Bachelorarbeit, 2011
63 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der deutschen Arbeitsmarktpolitik
2.1 Der Weg zu den Hartz-Gesetzen
2.2 Hartz I-III
2.3. Hartz IV
3. Theorien und ihre Anwendung
3.1. Die Lehre vom Politik-Erbe
3.1.2. Pfadabhängigkeit der Hartz-Gesetze ?
3.2.1 Die Machtressourcentheorie
3.2.2 Die Abkehr vom Korporatismus?
3.3.1. Synthese aus der Parteiendifferenztheorie und der Politisch institutionalistischen Theorie
3.3.2 Herrschaft der Parteieliten
3.4.1. Die sozioökonomische Theorie
3.4.2 Der Wandel zur Wissensgesellschaft
3.4.3 Die finanziellen Ressourcen
3.5.1 Die Internationale Hypothese
3.5.2.1 Die Globalisierung
3.5.2.2 Der Einfluss der Globalisierung auf Deutschland
3.5.3.1 Die Europäisierung
3.5.3.2 Die Entwicklung der Europäischen Arbeitsmarktpolitik
3.5.3.3 Der Einfluss der europäischen Arbeitsmarktpolitik auf Deutschland
4. Fazit
Die Arbeit untersucht den Wandel der deutschen Arbeitsmarktpolitik, insbesondere durch die Einführung der Hartz-Gesetze, und analysiert diesen mithilfe verschiedener theoretischer Ansätze der vergleichenden Staatstätigkeitsforschung, um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sowie die Gewichtung der Einflussfaktoren zu bestimmen.
3.1.2. Pfadabhängigkeit der Hartz-Gesetze ?
Das deutsche Wohlfahrtsstaatsregime – das nach Esping-Andersen zu den konservativen Systemen gezählt wird – zeichnet sich durch eine moderate staatliche Umverteilung aus, in der der Statuserhalt das grundlegende Ziel ist. Traditionell werden Sozialversicherungsbeiträge auf der Basis von Lohnarbeitsverhältnissen (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge) finanziert, weshalb man hier von einem Äquivalenzprinzip spricht (vgl. Czada 2008: 200). Um Ungleichgewichten auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen wurde eine Form der „Regulierung von Nichterwerbstätigkeit“ lange Zeit gewählt, „in der erhebliche Teile des Arbeitskräfteangebotes aus dem Arbeitsmarkt herausgenommen und in staatlich subventionierte arbeitsmarktexterne Institutionen, wie die Rentenversicherung, überführt“ (Heinelt/Weck 1998: 111) wurden.
Dies entsprach der Logik des deutschen Wohlfahrtsregimes, das auf die Konservierung eines hochproduktiven und hochbezahlten „Normalarbeitsverhältnisses“ zielte (vgl.ebd.). Dieses Handlungsziel spiegelte sich schon mit der Einführung des AFG wieder, in der die „Vermeidung unterwertiger Beschäftigung“ in der Präambel festgeschrieben wurde (vgl. Bogedan/Bothfeld/Sesselmeier 2009: 11). Mit der Einführung der Hartz-Gesetze ist es, wie in Abschnitt 2 dargestellt wurde, zu einer Abkehr von diesem Leitbild gekommen. Das Normalarbeitsverhältnis erodiert demnach immer weiter durch die Förderung atypischer Beschäftigungsverhältnisse (Mini-/ Midi-Jobs, Ich AG´s) und mit ihm sicher geglaubte Standards bei Löhnen und sozialer Sicherheit (vgl. Aust/Müller-Scholl 2007: 290). Die gezielte Vermittlung in eine reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung findet immer weniger Bedeutung im neuen Leitbild von „Fördern und Fordern“, in der eine schnellstmögliche Vermittlung angestrebt wird, die wenig Rücksicht auf den Erhalt des Statusprinzips nimmt.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die äußeren und inneren Einflüsse, die zu einem Politikwandel in der deutschen Arbeitsmarktpolitik geführt haben, und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Die Entwicklung der deutschen Arbeitsmarktpolitik: Dieses Kapitel rekonstruiert die historische Entwicklung der Arbeitsmarktpolitik, von den Anfängen über das Job-AQTIV-Gesetz bis hin zu den Hartz-Reformen I-IV.
3. Theorien und ihre Anwendung: Hier werden sechs verschiedene Theorien der vergleichenden Staatstätigkeitsforschung vorgestellt und auf den Wandel der deutschen Arbeitsmarktpolitik angewandt.
4. Fazit: Das Fazit führt die Analysen zusammen, bewertet die Erklärungskraft der angewandten Theorien und diskutiert den stattgefundenen Paradigmenwechsel.
Arbeitsmarktpolitik, Hartz-Gesetze, Sozialstaat, Pfadabhängigkeit, Aktivierung, Globalisierung, Europäisierung, Normalarbeitsverhältnis, Wohlfahrtsstaat, Machtressourcentheorie, Politik-Erblast, Beschäftigungsstrategie, Reformpolitik, Arbeitslosigkeit, Agenda 2010.
Die Bachelorarbeit untersucht den Wandel der deutschen Arbeitsmarktpolitik, insbesondere durch die Einführung der Hartz-Gesetze Anfang der 2000er Jahre, und ordnet diesen in den Kontext der vergleichenden Staatstätigkeitsforschung ein.
Zentrale Themen sind der Übergang von einem konservativen, statusorientierten Wohlfahrtsmodell zu einem aktivierenden Staat, die Rolle der Globalisierung und Europäisierung sowie die Veränderung der Machtverhältnisse innerhalb des korporatistischen Systems.
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern man den Wandel der Arbeitsmarktpolitik in Deutschland – vor allem durch die Hartz-Gesetze – mit unterschiedlichen Theorien bestmöglich erklären kann.
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus politikwissenschaftlichen Theorieansätzen, darunter die Politik-Erblast-Theorie, die Machtressourcentheorie und die Internationale Hypothese, um eine Erklärungssynthese für den Politikwandel zu erstellen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Rekonstruktion der arbeitsmarktpolitischen Weichenstellungen und eine theoretische Analyse, in der das Politikfeld durch verschiedene Konzepte wie Pfadabhängigkeit oder sozioökonomische Determination erklärt wird.
Wichtige Schlagworte sind neben Arbeitsmarktpolitik und Hartz-Gesetzen vor allem Begriffe wie Pfadabhängigkeit, Aktivierung, Wohlfahrtsstaat und Globalisierung.
Laut der Arbeit verloren die Gewerkschaften durch den sinkenden Organisationsgrad und die Abkehr der Politik vom Korporatismus massiv an Einfluss und wurden von den Reformprozessen zunehmend ausgeschlossen.
Die Analyse zeigt, dass fehlende institutionelle und innerparteiliche Vetospieler sowie der hohe Handlungsdruck durch Arbeitslosigkeit und Rezession es der Parteielite ermöglichten, einen harten Reformkurs gegen die eigene Basis durchzusetzen.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es zwar zu einer Annäherung europäischer und deutscher Politiken kam, diese jedoch eher auf kognitive Lernprozesse und einen Diskurswechsel als auf einen erzwungenen Transfer zurückzuführen ist.
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