Magisterarbeit, 2000
92 Seiten, Note: 1,0
I EINLEITUNG
1.1 Taxonomie der Bilingualen
1.2 Sprachverarbeitungsmodelle
1.3 Sprachverarbeitung bei Bilingualen - independent oder interdependent?
II METHODIK
2.1 Klassifikation aphasischer Syndrome
2.2 Aphasie bei Bilingualen
2.3 Beschreibung und Durchführung des Bilingual Aphasia Test (BAT)
III ERGEBNISSE
3.1 Fallstudie J.G.
3.2 Fallstudie H.H.
3.3 Fallstudie B.S.
3.4 Fallstudie C.B.
IV KRITIK DER ANGEWANDTEN METHODIK
V ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
VI BIBLIOGRAPHIE
6.1 Nachschlagewerke
6.2 Verwendete Literatur
VII ANHANG
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Aphasie bei mehrsprachigen Patienten, um Erkenntnisse über die kognitive Organisation der Sprachverarbeitung (independent vs. interdependent) zu gewinnen. Anhand von vier Einzelfallstudien werden mittels des Bilingual Aphasia Test (BAT) die recovery-Muster und die Beeinträchtigungen in den verschiedenen Sprachsystemen analysiert und mit bestehenden psycholinguistischen Modellen, insbesondere dem Interaktionsmodell von Green, abgeglichen.
1.3 Sprachverarbeitung bei Bilingualen - independent oder interdependent?
Bei der Modellierung der Sprachperzeption und -produktion Bilingualer ergeben sich folgende Fragestellungen: Wie kann der Bilinguale seine beiden Sprachen separieren? Verfügt er über ein internes Lexikon oder besitzt er zwei? Wird eine Äußerung mit code-switching anders verarbeitet als eine ohne code-switching? Kurz, wie unterscheidet sich die Sprachprozessierung Bilingualer von der bei Monolingualen?
Eine vieldiskutierte Hypothese zur Sprachverarbeitung Bilingualer geht auf die coordinate-compound-subordinate Unterscheidung von Weinreich (1968, erstmals 1953) zurück. Danach werden beim Bilingualen vom Typ coordinate Wörter und ihre Bedeutungen separat für L1 und L2 gespeichert. Beim compound Typ werden zwar die Wörter für L1 und L2 separat gespeichert, greifen jedoch auf eine gemeinsame Bedeutung zu. Der subordinate Typ erfaßt die Bedeutung von Wörtern der schwächeren Sprache über den Umweg des entsprechenden Wortes der besser beherrschten Sprache (s. Abb. 2).
Weinreichs Distinktion führt zur grundsätzlichen Frage, ob bei Bilingualen die beiden Sprachen in vollkommen getrennten, unabhängig (independent) voneinander arbeitenden Systemen organisiert sind, oder ob sie gemeinsam ein System nutzen (interdependent). Innerhalb der Kategorie interdependent gibt es weitere hypothetische Unterteilungen, die zu verschiedenen Modellvorstellungen geführt haben. Paradis (1993) diskutiert vier Hypothesen über die Repräsentation zweier/mehrerer Sprachen im Gehirn (von denen drei der Kategorie interdependent zuzuordnen sind):
Independent: Die dual system hypothesis: Beide Sprachsysteme arbeiten vollkommen unabhängig voneinander.
Interdependent: 1. Die extended system hypothesis: Das Sprachsystem Mono- und Bilingualer unterscheidet sich nur durch die Anzahl der gespeicherten Phoneme, Morpheme, Lexeme und syntaktischen Regeln. Die Abwahl z.B. einer syntaktischen Konstruktion in L1 statt in L2 funktioniert nicht anders als die alternative Abwahl einer Konstruktion X statt Y (z.B. passiv-aktiv) innerhalb einer Sprache.
I EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Bilingualität und Darstellung der theoretischen Modelle zur Sprachverarbeitung.
II METHODIK: Erläuterung der neurologischen Grundlagen aphasischer Störungen sowie detaillierte Vorstellung des Bilingual Aphasia Test (BAT).
III ERGEBNISSE: Detaillierte Darstellung und Auswertung der vier Einzelfallstudien J.G., H.H., B.S. und C.B.
IV KRITIK DER ANGEWANDTEN METHODIK: Kritische Reflexion über äußere Einflussfaktoren und methodische Einschränkungen bei der Durchführung der Studie.
V ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Fazit zur Anwendbarkeit von Modellen der Sprachverarbeitung.
VI BIBLIOGRAPHIE: Auflistung der verwendeten Nachschlagewerke und der wissenschaftlichen Literatur.
VII ANHANG: Beigefügte medizinische Abbildungen und Testmaterialien.
Aphasie, Bilingualität, Mehrsprachigkeit, Sprachverarbeitung, Bilingual Aphasia Test, BAT, Neurolinguistik, Sprachproduktion, Sprachperzeption, independent, interdependent, recovery-Muster, Code-switching, Green, Paradis.
Die Arbeit untersucht, wie sich Aphasien, also erworbene Sprachstörungen, auf mehrsprachige Individuen auswirken und welche Rückschlüsse dies auf die kognitive Organisation ihrer Sprachen erlaubt.
Im Fokus stehen die Modelle der Sprachverarbeitung (independent vs. interdependent), die Klassifikation aphasischer Syndrome und die empirische Untersuchung bilingualer Aphasiker mittels standardisierter Testverfahren.
Das Hauptziel ist die Ermittlung der Art der Sprachverarbeitung bei den untersuchten Probanden, um zu klären, ob zwei Sprachen in getrennten Systemen oder einem interdependenten System im Gehirn organisiert sind.
Es werden vier Einzelfallstudien durchgeführt, bei denen die Probanden mit dem Bilingual Aphasia Test (BAT) untersucht werden, um deren sprachliche Leistung in verschiedenen Modalitäten zu erfassen und zu vergleichen.
Der Hauptteil präsentiert die detaillierten Ergebnisse der Fallstudien J.G., H.H., B.S. und C.B., diskutiert Fehlermuster anhand linguistischer Ebenen und prüft die Anwendbarkeit verschiedener Sprachverarbeitungsmodelle.
Wichtige Begriffe sind Aphasie, Bilingualität, Sprachverarbeitung, Bilingual Aphasia Test, Recovery-Muster und die Interaktion von Subsystemen.
Das Modell "control, activation, resource" von David W. Green dient als theoretischer Rahmen, um Phänomene wie die wechselnde Erholung von Sprachen (recovery) oder Fehlermuster bei Übersetzungsaufgaben zu erklären.
Alle untersuchten Patienten sind bilinguale Aphasiker vom Typ "balanced", die jedoch unterschiedliche aphasische Syndrome (z.B. amnestische Aphasie, Wernicke-Aphasie, globale Aphasie) aufweisen, was die Untersuchung der individuellen Sprachorganisation erschwert, aber aufschlussreich macht.
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