Masterarbeit, 2013
119 Seiten, Note: 1,0
1 Grundlagen
1.1 Analysen der Lüge
1.2 Lüge vs. Täuschung
2 Der „Prototyp“ der Lüge
2.1 Dimensionen der Lüge
2.1.1 Die Glaubensbedingung
2.1.2 Die Täuschungsabsicht
2.1.3 Die Behauptungsbedingung
2.2 Prototypensemantische Analysen der Lüge
2.2.1 Prototypensemantik: Das englische Verb „to lie“
2.2.2 Kritik an Coleman und Kays‘ Ansatz
2.3 Falkenberg: Der „zentrale Fall“ der Lüge
2.3.1 Falkenbergs Behauptungsbedingung
2.3.2 Falkenbergs Definition des „zentralen Falls“ der Lüge
2.3.3 Falkenbergs „Grade der Lügenhaftigkeit“
2.4 Zwischenfazit
3 Falsch Implizieren: Lügen, obwohl man die Wahrheit behauptet
3.1 Die konversationelle Implikatur und andere Implikaturentypen
3.2 Falkenbergs Definitionsversuch „indirekter“ Lügen
3.3 Meibauers „erweiterte Definition der Lüge“
3.3.1 Meibauers modifizierte Definition der Behauptung
3.3.2 Exkurs über die Wahrheitsfunktionalität von Implikaturen
3.3.3 Meibauers erweiterte Lügendefinition
3.3.4 Lügentauglichkeit generalisierter und partikulärer Implikaturen
3.3.5 Lügen mit Tautologie und Ironie
3.3.6 Lügen mit Tautologie
3.3.7 Lügen mit Ironie
3.4 Exkurs über Präsuppositionen
3.5 Zwischenfazit
4 Vorgetäuschte Sprechakte
4.1 Grundzüge der Illokutionslogik
4.1.1 Taxonomie, Gelingen und Erfüllen illokutionärer Akte
4.1.2 Illokutionslogische Relationen
4.1.3 Vandervekens Generalisierung der Grice’schen Maximen
4.1.4 Nicht-wörtliche Bedeutung
4.1.5 Indirekte Sprechakte
4.1.6 Konversationelle Implikaturen
4.1.7 Ironie
4.1.8 Exkurs: Die Simulation der Aufrichtigkeit vs. die Simulation der Unaufrichtigkeit
4.2 Lügen und Täuschungen mit illokutiven Komponenten
4.2.1 Illokutionslogische Erklärung des „Lügenbegriffs im engeren Sinne“
4.2.2 Versuchsweise Definition eines „weitesten Lügenbegriffs“
4.2.3 Vorgetäuschte Sprechakte hinsichtlich illokutiver Komponenten
4.2.4 Nicht-assertiv gebundene falsche konversationelle Implikaturen
4.2.5 Präsuppositionen und ihre illokutionslogischen Entsprechungen
4.3 Zwischenfazit und Ausblick
5 Empirische Untersuchung zum intuitiven Lügenbegriff
5.1 Linguistische Hypothesen zur Lüge
5.2 Methodik
5.3 Ergebnisse
5.3.1 Erläuterungen zur Auswertung
5.3.2 Auswertung der einzelnen Items
5.3.3 Auswertung der Gruppen
5.4 Diskussion
5.4.1 Analyse der Kontrollgruppen
5.4.2 Analyse der Gruppen partikuläre und generalisierte Implikaturen
5.4.3 Analyse der Gruppe Vorgetäuschte Sprechakte
Die Arbeit untersucht linguistische Definitionen der Lüge, insbesondere im Hinblick auf ihre Eindeutigkeit und Anwendbarkeit auf komplexe Fälle wie falsche Implikaturen oder vorgetäuschte Sprechakte. Das primäre Ziel ist es, zu hinterfragen, ob herkömmliche, oft eng gefasste Lügenbegriffe dem intuitiven Sprachgebrauch von Sprechern entsprechen, und mittels illokutionslogischer Analysen sowie einer empirischen Untersuchung einen realistischeren Begriff zu erarbeiten.
Die Behauptungsbedingung
Schon das Lügenverbot in den Geboten der großen Weltreligionen bezieht sich - wörtlich - fast immer auf Behauptungen: „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten“ heißt es beispielsweise im Lügenverbot der Lutherbibel. „Zeugnis ablegen“ gehört wie „behaupten“ in die Sprechaktklasse der Assertive und hat sprechakttheoretisch den von Searle in seiner Taxonomie der Sprechakte festgestellten illokutionären Zweck:
Der Witz oder Zweck der Elemente dieser Klasse ist es, den Sprecher (in unterschiedlichem Maß) darauf festzulegen, dass etwas der Fall ist, dass die zum Ausdruck gebrachte Proposition wahr ist. Alle assertiven Äußerungen lassen sich in der Dimension, die wahr und falsch umfasst, beurteilen.
1 Grundlagen: Das Kapitel bietet eine Einführung in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Lüge und Täuschung, wobei vor allem die linguistische und philosophische Perspektive auf die Behauptungsbedingung beleuchtet wird.
2 Der „Prototyp“ der Lüge: Hier werden zentrale Variablen der Lügendefinition diskutiert und prototypensemantische Ansätze zur Erfassung des intuitiven Lügenbegriffs kritisch untersucht.
3 Falsch Implizieren: Lügen, obwohl man die Wahrheit behauptet: Der Fokus liegt auf der Analyse von Lügen mittels konversationeller Implikaturen, Tautologien und Ironie, wobei Meibauers erweiterte Lügendefinition kritisch hinterfragt wird.
4 Vorgetäuschte Sprechakte: In diesem Kapitel erfolgt eine illokutionslogische Analyse von Täuschungen, um zu untersuchen, ob auch andere Sprechaktklassen lügentauglich sind.
5 Empirische Untersuchung zum intuitiven Lügenbegriff: Dieser Teil präsentiert das methodische Vorgehen und die Ergebnisse einer empirischen Studie, die linguistische Lügenhypothesen am intuitiven Verständnis von Nicht-Linguisten prüft.
Lüge, Täuschung, Behauptung, Assertive Sprechakte, Konversationelle Implikatur, Illokutionslogik, Prototypensemantik, Sprechakttheorie, Wahrheitsbedingungen, Präsupposition, Sprachphilosophie, Intuition, Empirische Untersuchung.
Die Arbeit analysiert linguistische Lügenbegriffe und untersucht, inwieweit diese mit dem intuitiven Verständnis von Sprechern übereinstimmen, insbesondere bei komplexen Formen der Täuschung.
Zentrale Felder sind die Sprechakttheorie, die pragmatische Analyse von Implikaturen und Täuschungen sowie die illokutionslogische Modellierung von Sprechakten.
Die Forschungsfrage lautet, ob die gängige linguistische Annahme, dass Lügen zwingend an Behauptungen gebunden sind, haltbar ist oder ob auch andere vorgetäuschte Sprechakte als Lügen klassifiziert werden können.
Die Autorin kombiniert eine theoretische, handlungstheoretische Analyse (basierend auf Falkenberg, Meibauer, Searle/Vanderveken) mit einer experimentellen, empirischen Untersuchung.
Im Hauptteil werden verschiedene Lügendefinitionen diskutiert, die Abgrenzung von Ironie und Implikaturen vorgenommen sowie mittels Illokutionslogik neue Konzepte für "weiteste" Lügenbegriffe entwickelt.
Wichtige Begriffe sind Lüge, Täuschung, Sprechakt, Implikatur, Behauptung, Illokutionslogik und linguistische Intuition.
Eine "glatte Lüge" ist direkt mit einer unwahren Behauptung verbunden, während falsche Implikaturen eine Wahrheit behaupten, aber den Hörer zu einem unwahren Rückschluss verleiten.
Die Studie zeigt, dass der engere Lügenbegriff (Lüge = unwahre Behauptung) am ehesten dem intuitiven Verständnis entspricht, während Erweiterungen auf Implikaturen oder andere Sprechakte von Probanden oft nicht als Lüge identifiziert werden.
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