Masterarbeit, 2015
105 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Sozialpolitik im Zeitalter von Neoliberalismus
2.1 Die neoliberale Ideologie und ihr Menschenbild
2.2 Familien im aktivierenden Sozialstaat: Fördern und Fordern
2.3 Die Produktion sozialer Ungleichheit
3. Die gesellschaftliche Bedeutung der (frühen) Kindheit: Kinder als gesellschaftliche Ressource
3.1 Kinder als Humankapital: Der ökonomische Nutzen von Kindern
3.1.1 Die Umdeutung frühkindlicher Bildung
3.1.2 Neurowissenschaftliche Erkenntnisse und förderliche Fähigkeiten als Grundstein für lebenslanges Lernen
3.2 Die Optimierung (früher) Kindheit
3.3 Der Befähigungsansatz
4. Die Bildungseinrichtung Kindertagesstätte als Adressat gesellschaftspolitischer Forderungen
4.1 Strukturwandel in der Elementarpädagogik nach PISA
4.1.1 Kinder unter Beobachtung: Diagnostik und Fördermaßnahmen
4.1.2 Die Kompensation von (Entwicklungs-)Risiken
4.1.3 Die Förderung kognitiver Fähigkeiten und nicht-kognitiver Fähigkeiten am Beispiel naturwissenschaftlich-technischer Bildung
5. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den Einfluss neoliberaler Paradigmen auf die Sozialpolitik und analysiert, wie wirtschaftlich orientierte Interessenvertreter die Förderung frühkindlicher Bildung begründen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Elementarpädagogik als Adressat gesellschaftspolitischer Forderungen zur Humankapitalbildung instrumentalisiert wird und welche Auswirkungen dies auf den Alltag in Kindertagesstätten hat.
3.1 Kinder als Humankapital: Der ökonomische Nutzen von Kindern
Mit der Ökonomisierung von Sozialpolitik im Zeitalter neoliberaler Entwicklung wird der Humankapitaltheorie ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die Theorie stammt ursprünglich aus der Bildungsökonomie und darin wird von einem Zusammenhang von Bildung und Produktivität am Arbeitsmarkt ausgegangen. Der Humankapitalbegriff fungiert daher als Synonym für die ökonomische Dimension von Bildung (vgl. Alfred Herrenhausen Gesellschaft 2002, S. 10f.; Graßl 2008, S. 105; Kränzl-Nagl et al. 2003, S. 29; Pechar 2006, S. 17; Spieß 20012, S. 1).
Bildungsausgaben werden in der Humankapitaltheorie als Investitionen verstanden, d.h. je mehr in das von Menschen verkörperte Humankapital investiert wird, desto höher sind die privaten und sozialen, d.h. die volkswirtschaftlich bedeutsamen Erträge. In der Humankapitaltheorie werden die privaten Erträge auch als nicht-monetäre und die sozialen Erträge als monetäre Erträge bezeichnet. Erstere drücken sich durch eine höhere Erwerbstätigkeit, geringere Arbeitslosigkeit und höheres Einkommen aus. Letztere gehen auf sozialer Ebene mit höheren Steuereinnahmen und geringeren staatlichen Transferleistungen einher. Nicht-monetäre Erträge erhöhen im Privaten das soziale Prestige, ermöglichen einen gehobenen Lebensstil sowie eine höhere Arbeitsqualität und stärken das Gesundheitsbewusstsein von Menschen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die wohlfahrtspolitischen Umstrukturierungen ein und erläutert die These, dass frühkindliche Bildung zunehmend als ökonomisches Investitionsgut betrachtet wird.
2. Sozialpolitik im Zeitalter von Neoliberalismus: Dieses Kapitel erläutert den Wandel vom redistributiven zum aktivierenden Sozialstaat, der individuelle Eigenverantwortung und wirtschaftliche Verwertbarkeit in den Vordergrund rückt.
3. Die gesellschaftliche Bedeutung der (frühen) Kindheit: Kinder als gesellschaftliche Ressource: Hier wird analysiert, wie Kinder im Zuge der Humankapitaltheorie als strategische Ressource für zukünftiges Wirtschaftswachstum definiert werden.
4. Die Bildungseinrichtung Kindertagesstätte als Adressat gesellschaftspolitischer Forderungen: Dieses Kapitel beschreibt den Strukturwandel in Kindertagesstätten, die durch diagnostische Verfahren und Bildungspläne zunehmend zur Humankapitalförderung genutzt werden.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass Bildung unter dem neoliberalen Kurs ihr Ziel der Selbstentfaltung zugunsten einer effizienzorientierten Verwertbarkeit eingebüßt hat.
Neoliberalismus, Humankapital, Sozialinvestitionsstaat, Elementarpädagogik, Kindertagesstätte, frühkindliche Bildung, Ökonomisierung, Strukturwandel, PISA, Leistungsgesellschaft, Förderprogramme, Kompetenz, Chancengerechtigkeit, Bildungsökonomie, Prävention.
Die Arbeit analysiert, wie neoliberale sozialpolitische Strategien die Kindheit und frühkindliche Bildung umdeuten und als ökonomische Ressource instrumentalisieren.
Die zentralen Themen sind Neoliberalismus, Humankapitaltheorie, Strukturwandel im Elementarbereich sowie die Auswirkungen von Förder- und Diagnostikprogrammen auf Kinder und Familien.
Ziel ist es, die erziehungswissenschaftliche Reflexion über die Ökonomisierung früher Bildungsprozesse anzuregen und die zugrunde liegenden gesellschaftspolitischen Interessen offen zu legen.
Die Arbeit nutzt eine erziehungswissenschaftliche Diskurs- und Inhaltsanalyse von sozialpolitischen Konzepten und bildungspolitischen Leitbildern.
Im Hauptteil werden die theoretischen Ansätze der Humankapitaltheorie und des Befähigungsansatzes gegenübergestellt sowie die institutionelle Praxis in Kindertagesstätten kritisch reflektiert.
Wichtige Begriffe sind Humankapital, Neoliberalismus, Elementarpädagogik, Sozialinvestitionsstaat und Ökonomisierung.
Kindertagesstätten wandeln sich von Betreuungseinrichtungen zu Bildungsinstitutionen, die durch verpflichtende Pläne und Kontrollen primär der systematischen Humankapitalbildung dienen.
Die Neurowissenschaft wird genutzt, um die Effizienz frühkindlicher Investitionen wissenschaftlich zu untermauern und Eltern zu verstärkter Förderung zu bewegen.
Der Begriff beschreibt den Prozess, in dem das Kind zum Objekt ökonomischer Kalküle wird, dessen Wert sich primär aus seinem potenziellen zukünftigen Ertrag für die Volkswirtschaft bemisst.
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