Diplomarbeit, 2004
113 Seiten, Note: 1,7
EINLEITUNG
FORSCHUNGSFRAGE UND GLIEDERUNG
1 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1.1 SKIZZIERUNG DES BECK’SCHEN INDIVIDUALISIERUNGSTHEOREMS
1.1.1 DIE VORINDUSTRIELLE EHELICHE GEMEINSCHAFT
1.1.2 DIE ERSTE HÄLFTE DER ERSTEN MODERNE
1.1.3 DIE ANFÄNGE DES SYSTEMS SOZIALER SICHERUNG
1.1.4 DIE ANFÄNGE DER FREISETZUNG DER FRAU
1.1.5 INDIVIDUALISIERUNGSERSCHEINUNGEN IN DER POSTMODERNE
1.2 SOZIALISATION & GESELLSCHAFT
1.2.1 SOZIALISATIONSTHEORETISCHER ANSATZ VON HURRELMAN
1.2.2 GESCHICHTLICHER EXKURS
1.2.2.1 Weimarer Republik und Herrschaft der Nationalsozialisten
1.2.2.2 Kriegs- und Nachkriegszeit
1.2.2.3 DDR
1.3 BEGRIFFSKLÄRUNG
1.3.1 GENERATION
1.3.2 VERHANDELN
1.3.3 ZWEIERBEZIEHUNG
2 ANSÄTZE DER FORSCHUNG
2.1 ULRICH BECK UND ELISABETH BECK-GERNSHEIM
2.2 GUNTER SCHMIDT
2.3 KARL LENZ
2.4 YVES COCARD
2.5 ROGER FISHER UND WILLIAM URY
2.6 MATTHIAS SCHRANNER
3 FORMULIERUNG DER ANNAHMEN
3.1 ANNAHME 1
3.2 ANNAHME 2
3.3 ANNAHME 3
4 EMPIRISCHE GRUNDLAGEN UND AUSWERTUNG
4.1 METHODIK
4.1.1 MERKMALE QUALITATIVER SOZIALFORSCHUNG
4.1.1.1 Offenheit und Exploration
4.1.1.2 Kommunikation und Naturalistizität
4.1.1.3 Prozesshaftigkeit
4.1.1.4 Reflexivität
4.1.1.5 Explikation
4.1.1.6 Flexibilität
4.1.2 DAS QUALITATIVE INTERVIEW
4.1.2.1 Das Problemzentrierte Interview
4.1.2.1.1 Merkmale des Problemzentrierten Interviews
4.1.2.1.2 Die Fünf Phasen des Problemzentrierten Interviews
4.1.2.1.3 Der Leitfaden
4.1.3 DURCHFÜHRUNG UND BESCHREIBUNG DER INTERVIEWS
4.1.4 DIE BEFRAGTEN: AUSWAHL UND CHARAKTERISTIKA
4.1.5 METHODISCHE VORGEHENSWEISE DER AUSWERTUNG
4.2 AUSWERTUNG
4.2.1 DIE INTERVIEWS IM ALLGEMEINEN VERGLEICH DER GENERATIONEN
4.2.1.1 Die Großelterngeneration
4.2.1.2 Die Elterngeneration
4.2.1.3 Die Kindergeneration
4.2.1.4 Zusammenführung der Generationen
4.2.2 DATENAUSWERTUNG MIT SPEZIELLEM BEZUG AUF DIE ANNAHMEN
4.2.2.1 Vorbemerkung
4.2.2.2 Bedeutung der Kompetenz Verhandeln
4.2.2.3 Produktion von Gemeinsamkeiten
4.2.2.4 Abänderung der traditionellen Arbeitsteilung
4.2.3 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE
5 ANSÄTZE ZUR WEITEREN BEARBEITUNG
Die Arbeit untersucht, ob infolge des Prozesses der Individualisierung generationenbedingte Unterschiede im Verhalten innerhalb heterosexueller Paarbeziehungen bestehen, wobei der Fokus insbesondere auf der Kompetenz „Verhandeln“ liegt.
1.1.1 Die vorindustrielle eheliche Gemeinschaft
Die vormoderne Gesellschaft setzte sich überwiegend aus Bauern und Handwerkern zusammen. Frau und Mann gingen keine Ehe im heutigen Sinne einer Liebesheirat ein, vielmehr bildeten sie eine Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, die so genannte Produktionsfamilie. Die Familie produzierte die Güter, welche sie zum Leben benötigte, vorwiegend selbst. Allein war es schwer für einen Mann oder eine Frau abseits einer Ehe zu existieren, denn es gab neben der „familialen Gesamtarbeit keine Nahrungs- und Erwerbsmöglichkeiten“. Gründe für die Heirat waren existentieller Natur. Für den Familienbetrieb wurden neue Arbeitskräfte benötigt. Dies spiegelt die Funktion der Familie als Reproduktionsstätte wider. Aus ökonomischen Gründen wurden viele Kinder geboren, die als Erben, Arbeitskräfte und zur Alterssicherung dienten. Kinder hatten keine Sonderstellung im System vorindustrieller Produktionsfamilien. Sie wurden behandelt wie kleine Erwachsene und waren ebenso an der alltäglichen Arbeit beteiligt wie alle anderen. Das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern war weniger von Gefühlen geleitet. Es wurde von den Anforderungen der Familienwirtschaft bestimmt.
Das oberste Ziel vorindustrieller Eheschließungen war somit, wie auch BECK-GERNSHEIM es beschreibt: „die tägliche Existenzsicherung und der Erhalt der Generationenabfolge.“ Für Gefühle oder Neigungen blieb bei der Wahl der Ehefrau oder des Ehemannes kaum Platz. Auch war die Partnerwahl keine Entscheidung, die der oder die Betroffene hätte allein fällen können. Es war die Entscheidung des Familienclans, der gesamten Verwandtschaft. Schließlich war die Ehe ein ökonomisches Unterfangen, von deren Gelingen oder Misslingen mehr Menschen als nur die Ehepartner selbst betroffen waren. Hierbei waren die existentiellen Zwänge bedeutsamer, als die emotionalen Befindlichkeiten des Paares. Die frisch Vermählten mussten im familiären Wirtschaftssystem funktionieren. Dies wurde vor der Hochzeit zwischen beiden Familien sichergestellt.
1 THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel erläutert das Beck'sche Individualisierungstheorem, den Sozialisationsansatz von Hurrelmann und definiert zentrale Begriffe wie Generation, Verhandeln und Zweierbeziehung im historischen Kontext.
2 ANSÄTZE DER FORSCHUNG: Hier wird der theoretische Forschungsstand zusammengefasst, insbesondere Arbeiten von Ulrich Beck, Gunter Schmidt, Karl Lenz, Yves Cocard, Roger Fisher, William Ury und Matthias Schranner in Bezug auf die Arbeitsthematik.
3 FORMULIERUNG DER ANNAHMEN: Aus den theoretischen Grundlagen werden drei spezifische Annahmen zum Stellenwert des Verhandelns, zur aktiven Herstellung von Gemeinsamkeiten und zur Änderung der Arbeitsteilung in Abhängigkeit vom Alter der Generation abgeleitet.
4 EMPIRISCHE GRUNDLAGEN UND AUSWERTUNG: Dieser Hauptteil beschreibt die methodische Vorgehensweise, stellt die befragten Personen vor und wertet die Interviews im Generationenvergleich sowie mit Bezug auf die aufgestellten Annahmen aus.
5 ANSÄTZE ZUR WEITEREN BEARBEITUNG: Das abschließende Kapitel diskutiert methodische Erweiterungsmöglichkeiten und Ansätze für zukünftige Forschungsvorhaben, um die gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen.
Individualisierung, Paarbeziehung, Verhandeln, Generationenvergleich, Sozialisation, Arbeitsteilung, Postmoderne, Qualitative Sozialforschung, Problemzentriertes Interview, Familiensoziologie, Rollenverteilung, Kommunikation, Lebensformen, Biografie, Geschlechterrollen
Die Diplomarbeit untersucht generationenbedingte Unterschiede im Verhalten innerhalb von Paarbeziehungen und analysiert, wie sich der gesellschaftliche Prozess der Individualisierung auf die Kompetenz „Verhandeln“ in diesen Beziehungen auswirkt.
Die Arbeit behandelt die Soziologie der Paarbeziehung, den Wandel von Geschlechterrollen und Arbeitsteilung, den Sozialisationsprozess über drei Generationen hinweg sowie die Bedeutung der Kommunikation und des Verhandelns in postmodernen Partnerschaften.
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Gibt es generationenbedingte Unterschiede innerhalb der Paarbeziehungen unter Bezugnahme auf die Kompetenz „Verhandeln“ infolge des Prozesses der Individualisierung?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen empirischen Sozialforschung, genauer gesagt auf dem problemzentrierten Interview, wobei insgesamt elf Interviews mit Personen aus drei verschiedenen Generationen (Großeltern, Eltern, Kinder) geführt und ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Individualisierung und Sozialisation, eine Diskussion einschlägiger Forschungsansätze, die Formulierung von Annahmen sowie die ausführliche empirische Auswertung der geführten Interviews im Vergleich der Generationen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Individualisierung, Paarbeziehung, Verhandeln, Generationenvergleich, Sozialisation, Arbeitsteilung, Rollenverteilung und qualitative Sozialforschung.
Das problemzentrierte Interview ermöglichte es, die subjektiven Lebenswelten und Deutungsmuster der befragten Personen zu erfassen, da es durch seine Offenheit und Flexibilität eine Annäherung an die soziale Realität des jeweiligen Individuums erlaubt.
Die Untersuchung ergab, dass sich die traditionelle Arbeitsteilung zwar im Wandel befindet und flexibler gehandhabt wird, jedoch keine vollständige Auflösung stattgefunden hat, da in vielen Fällen Tendenzen der klassischen Aufgabenzuweisung weiterhin in individuell angepasster Form bestehen bleiben.
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