ gegen die osmanische Gefahr auf dem Balkan angesehen.
In dieser Arbeit soll es vor allem um eine Teilgruppe der Volksgruppe der Donauschwaben gehen, den sog. „Banater Schwaben“. Hierbei werde ich vor allem der Frage nachgehen, was die Beweggründe für die Auswanderung von etlichen Familien aus ihren ursprünglichen Heimaten waren und was sie dazu veranlasste, den beschwerlichen Reiseweg in das Banat über die Donau auf sich zu nehmen, um anschließend in ein ödes Gebiet zu gelangen, dass mehr Arbeit erforderte als ihre heimatlichen Äcker.
I. Vorwort: Einleitung in das Thema, Definition des Begriffes Donauschwaben und Darlegung der zentralen Forschungsfragen zur Migration und Kolonisation im Banat.
II. Die Quellenlage: Darstellung der erhaltenen Dokumente und Forschungsliteratur, insbesondere mit Blick auf die Probleme der Quellenverfügbarkeit nach den Weltkriegen.
III. Methodik: Erläuterung der angewandten Methoden, darunter die historische Analyse nach Hayden White, der soziologische Terminus "Internal Colonialism" und die Diskursanalyse nach Foucault.
IV. Die Entstehung der Banater Schwaben: Historische Herleitung der habsburgischen Herrschaft im Banat und detaillierte Beschreibung der drei Schwabenzüge unter Karl VI., Maria Theresia und Joseph II.
V. Die Kolonisation des Banats als habsburgische Binnenkolonisation: Theoretische Einordnung der Besiedelung als Binnenkolonisation und Analyse der verwaltungstechnischen sowie kulturellen Erschließung des Gebietes.
VI. Der Umgang mit Minderheiten bei der Kolonisation des Banats: Auseinandersetzung mit staatlichen Deportationsmaßnahmen, exemplarisch erläutert an der Ansiedlung spanischer Pensionisten und dem "Temeswarer Wasserschub".
VII. Gesamtfazit: Abschließende Würdigung des Banats als Ort christlich-deutscher Kultur und kritische Reflexion des Scheiterns der Deportationspolitik im Vergleich zum Erfolg der Ansiedlung durch Siedlerfleiß.
Banat, Banater Schwaben, Donauschwaben, Binnenkolonisation, habsburgische Kolonisationspolitik, Merkantilismus, Maria Theresia, Sozialdisziplinierung, Temeswarer Wasserschub, Deportation, Bevölkerungsgeschichte, Siedlungsgeschichte, 18. Jahrhundert, Migration, Volksgruppe.
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Besiedelung des Banats im 18. Jahrhundert durch die Habsburger und untersucht die Identität der sogenannten "Banater Schwaben".
Die Schwerpunkte liegen auf den drei großen Auswanderungswellen (Schwabenzügen), der merkantilistischen Bevölkerungspolitik sowie dem Umgang des habsburgischen Staates mit unerwünschten Minderheiten.
Das Ziel ist es, die Beweggründe der Siedler und der Herrscher zu verstehen und zu klären, ob die Kolonisation als staatlich gesteuerte Binnenkolonisation oder als Instrument zur Deportation zu bewerten ist.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der kulturwissenschaftliche Methoden wie die Diskursanalyse mit soziologischen Konzepten des "Internal Colonialism" kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Darstellung der Besiedlung, die theoretische Einordnung als Binnenkolonisation und eine kritische Analyse der staatlichen Zwangsumsiedlungen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Binnenkolonisation, Merkantilismus, Bevölkerungs- und Sozialpolitik sowie das spezifische Schicksal der Banater Schwaben geprägt.
Dies war eine staatlich organisierte Deportation von als "unliebsam" eingestuften Personen aus Wien (wie Bettlern und Prostituierten) in das Banat, um sowohl die Hauptstadt zu "reinigen" als auch den Arbeitskräftemangel im Banat zu lindern.
Während die Ansiedlung als bevölkerungspolitisches Instrument zur Urbarmachung des Landes erfolgreich war, scheiterten die Deportationsversuche und schädigten langfristig den Ruf der Region.
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