Bachelorarbeit, 2004
49 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Zwei Theorien im Theorienchaos – (Meta-)Theoretische Ordnungsversuche
2 Kritische Theorie oder der Rezipient als Heimarbeiter der Kulturindustrie
2.1 Kulturindustrie statt Massenkultur – das Konzept von Horkheimer und Adorno
2.1.1 Das Rezipientenbild bei Horkheimer und Adorno
2.1.2 Kritik an der Kulturindustriethese
2.2 Die Welt als Phantom und Matrize – Technikkritik bei Günther Anders
2.2.1 Fernsehen als Wirklichkeitskonstruktion, die ihren Konstruktionscharakter verschleiert
2.2.2 Die Konsequenzen
2.2.3 Das Rezipientenbild bei Anders
2.2.4 Kritik an Anders
3 ‚Cultural Studies’ oder der Rezipient als Widerständler bei der Bedeutungsproduktion
3.1 John Fiskes Analyse der Populärkultur
3.1.1 Weder Text noch Publikum
3.1.2 Besonderheiten Populäre Texte
3.1.3 Populärkultur und gesellschaftliche Veränderung
3.2 Kritik an den Cultural Studies und an Fiskes Konzept der Populärkultur
Schlussbetrachtungen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die diametral entgegengesetzten Rezipientenbilder der Kritischen Theorie und der Cultural Studies anhand ausgewählter Beispiele systematisch herauszuarbeiten, produktiv aufeinander zu beziehen und im Kontext der Frage nach gesellschaftlicher Veränderung oder Stagnation zu bewerten. Dabei soll geklärt werden, unter welchen Bedingungen ein emanzipatorischer Mediengebrauch möglich ist.
2.1.1 Das Rezipientenbild bei Horkheimer und Adorno
Was sagt dies alles nun über den Rezipienten aus? Der Massenkommunikationsprozess wird hier aus der Perspektive der Medienschaffenden, bzw. der ökonomischen Verhältnisse, in denen der Produktionsprozess stattfindet, gesehen. Es geht also um die Frage, was die Medien mit den Menschen machen. Insofern werden die Rezipienten erst einmal als Objekte von Wirkungen betrachtet: „Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie glauben machen möchte, König, nicht ihr Subjekt, sondern ihr Objekt.“ (Adorno, 2000, 202). Diese Betrachtungsweise ist vielfach kritisiert worden, werden die Rezipienten hier doch ähnlich wie im Stimulus-Response-Modell lediglich als Opfer von Manipulationsabsichten gesehen, die über keinerlei kritische Fähigkeiten verfügten (vgl. Schicha, 2003, 126; Schorb/Mohn/Theunert, 1994, 497 f.). Diese unidirektionale und, wie es zunächst scheint, monokausale Wirkungsvorstellung bringen Horkheimer und Adorno wie folgt auf den Punkt: „Das Produkt zeichnet jede Reaktion vor.“ (Horkheimer/ Adorno, 2003, 145).
Bevor ich weiter auf die Kritik dieser Wirkungsvorstellung eingehe, ist es nötig, das hier zugrunde liegende Rezipientenbild noch etwas differenzierter herauszuarbeiten. Ganz so monokausal, wie es in dem Zitat zum Ausdruck kommt und wie oft kritisiert wird, sehen Horkheimer und Adorno den Massenkommunikationsprozess nicht. Die Aktivität der Rezipienten wird von ihnen jedenfalls nicht ausgeschlossen. Die Rezipienten könnten sich durchaus aktiv zur Nutzung eines Medienangebotes entscheiden, denn sie verträten die herrschende Ideologie sogar vehementer als die Herrschenden selbst: „(...) die betrogenen Massen [verfallen heute] mehr noch als die Erfolgreichen dem Mythos des Erfolgs.“ (Horkheimer/Adorno, 2003, 142). Im Résumé über Kulturindustrie schreibt Adorno den Rezipienten – wohl mit einem gewissen Zynismus – zudem durchaus die Fähigkeit zum kritischen Denken zu, das dann jedoch paradoxerweise ohne Konsequenzen bleibt: „Der Satz, die Welt wolle betrogen sein, ist wahrer geworden als wohl je damit gemeint war. Nicht nur fallen die Menschen, wie man so sagt, auf Schwindel herein, (...) sie wollen bereits einen Betrug, den sie selbst durchschauen (...)“ (Adorno, 2000, 206). Die unterstellte Manipulation durch die Kulturindustrie erfolgt also durchaus im Einklang mit den Bedürfnissen der Rezipienten.
1 Zwei Theorien im Theorienchaos – (Meta-)Theoretische Ordnungsversuche: Dieses Kapitel systematisiert Kritische Theorie und Cultural Studies nach ihren theoretischen Gegenständen und Prämissen, um den vermeintlichen Antagonismus zwischen Wirkungs- und Rezeptionsansätzen aufzulösen.
2 Kritische Theorie oder der Rezipient als Heimarbeiter der Kulturindustrie: Hier wird das pessimistische Bild des Rezipienten als manipuliertes Objekt der Kulturindustrie bei Horkheimer, Adorno und Günther Anders analysiert, wobei besonders der Zwang zur Konformität und die technikkritische Perspektive im Vordergrund stehen.
3 ‚Cultural Studies’ oder der Rezipient als Widerständler bei der Bedeutungsproduktion: Dieses Kapitel stellt den Ansatz von John Fiske vor, der den Rezipienten als aktiven Akteur betrachtet, welcher durch Polysemie und Widerständigkeit bei der Bedeutungsproduktion den hegemonialen Strukturen entgegenwirkt.
Kritische Theorie, Cultural Studies, Rezipientenbild, Kulturindustrie, Populärkultur, Bedeutungsproduktion, Massenkommunikation, Fernsehkritik, Ideologie, Polysemie, Widerstand, Medienwirkung, Rezeption, Alltagskultur, Autonomie.
Die Arbeit untersucht, wie Kritische Theorie und Cultural Studies das Bild des Rezipienten von Massenmedien definieren und welche Rolle diesem bei der gesellschaftlichen Reproduktion oder Veränderung zugeschrieben wird.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Kulturindustrie-Theorie der Frankfurter Schule (Adorno/Horkheimer), die Medienphilosophie von Günther Anders sowie das Konzept der Populärkultur und Bedeutungsproduktion innerhalb der Cultural Studies (insb. John Fiske).
Ziel ist es, die entgegengesetzten Rezipientenbilder der beiden Theorien herauszuarbeiten, produktiv zu vergleichen und zu bewerten, inwieweit diese für die heutige Medienwirklichkeit repräsentativ sind.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen und metatheoretischen Analyse der Ansätze. Sie kontrastiert die kulturphilosophischen und ideologiekritischen Methoden der Kritischen Theorie mit den kulturwissenschaftlichen und rezeptionsanalytischen Ansätzen der Cultural Studies.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und Kritik der Kritischen Theorie (Heimarbeiter-Konzept) sowie die Darstellung und Kritik der Cultural Studies (Widerständler-Konzept), jeweils unter Einbezug relevanter Autoren und Textbeispiele.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kritische Theorie, Cultural Studies, Kulturindustrie, Populärkultur, Rezipientenbild, Bedeutungsproduktion und den Antagonismus zwischen Manipulation und Widerstand charakterisieren.
Der Autor bescheinigt Anders eine hohe interne Plausibilität und Aktualität, kritisiert jedoch die ins Extrem getriebene Übertreibung seiner Thesen, die die mediale Wirkung als fast zwangsläufige Freiheitsberaubung darstellt.
Obwohl der Autor Fiskes Fokus auf die Aktivität der Rezipienten begrüßt, kritisiert er dessen idealistisches Bild und die Vernachlässigung struktureller Machtbedingungen, was in der Gefahr einer "Fetischisierung der Zuschauerreaktionen" münden könne.
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