Masterarbeit, 2014
60 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Von der Monogamie zur Polyamorie
2.1 Vormoderne Liebeskonzepte: Die Entwicklung der Mononormativität
2.2 Moderne Liebeskonzepte: Autonomie bei der Partnerwahl
2.2.1 Die Entwicklung der Liebesheirat
2.2.2 Individualisierung und Liebe
2.2.3 Das Ideal der romantischen Liebe
2.2.4 Das Dilemma der romantischen Liebe
2.2.5 Kritik an Mononormativität
2.3 Postmoderne Liebeskonzepte: Autonomie der Liebe
2.3.1 Pluralisierung der Beziehungsformen
2.3.2 Die Reine Beziehung und Partnerschaftliche Liebe
2.3.3 Polyamorie: Mehrere Partner lieben
2.3.3.1 Wertvorstellungen in polyamorösen Partnerschaften
2.3.3.2 Beziehungsformen in polyamorösen Partnerschaften
2.3.3.3 Symbole und Rituale der Poly-Szene
3. Polyamorie in „Die Liebesblödigkeit“ (2005) von Wilhelm Genazino
3.1 „Die Liebesblödigkeit“ (2005) von Wilhelm Genazino
3.2 Romantische Liebe und partnerschaftliche Liebe in „Die Liebesblödigkeit“
3.3 Monogamie in „Die Liebesblödigkeit“
3.4 Individualität und Individuation in „Die Liebesblödigkeit“
3.5 Polyamorie in „Die Liebesblödigkeit“
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Liebeskonzept der Polyamorie und dessen literarische Darstellung in Wilhelm Genazinos Roman „Die Liebesblödigkeit“ (2005). Dabei steht die zentrale Frage im Mittelpunkt, wie das Modell der Polyamorie als mögliche Antwort auf das Dilemma der romantischen Liebe in einer modernen, ausdifferenzierten Gesellschaft fungiert und inwiefern der Roman gesellschaftliche Zwänge bei der Partnerwahl widerspiegelt.
3.5 Polyamorie in „Die Liebesblödigkeit“
Genazinos Protagonist liebt beide Frauen. Eine Partnerin kann nicht alle seine Bedürfnisse befriedigen.
Wenn ich längere Zeit mit nur einer Frau Umgang habe (weil Sandra verreist ist oder Judith alleine sein möchte), erleide ich prompt die Zustände der Verlassenheit und des Ausgeliefertseins, das heißt, es ergreift mich das Dauerleiden aller Monogamen. (L 23f.)
Nach schier endlosen Querelen, welche Frau nun die richtige für ihn ist, erkennt der Ich-Erzähler, dass er nur im polyamorösen Beziehungskonzept Erfüllung finden kann. „Judith! Sandra! Ich will beide Frauen jetzt bei mir haben und mir von ihnen versichern lassen, daß rötlich-brauner Urin nicht schlimmer ist als grünlich-bleicher Grippeauswurf“ (L 67). Dementsprechend verlangt er von Judith und Sandra Bestätigung dafür, dass krankhafter Urin nicht schlimmer sei als Grippeauswurf, dass es nicht schlimmer ist, zwei Frauen anstatt einer zu lieben. Er sucht also Anerkennung für seine „Disposition“ und hofft im Überschreiten moralischer Grenzen, er selbst werden zu können. Das Leben mit zwei Frauen schenkt dem liebesverarmten Individuum darüber hinaus die Zuneigung, die es braucht:
„Ich kann die dauerhafte Liebe zu zwei Frauen nur empfehlen. Sie wirkt wie eine wunderbare Doppelverankerung in der Welt. Man wird mit Liebe gemästet, und das ist genau das, was ich brauche“. (L 23)
1. Einleitung: Einführung in das Thema, Vorstellung der Forschungsfrage sowie Erläuterung der Bedeutung der Polyamorie im literarischen und gesellschaftlichen Kontext.
2. Von der Monogamie zur Polyamorie: Umfassende soziologische Analyse der historischen Entwicklung von der traditionellen Ehe hin zu modernen und postmodernen Liebesmodellen.
3. Polyamorie in „Die Liebesblödigkeit“ (2005) von Wilhelm Genazino: Literarische Textanalyse des Romans unter Berücksichtigung der Beziehungskonzepte, der Identitätsfindung des Protagonisten und der Kritik an gesellschaftlichen Normen.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus der soziologischen Theorie und der literarischen Analyse.
Polyamorie, Romantische Liebe, Monogamie, Mononormativität, Individuation, Wilhelm Genazino, Die Liebesblödigkeit, Beziehungsformen, Moderne, Postmoderne, Paarsoziologie, Intimität, Autonomie, Identität, Soziale Konstruktion.
Die Arbeit untersucht das Beziehungskonzept der Polyamorie und analysiert, wie dieses Konzept in dem Roman „Die Liebesblödigkeit“ von Wilhelm Genazino literarisch verarbeitet wird.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Ehe, der Wandel von Liebesvorstellungen (von der Romantik bis zur Postmoderne), die Kritik an der Mononormativität sowie die Suche des modernen Individuums nach Identität.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Polyamorie in der Literatur als Ausdruck eines veränderten Liebesverständnisses dient und inwiefern sie den Protagonisten bei der Lösung seines inneren Konflikts unterstützt.
Die Arbeit kombiniert eine soziologische Literaturanalyse zur Theoriebildung mit einer detaillierten analytischen Textarbeit an Wilhelm Genazinos Roman.
Der Hauptteil gliedert sich in einen soziologischen Abriss der Beziehungsgeschichte und eine anschließende inhaltliche Untersuchung der Beziehungen und Entscheidungsprozesse des Protagonisten im Roman.
Wichtige Begriffe sind Polyamorie, romantische Liebe, Mononormativität, Individuation, Identität und die spezifische Prosa-Struktur bei Genazino.
Der Protagonist durchläuft einen langwierigen Selbstwerdungsprozess; sein fortgeschrittenes Alter verdeutlicht, dass er erst nach einer intensiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen zur Akzeptanz seiner polyamorösen Disposition findet.
Er empfindet die Liebe zu zwei Frauen trotz moralischer Selbstzweifel als „wunderbare Doppelverankerung“ in der Welt, die ihm die für sein Wohlbefinden notwendige Zuneigung und Freiheit gewährt.
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