Bachelorarbeit, 2011
63 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Reichweite der theoretischen Ansätze
2.2 Der Staat als Abbildung gesellschaftlicher Interessen: zur Theorie des Liberalismus
2.2.1 Die Renaissance des Liberalismus im historischen Kontext des Ost-West-Konfliktes
2.2.2 Zentrale Gedanken des Liberalismus
2.3 Wechselbeziehungen zwischen Ökonomie und Politik: zur Theorie des Neo-Gramscianismus
2.3.1 Die Weltwirtschaftskrise der frühen 1970er Jahre: Historische Hintergründe des Neo-Gramscianismus
2.3.2 Zentrale Gedanken des Neo-Gramscianismus
2.4 Entwicklung der Hypothesen
3. Umweltpolitisches Engagement der VR China
3.1 Das Entstehen eines chinesischen Umweltbewusstseins: Historische Hintergründe
3.2 Der Weg zu Chinas neuer, „aktiven“ Umweltpolitik
3.3 Ein Fazit: Chinas Umweltpolitik der vergangenen Dekade
4. Zur Erklärungskraft liberaler und neo-gramscianischer Ansätze am empirischen Beispiel der VR China
4.1 Liberale Perspektive
4.1.1 Überprüfung der Hypothesen
4.1.1.1 Zivilgesellschaftliche Umweltproteste
4.1.1.2 Nichtregierungsorganisationen mit Bezug zu Umweltthematiken
4.1.1.3 Mediale Präsenz des Themas Umweltschutz
4.1.2 Zur Erklärungskraft des liberalen Ansatzes – ein Resümee
4.1.3 Schwächen der liberalen Perspektive
4.2 Neo-gramscianische Perspektive
4.2.1 Überprüfung der Hypothesen
4.2.1.1 Ökonomischer Gewinn
4.2.1.2 Soziale Stabilität / Gesellschaftlicher Wohlstand
4.2.1.3 Allgemeine Akzeptanz des Hegemons
4.2.2 Zur Erklärungskraft des neo-gramscianischen Ansatzes – ein Resümee
4.2.3 Schwächen der neo-gramscianischen Perspektive
5. Fazit
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht die Beweggründe hinter der aktiven chinesischen Umweltpolitik seit 1998. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob staatliches Handeln als direkte Reaktion auf artikulierte gesellschaftliche Interessen zu verstehen ist oder ob es sich primär um die Absicherung hegemonialer Strukturen und ökonomischer Kalküle handelt.
4.1.1.1 Zivilgesellschaftliche Umweltproteste
Zunächst gilt es, die Hypothese, ein Anstieg der zivilgesellschaftlichen Umweltproteste sei die Antriebsfeder für das umweltpolitische Engagement der VR China, zu überprüfen. Seit den 1970er Jahren kommt es in China immer wieder zu Umweltprotesten. Seither scheinen besonders die chinesischen Bauern nicht mehr alles hinzunehmen und sich in Form von Protestbewegungen, auch gewaltsamer Proteste, gegen die staatliche Gewalt aufzulehnen (vgl. Economy 2007). Weil die Landbevölkerung kaum Wege hat, auf „geordnetem“ Weg gegen Funktionäre der Regierung vorzugehen und sich zumeist keine Rechtshilfe leisten können, kommt es immer häufiger zu Protesten, Demonstrationen und Versammlungen. In Fällen, in denen Bauern scheinbar nichts mehr zu verlieren haben, richten sie sich auch gegen die Parteikader, deren Willkür sie ausgeliefert sind (Kolonko 2005).
In internen Dokumenten der Regierung sind eine Reihe von frühen Fällen erwähnt, in denen Bauern Fabriken besetzten und sogar Sabotageakte auf Betriebe ausübten, die ihre Wasserversorgung oder ihre Felder durch giftige Emissionen bedrohten (Zhong Fa 1978, Nr. 79 des Zentralkommittees der KPCh, EPLGO, Peking 1978; zit. nach Kinzelbach 1983: 399). In Qinghuangdao kam es zu einem Zwischenfall, bei dem Bauern den Ausfluss einer chemischen Fabrik verstopften, so dass die Abwässer das Firmengelände überschwemmten (Kinzelbach 1983: 399). Solche Zwischenfälle wurden und werden von der Zentralregierung ernst genommen und so gut wie möglich geheim gehalten; denn eine entsprechende Publizität würde den Einzelaktionen dazu verhelfen, Kohärenz zu entwickeln und aufgrund der Arbeiter- bzw. Bauernsolidarität in den unteren Schichten zu großen, umweltrelevanten Protesten in der Bevölkerung führen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Umweltproblematik Chinas ein und formuliert die Forschungsfrage nach den Motiven für die aktive Umweltpolitik seit 1998.
2. Theoretischer Rahmen: Das Kapitel stellt Liberalismus und Neo-Gramscianismus als theoretische Grundlagen vor, um aus deren zentralen Aussagen Hypothesen für die empirische Analyse abzuleiten.
3. Umweltpolitisches Engagement der VR China: Hier wird der historische Überblick über die Umweltpolitik Chinas gegeben und der Begriff der „aktiven“ Umweltpolitik zeitlich wie inhaltlich eingeordnet.
4. Zur Erklärungskraft liberaler und neo-gramscianischer Ansätze am empirischen Beispiel der VR China: In diesem Hauptteil werden die entwickelten Hypothesen anhand von Indikatoren wie Protesten, NGOs und wirtschaftlichem Kalkül auf ihre Erklärungskraft für das chinesische Beispiel geprüft.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die chinesische Umweltpolitik weniger ein Abbild gesellschaftlicher Interessen als vielmehr ein Instrument zur Sicherung ökonomischer Ziele und sozialer Stabilität ist.
Volksrepublik China, Umweltpolitik, Liberalismus, Neo-Gramscianismus, Zivilgesellschaft, Umweltproteste, Nichtregierungsorganisationen, Hegemonie, Ökonomisches Kalkül, Soziale Stabilität, Transformationsprozess, Nachhaltigkeit, Staatspräferenzen, Instrumentalisierung, Politische Steuerung.
Die Arbeit untersucht die Ursachen für das verstärkte Engagement der Volksrepublik China im Umweltschutz seit 1998 aus politikwissenschaftlicher Perspektive.
Die Themen umfassen die Rolle der Zivilgesellschaft, die Wirksamkeit staatlicher Umweltregulierung, das Verhältnis von Wirtschaftswachstum und ökologischer Nachhaltigkeit sowie die Herrschaftssicherung durch die Kommunistische Partei.
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Warum betreibt die Volksrepublik China seit 1998 eine aktive Umweltpolitik?
Es wird ein klassisch deduktives Forschungsdesign in Form eines Theorietests angewandt, bei dem Hypothesen aus dem Liberalismus und dem Neo-Gramscianismus am empirischen Beispiel Chinas geprüft werden.
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der chinesischen Umweltpolitik und konfrontiert die theoretischen Erklärungsansätze mit der empirischen Realität, etwa durch die Analyse von Protestbewegungen, NGO-Tätigkeiten und staatlichen Strategien.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Umweltpolitik, China, Neo-Gramscianismus, Liberalismus, Zivilgesellschaft und staatliche Kontrolle.
Während der liberale Ansatz gesellschaftliche Interessen als Triebkraft staatlichen Handelns sieht, betrachtet der Neo-Gramscianismus den Staat als Arena für Klassenkämpfe und hegemoniale Konsensbildung zur Sicherung bestehender Herrschaftsverhältnisse.
Die Autorin weist explizit auf die Geheimhaltung und Verzerrung von Daten durch staatliche Stellen hin, betont aber, dass dies kein Hindernis für eine wissenschaftliche Untersuchung sein darf, solange die Datenlage kritisch reflektiert wird.
NGOs werden in China oft instrumentalisiert; sie werden zwar toleriert, unterliegen jedoch strenger Kontrolle und dienen dem Staat häufig eher dazu, den Anschein von Bürgerbeteiligung zu wahren, als tatsächlich autonom Politik zu gestalten.
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