Bachelorarbeit, 2010
44 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Ziele und Zwecke der Abschlussprüfung
3. Unregelmäßigkeiten im Jahresabschluss
3.1. Unrichtigkeiten (Error)
3.2. Verstöße (Fraud)
3.3. Sonstige Gesetzesverstöße
3.4. Schlüsselfaktoren bei der Begünstigung für Fraud
4. Verantwortlichkeit des Abschlussprüfers zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten
4.1. Rechtliche Verpflichtungen
4.2. Erweiterung und Präzisierung des gesetzlichen Prüfungsauftrags durch berufsständische Verlautbarungen
5. Vorgehensweise des Abschlussprüfers bei der Prüfungsdurchführung am Beispiel einer mittelständischen Gesellschaft
6. Fazit
Die Arbeit untersucht kritisch die Vorgehensweise des Abschlussprüfers bei der Einschätzung und Aufdeckung von Error- und Fraud-Risiken im Rahmen der gesetzlichen Abschlussprüfung. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Analyse der Verantwortlichkeiten des Prüfers sowie der Anwendung berufsständischer Verlautbarungen in der praktischen Prüfungsdurchführung.
3.4. Schlüsselfaktoren bei der Begünstigung für Fraud
Nach dem amerikanischen Psychologen Donald Cressey gibt es drei Voraussetzungen für wirtschaftskriminelles Handeln. Das von ihm entwickelte Fraud Triangle bezeichnet diese als Anreiz, Gelegenheit und innere Rechtfertigung. Cressey geht davon aus, dass sich Menschen, die wirtschaftskriminelle Handlungen begehen, wissentlich nicht den Regeln entsprechend bzw. kriminell verhalten, um daraus einen eigenen, insbesondere finanziellen Nutzen zu ziehen. Weitere Anreizfaktoren von Wirtschaftsstraftaten sind neben dem persönlichen materiellen Nutzen, das Streben nach persönlicher Anerkennung sowie das Verlangen den unternehmerischen Erfolg zu steigern. Ein weiterer Anreizfaktor wird durch Verlustängste des Einzelnen dargestellt, z.B. die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder von Einfluss. Ebenso spielt der Druck von Analysten, institutionellen Anlegern oder wichtigen Gläubigern eine bedeutende Rolle.
Gelegenheit für Fraud kann sich bieten, wenn es zu Lücken im Rechnungslegungsprozess und internen Kontrollsystem kommt. Diese können organisatorischer, prozessualer oder personeller Art sein. Eine Mitarbeiterreduktion kann dazu führen, dass die Trennung von Aufgaben oder Maßnahmen wie z.B. das Vier-Augen-Prinzip nur noch eingeschränkt gewährleistet sind und das obwohl genau diese Segmente des internen Kontrollsystems wesentliche Bestandteile zur Vermeidung von Wirtschaftskriminalität sind. Es ist Aufgabe des Aufsichtsrats die wirksame Überwachung des Rechnungslegungsprozesses sowie des internen Kontrollsystems sicherzustellen.
Der letzte Faktor des Fraud-Triangle-Ansatzes ist die innere Rechtfertigung. Diese beschreibt die Fähigkeit Einzelner ihr Fehlverhalten zu rechtfertigen. Dabei spielt ihre Position auf der Hierarchieebene im Unternehmen eine sekundäre Rolle. Falls Gelegenheit besteht und der Anreiz stark genug ist, tendiert der Mensch dazu, sich für sein Handeln eine innere Rechtfertigung zurechtzulegen. So könnte diese insbesondere in wirtschaftlich angespannten Zeiten beispielsweise lauten: „Wenn sich die Vorstandsebene Bonuszahlungen in Millionenhöhe leistet, warum soll mir nicht auch ein Teil zustehen?“
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Ursprung von Wirtschaftsdelikten, die Erschütterung des Vertrauens durch Bilanzskandale und die Relevanz der Fraud-Prävention für Unternehmen.
2. Ziele und Zwecke der Abschlussprüfung: Erläutert die Hauptaufgaben der Prüfung, wie die Bestätigung der Verlässlichkeit von Jahresabschlussinformationen und die Rolle des Abschlussprüfers als Informationsintermediär.
3. Unregelmäßigkeiten im Jahresabschluss: Definiert und differenziert zwischen unbeabsichtigten Unrichtigkeiten (Error), beabsichtigten Verstößen (Fraud) sowie sonstigen Gesetzesverstößen und stellt das Fraud-Triangle-Modell vor.
4. Verantwortlichkeit des Abschlussprüfers zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten: Analysiert die rechtlichen Pflichten aus dem HGB sowie die präzisierende Wirkung berufsständischer Verlautbarungen wie des IDW PS 210.
5. Vorgehensweise des Abschlussprüfers bei der Prüfungsdurchführung am Beispiel einer mittelständischen Gesellschaft: Detailliert die praktische Anwendung der Prüfungshandlungen, wie Diskussionen im Team, analytische Verfahren und die Beurteilung von Fraud-Risiken in einer Fallstudie.
6. Fazit: Reflektiert die gestiegenen Anforderungen an Abschlussprüfer, betont die Bedeutung einer kritischen Grundhaltung und mahnt den Spagat zwischen Prävention und vertretbarem Prüfungsaufwand an.
Abschlussprüfung, Fraud, Error, Unregelmäßigkeiten, Fraud-Triangle, IDW PS 210, Wirtschaftskriminalität, Management Override, risikoorientierter Prüfungsansatz, Erwartungslücke, interne Kontrollen, Jahresabschluss, Bilanzskandale, Prüfungssicherheit, Wirtschaftsprüfer.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Vorgehensweise eines Abschlussprüfers bei der Einschätzung und Aufdeckung von potenziellen Fehlern (Error) und dolosen Handlungen (Fraud) im Jahresabschluss.
Zentrale Themen sind die Definition von Unregelmäßigkeiten, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Abschlussprüfung, die psychologischen Faktoren hinter Fraud sowie die methodische Umsetzung der Risikoprüfung in der Praxis.
Das Ziel ist es, die Vorgehensweise des Abschlussprüfers bei der Einschätzung von Risikoquellen für Fehler und Betrug systematisch darzustellen und die Wirksamkeit sowie die Grenzen dieses Vorgehens kritisch zu würdigen.
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse nationaler und internationaler Standards (wie HGB, IDW PS, ISA 240) sowie auf ein qualitatives Experteninterview im Kontext einer praktischen Fallstudie bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Im Hauptteil werden zunächst die Begrifflichkeiten von Unregelmäßigkeiten geklärt, die rechtlichen Verantwortlichkeiten des Prüfers erläutert und schließlich die konkrete Prüfungsplanung und -durchführung anhand einer mittelständischen Gesellschaft praktisch nachvollzogen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Abschlussprüfung, Fraud, Unregelmäßigkeiten, Fraud-Triangle, IDW PS 210 und risikoorientierter Prüfungsansatz charakterisieren.
Es ist ein Erklärungsmodell, das aufzeigt, dass Fraud-Handlungen meist durch das gleichzeitige Auftreten von drei Faktoren begünstigt werden: Anreiz, Gelegenheit und innere Rechtfertigung.
Die Pflichtprüfung zielt auf eine hinreichende Sicherheit bei der Aufdeckung wesentlicher Unregelmäßigkeiten ab, während eine Unterschlagungsprüfung eine gezielte Aufklärung spezifischer Vorkommnisse mit einem tieferen Prüfungsumfang darstellt.
Dies beschreibt das Risiko, dass Führungskräfte ihre Machtposition nutzen, um bestehende interne Kontrollmechanismen des Unternehmens außer Kraft zu setzen, was die Aufdeckung von Fraud durch Prüfer erschwert.
Sie beschreibt die Diskrepanz zwischen den (oft überhöhten) Erwartungen der Öffentlichkeit an die Aufdeckung von Betrug durch den Prüfer und der eigentlichen gesetzlichen Zielsetzung der Abschlussprüfung.
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