Bachelorarbeit, 2013
45 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Moralisches Denken
2.1 Der kognitiv-entwicklungspsychologische Ansatz
2.2 Moralisches Versagen und moralische Praxis
3. Moralische Intuitionen
3.1 Social Intutionist Model
3.2 Funktionsweise moralischer Intuitionen
3.2.1 Heuristiken
3.2.2 Priming
3.2.3 Diskussion
3.3 Moralisches Versagen
3.4 Implikationen für die moralische Praxis
4. Moralische Motivation
4.1 Studien über VMPFC-Patienten
4.2 Funktionsweise moralischer Emotionen
4.2.1 Moralischer Ekel
4.2.2 Kulturabhängigkeit moralischer Emotionen
4.2.3 Diskussion
4.3 Moralisches Versagen
4.4 Implikationen für die moralische Praxis
5. Moralische Situationen
5.1 Psychologischer Situationismus
5.2 Moralisches Versagen und moralische Praxis
6. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die psychologischen Ursachen für moralisches Versagen und analysiert, inwieweit Erkenntnisse aus der Moralpsychologie dazu beitragen können, die moralische Praxis zu verbessern und die Wahrscheinlichkeit unethischen Handelns zu minimieren.
3.1 SOCIAL INTUTIONIST MODEL
Bei der Befragung von Probanden zu ihren moralischen Urteilen beobachteten Haidt und seine Kollegen in einigen Fällen ein interessantes Phänomen: die meisten Probanden fällten ihr Urteil nahezu sofort, hatten dann aber im weiteren Verlauf der Befragung Probleme Begründungen für ihr Urteil anzugeben. Beispielsweise äußerten Probanden, dass es moralisch falsch sei den eigenen Hund zu essen, weil man womöglich krank werden könnte. Wenn der Interviewer dann darauf hinwies, dass kein Krankheitsrisiko bestehe, weil das Fleisch gekocht wurde, änderten die meisten Probanden ihr moralisches Urteil jedoch nicht, sondern versuchten weitere Begründungen zu finden. Weil die Fälle jedoch so sorgsam konstruiert waren, dass die meisten der vorgebrachten Begründungen nicht zutrafen, verharrten die Probanden letztendlich bei der charakteristischen Aussage: „I don‘t know. I can’t explain it. I just know it’s wrong.“ Diesen Zustand der Unfähigkeit sein eigenes Urteil zu begründen bezeichnen Haidt und seine Kollegen als Moral Dumbfounding.
Im Rahmen seines SIM erklärt Haidt dieses Phänomen damit, dass moralische Urteile i.d.R. nicht auf bewusstem moralischem Denken, sondern auf unbewussten moralischen Intuitionen basieren. Um begriffliche Verwirrungen zu vermeiden wird auf die zugrundeliegenden Definitionen Haidts eingegangen, welche auch im weiteren Verlauf verwendet werden. Moralische Intuitionen definiert Haidt wie folgt:
[…] moral intuition can be defined as the sudden appearance in consciousness of a moral judgment, including an affective valence (good-bad, like-dislike), without any conscious awareness of having gone through steps of searching, weighing evidence, or inferring a conclusion.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des moralischen Versagens anhand der historischen Fallstudie des Reserve-Polizeibataillons 101 ein und umreißt die moralpsychologische Forschungslandschaft.
2. Moralisches Denken: Dieses Kapitel erläutert Lawrence Kohlbergs kognitiv-entwicklungspsychologischen Ansatz und diskutiert dessen Annahmen über moralisches Handeln sowie die Grenzen bei der Erklärung von moralischem Versagen.
3. Moralische Intuitionen: Der Abschnitt stellt das Social Intuitionist Model (SIM) von Jonathan Haidt vor, untersucht die Funktionsweise von Intuitionen durch Heuristiken und Priming und beleuchtet deren Relevanz für das moralische Handeln.
4. Moralische Motivation: Hier wird die Natur moralischer Motivation anhand von Studien zu VMPFC-Patienten sowie der Rolle moralischer Emotionen wie Ekel, Schuld und Scham analysiert.
5. Moralische Situationen: Das Kapitel behandelt den psychologischen Situationismus, klassische Experimente (wie das Milgram-Experiment) und die kritische Bedeutung situativer Faktoren für moralisches Handeln.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Möglichkeiten und Grenzen einer Vermeidung moralischen Versagens auf individueller sowie institutioneller Ebene evaluiert werden.
Moralisches Versagen, Moralpsychologie, moralisches Denken, moralische Intuitionen, Social Intuitionist Model, moralische Motivation, moralische Emotionen, moralische Situationen, Situationismus, moralische Praxis, Moral Design, Selbstkontrolle, kognitive Entwicklung, Heuristiken, Priming
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie „ganz normale Menschen“ in spezifischen Situationen moralisch versagen können, also gegen ihre eigenen bewusst gehaltenen moralischen Überzeugungen handeln.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von bewusstem moralischem Denken und unbewussten Intuitionen, die Rolle von Emotionen bei der Handlungssteuerung sowie der Einfluss situativer Rahmenbedingungen auf moralisches Verhalten.
Das Ziel ist es, ein systematisches Verständnis für die Mechanismen hinter moralischem Versagen zu entwickeln, um daraus fundierte Ansätze abzuleiten, wie das Risiko solchen Versagens reduziert werden kann.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die aktuelle Forschungsergebnisse aus der Moralpsychologie, der Neurowissenschaft, der Sozialpsychologie und der Philosophie integriert und kritisch diskutiert.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große psychologische Forschungsbereiche: moralisches Denken, intuitive Prozesse und die Bedeutung von Situationen für die moralische Entscheidungsfindung.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Moral Dumbfounding, VMPFC-Läsionen, moralisches Kalkül, Situationismus, Bystander-Effekt und Moral Design charakterisiert.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die bewusste Korrektur moralischer Intuitionen durch moralisches Denken unter realen Bedingungen oft schwierig ist, da die notwendigen Voraussetzungen für eine solche Korrektur selten erfüllt sind.
Der Autor stützt sich auf Gigerenzer und Doris, um zu argumentieren, dass die Veränderung des institutionellen Kontextes (Moral Design) oft erfolgsversprechender ist als der Versuch, Individuen allein durch moralische Erziehung immun gegen situativen Druck zu machen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

