Masterarbeit, 2014
109 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Ernährung und Mentalitäten: theoretische Voraussetzungen
2.1 Du isst, was du weißt Ernährung als wissenssoziologisches Konzept
2.1.1 Die gesellschaftliche Konstruktion der (Ernährungs-)Wirklichkeit
2.1.2 Zum Zusammenhang von Sprache und Ernährungswissen
2.2 Du bist, was du isst Mentalitäten als Ausdruck gesellschaftlichen Ernährungswissens – und umgekehrt
2.2.1 Grundannahmen der Mentalitätsgeschichte
2.2.2 Linguistische Mentalitätsgeschichte als Diskursgeschichte
2.2.3 Einstellung als Begriff der Linguistischen Mentalitätsgeschichte
2.2.3.1 Kognition
2.2.3.2 Emotion
2.2.3.3 Volition
3. Mentalitäten der Ernährung: methodische Herausforderungen
3.1 Verstehen, interpretieren, rekonstruieren
3.2 Linguistische Einstellungsanalyse als integratives Analysemodell
3.2.1 Brisante Wörter und Semantische Kämpfe
3.2.2 Lexikalisierte Emotionen und Volitionen
3.2.3 Topoi und Argumentation
3.2.4 Zusammenführung der methodischen Ansätze
4. Exemplarische Analyse zu Mentalitäten um Milch
4.1 Korpus und methodisches Vorgehen
4.2 Milch als Kuhmilch der Hochleistungskuh
4.3 Die Hochleistungskuh
4.4 Der Nostalgie-Topos
4.5 Der Muttermilch-Topos
5. Abschließende Überlegungen
Diese Arbeit zielt darauf ab, Ernährung als ein diskursiv konstruiertes Wissenssystem zu begreifen, um eine linguistische Einstellungsanalyse zu entwickeln, mit der sich Mentalitäten – verstanden als das Zusammenspiel von Kognition, Emotion und Volition – im Ernährungsdiskurs rekonstruieren lassen. Die Forschungsfrage lautet, wie Ernährung als alltägliche kulturelle und damit sprachliche Praxis diskurslinguistisch untersucht werden kann, wobei die Autorin den Themenkomplex "Milch" exemplarisch analysiert.
Die gesellschaftliche Konstruktion der (Ernährungs-)Wirklichkeit
Für die Zwecke dieser Arbeit erscheint mir die Wissenssoziologie, wie sie Berger / Luckmann (2010) begründet haben, als zielführend, weil ihre Grundannahme ist, wie es der Titel ihres Buches bereits verrät, dass Wirklichkeit gesellschaftlich konstruiert ist und zwar in Form von Wissen, denn Wissen wird „in gesellschaftlichen Situationen entwickelt, vermittelt und bewahrt [...].“ (Berger / Luckmann 2010: 3) Dieses Wissen und die Prozesse, die diese Wirklichkeit konstituieren, sind beschreibbar. Bei diesem Ansatz handelt es sich um keine Ideologiekritik, wie sie Karl Marx oder Karl Mannheim betrieben haben, sondern ist er ein deskriptiv-analytischer, in dem Wissenssysteme untersucht werden – das Wissen in seiner empirischen Vielfalt und in seiner Genese sowie in den Ursachen der Genese (Berger / Luckmann 2010: 18).
Nun soll es in dieser Arbeit um das Wissen um Ernährung gehen bzw. im späteren Verlauf in exemplarischer Form um das Wissen um Milch und man kann fragen, auf welcher Ebene der Wirklichkeit Ernährung anzusiedeln ist? Bereits in der Einleitung wurde betont, dass Ernährung etwas ist, das uns alltäglich beschäftigt und in seiner Wirklichkeit als sehr wahr wahrgenommen wird. Und so bietet es sich an, sie in der Wirklichkeit der Alltagswelt zu verorten – als der „obersten Wirklichkeit“, wie sie Berger / Luckmann (2010: 24) bestimmen, die unter allen anderen Wirklichkeiten eine Vorrangstellung hat.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Komplexität des modernen Ernährungsdiskurses und formuliert die grundlegende Forschungsfrage nach einer diskurslinguistischen Untersuchung von Ernährung als alltäglicher Praxis.
2. Ernährung und Mentalitäten: theoretische Voraussetzungen: Dieses Kapitel erarbeitet die wissenssoziologische und mentalitätsgeschichtliche Basis, um Ernährung als gesellschaftlich und sprachlich konstituiertes Wissen zu begreifen.
3. Mentalitäten der Ernährung: methodische Herausforderungen: Hier werden methodische Ansätze wie die Einstellungsanalyse und die Untersuchung von brisanten Wörtern, Emotionen und Topoi integriert, um Mentalitäten empirisch greifbar zu machen.
4. Exemplarische Analyse zu Mentalitäten um Milch: Dieses Kapitel wendet die entwickelten Methoden exemplarisch auf ein Korpus zum Thema Milch an, wobei insbesondere die diskursiven Konstruktionen um die "Hochleistungskuh" untersucht werden.
5. Abschließende Überlegungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Potenzial des integrativen methodischen Konstrukts für die linguistische Erforschung kulturell verankerter Wissenssysteme.
Ernährung, Linguistische Mentalitätsgeschichte, Diskurslinguistik, Einstellung, Kognition, Emotion, Volition, Milcherzeugung, Hochleistungskuh, semantische Kämpfe, Topoi, Wissenssoziologie, Alltagswelt, Sprachgebrauch
Die Arbeit untersucht Ernährung als ein gesellschaftlich und sprachlich konstruiertes Wissenssystem und entwickelt ein diskurslinguistisches Analysemodell, um Einstellungen und Mentalitäten in diesem Bereich zu erforschen.
Die zentralen Themen umfassen die Rolle von Sprache bei der Konstruktion von Ernährungs-Wirklichkeit, die Erforschung von Denkmustern (Mentalitäten) und die Analyse von Diskursen über Lebensmittel wie Milch.
Das primäre Ziel ist es, eine methodische Basis (eine "Linguistik des Essens") zu erarbeiten, um alltägliche kulturelle Praktiken und die damit verbundenen Denk-, Fühl- und Sollensweisen diskurslinguistisch fassbar zu machen.
Die Autorin nutzt einen integrativen Ansatz aus Linguistischer Diskursanalyse, Mentalitätsgeschichte und Wissenssoziologie, ergänzt durch die Analyse von brisanten Wörtern, Topoi sowie lexikalisierten Emotionen und Volitionen.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Fundierung der Analyseebenen und einen empirischen Teil, in dem die Theorie anhand eines Korpus zum Thema "Milch" in der heutigen Zeit angewendet wird.
Zu den Kernbegriffen zählen Ernährung, Mentalitätsgeschichte, Diskurslinguistik, Einstellung, Emotion, Volition, Hochleistungskuh und semantische Kämpfe.
Das Schlagwort dient als zentrales Beispiel für einen "brisanten" Begriff, an dem sich gesellschaftliche Aushandlungsprozesse, ethische Konflikte und der Wandel von Einstellungen zur Milcherzeugung deutlich machen lassen.
Der Nostalgie-Topos ist ein emotional geprägtes Argumentationsmuster, das sich in eine Sehnsucht nach einer verklärten Vergangenheit (das "Früher") flüchtet, um ein Unbehagen an der aktuellen industriellen Realität der Ernährung zu artikulieren.
Die Autorin argumentiert, dass Ernährung untrennbar mit dem menschlichen Körper und entsprechenden Empfindungen verbunden ist; Begriffe wie "gesund" oder "eklig" sind daher immer auch an körperliche Erfahrungen und damit an Emotionen gekoppelt.
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