Bachelorarbeit, 2014
36 Seiten, Note: 1,0
1.Einleitung
2.Der ursprüngliche Schluss
3.Die verschiedenen Quellenangaben
3.1. Der Schulmeister
3.2. Die Wirtschafterin Antje Vollmers
3.3. Die anwesenden Dorfbewohner und der Deichgraf
3.4. Der Dienstjunge Carsten und Frau Vollina
3.5. Der Ich-Erzähler
4.Aberglaube und Vernunft
4.1. Die Schimmelreitererscheinung
4.1.1. Der mysteriöse Reiter am Anfang
4.1.2. Die sachliche Erklärung des Schulmeisters
4.1.3. Die Funktion des Schimmelreiters
4.2. Das Deichopfer
4.2.1. Das Bauopfer
5.Gründe für die Beibehaltung des ursprünglichen Schlussteils
5.1. Carsten als Quellenangabe
5.2. Unterstreichung des Mysteriösen der Schimmelreitergestalt im ersten Teil der ursprünglichen Schlussszene
5.3. Konsequente Fortsetzung des bisher Erzählten im zweiten Teil der ursprünglichen Schlussszene
6.Das übernommene Motiv des „Pferdsgerippes“
7.Gründe für die Streichung des ursprünglichen Schlussteils
7.1. Die fehlende Knappheit
7.2. Die fehlende Nüchternheit
7.3. Das Zerstören der Stimmung
8.Fazit
Diese Bachelorarbeit analysiert die vom Autor Theodor Storm kurz vor der Publikation gestrichene Schlussszene seiner Novelle "Der Schimmelreiter". Ziel ist es, die Gründe für diese Streichung zu eruieren und zu untersuchen, wie Storm durch die Veränderung des Textendes das Spannungsfeld zwischen Aberglauben und Rationalität sowie die Erzählstimmung beeinflusste.
2. Der ursprüngliche Schluss
„Es soll nämlich, und ich darf das nicht vergessen, damals doch noch einer auf dem neuen Deich zurückgeblieben sein, während die Uebrigen südwärts nach der Stadt und von dort nach ihrem Kirchdorf auf der Geest zurückgeflohen waren, wo sie außer ihrem Deichgrafen nebst Weib und Kind die ganze Marsch beisammenfanden.
Der Zurückgebliebene aber sollte jener Carsten, der frühere Dienstjunge des Deichgrafen gewesen sein, ein ebenso abergläubiger, als, wenn seine Neugierde ins Spiel kam, waghalsiger Geselle, und derzeit noch im Dienst des Ole Peters. Er wollte an der Binnenkante des Deiches dem letzten Ritte seines früheren Herrn gefolgt sein; und einen ganz Sack voll hatte er bei seiner Rückkehr auszukramen. ,Hu aber, Frau Vollinaʻ, sagte er zu seiner Wirthin, und das Weib kreuzte schon in behaglichem Schauder die Hände über ihren Leib; ,da begab sich etwas! Ich lag dicht hinter ihm am Deich; da stieß er dem Schimmel die Sporen in die Seiten und riß das Maul auf und schrie; verstehen konnt' ich's nicht, der Lärm umher war gar zu grauslich! Aber es wird wohl sein dummes „Vorwärts!“ gewesen sein, womit er allezeit sein Thier zu treiben pflegte. Ja, vorwärts! Was meint Ihr, Frau Vollina?ʻ
,Ja, was mein' ich?ʻ plapperte das Weib. ,So sprich doch Carsten!ʻ
,Da ist nicht gut zu sprechen, Frau!ʻ fuhr Carsten fort: ,so arg ich meine Auge aufriß, ich sah itzt weder den Schimmel, noch ein ander Pferd; nur den Reiter sah ich, und es war noch, als ritte er mit seinen Beinen in der Luft; aber ein schwarzes Unding war über ihm und hielt ihn in seinen Krallen. Dann begann ein fürchterliches Hülfsgeschrei, das lauter war, als Sturm und Wasser; aber, Frau, wen der Teufel in den Krallen hat, dem kann nur Gott zu Hülfe kommen!ʻ
,Und dann? Und dann?ʻ rief Frau Vollina.
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte des "Schimmelreiters" ein und stellt die Fragestellung zur gestrichenen Schlussszene vor.
2.Der ursprüngliche Schluss: Hier wird die gestrichene Passage aus der Urfassung im Wortlaut dokumentiert und in den Kontext der Erzählung eingeordnet.
3.Die verschiedenen Quellenangaben: Dieses Kapitel analysiert die Rollen der verschiedenen Erzähler (Schulmeister, Antje Vollmers, Carsten u.a.) und deren Zuverlässigkeit.
4.Aberglaube und Vernunft: Die Untersuchung beleuchtet die Motive des Schimmelreiters und des Deichopfers als zentrale Konfliktpunkte zwischen Aberglauben und Rationalität.
5.Gründe für die Beibehaltung des ursprünglichen Schlussteils: Hier werden Argumente dargelegt, die für die ursprüngliche Fassung sprechen, insbesondere die Funktion als logische Quellenangabe.
6.Das übernommene Motiv des „Pferdsgerippes“: Die Analyse zeigt, warum Storm dieses spezielle Motiv trotz der Schlussstreichung beibehielt.
7.Gründe für die Streichung des ursprünglichen Schlussteils: Das Kapitel erörtert die formalen und inhaltlichen Gründe für die Kürzung, wie fehlende Knappheit und die Zerstörung der Stimmung.
8.Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Streichung die richtige Entscheidung war, um die Offenheit und Wirkung der Novelle zu wahren.
Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Novelle, Literaturanalyse, Schlussszene, Aberglaube, Vernunft, Rahmenerzählung, Hauke Haien, Deichopfer, Quellenkritik, Entstehungsgeschichte, Motivik, Aufklärung, Schauerliteratur
Die Arbeit untersucht eine etwa fünfseitige Passage, die Theodor Storm kurz vor der Veröffentlichung seines letzten Werkes "Der Schimmelreiter" aus dem Schluss strich, und analysiert die Gründe für diesen Eingriff.
Im Zentrum stehen das Spannungsverhältnis zwischen Aberglauben und Rationalität, die Funktion der verschiedenen Erzählinstanzen sowie die Bedeutung der gestrichenen Szene für die Stimmung der Novelle.
Die Arbeit geht der Frage nach, warum Storm die Schlussszene strich und ob das ursprüngliche Ende der Wirkung des Gesamtwerkes möglicherweise gerechter geworden wäre als die gekürzte Fassung.
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die sowohl die Primärliteratur (die Novelle und Briefe von Storm) als auch relevante sekundärliterarische Forschungsbeiträge zur Erzähltechnik kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Erzähler, die detaillierte Motivuntersuchung (Schimmelreiter und Deichopfer), die Gegenüberstellung von Pro- und Contra-Argumenten für die Schlussfassung sowie die Analyse der Stiländerung.
Die wichtigsten Begriffe sind Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Aberglaube, Vernunft, Erzählstruktur, Motivik und Literaturanalyse.
Carsten ist im ursprünglichen Schluss der einzige Augenzeuge des Untergangs von Hauke Haien. Durch seine Streichung entfiel eine wichtige Informationsquelle, was die Erzählung ambivalenter macht.
In der ursprünglichen Fassung versucht der Schulmeister, das Geschehen rational zu erklären, was seine aufklärerische Rolle betont. Durch die Streichung wird seine Erklärung weniger definitiv, wodurch Storm ein offeneres Ende erzielt.
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