Examensarbeit, 2015
89 Seiten
1. Einleitung
2. Der Aufstieg des Fernsehens
2.1 Entdeckungen und Erfindungen
2.2 Fernsehversuche bis zum Zweiten Weltkrieg
2.3 Der Durchbruch nach dem Krieg
3. Die Raumfahrt in der Populärkultur seit dem 19. Jahrhundert
3.1 Technikeuphorie und Selbstidentifikation in der amerikanischen Kultur
3.2 Frühe Science-Fiction und Raumfahrtvorstellungen
3.4 Werben für die Raumfahrt: Wernher von Braun als advocat of spaceflight
4. Die NASA und das Fernsehen
4.1 Der Realitätsschub durch Sputnik und die Gründung der NASA
4.2 Beginn der intensiven Fernsehberichterstattung: Die Mercury Seven
4.3 Die Öffentlichkeit und Apollo
4.4 Star Trek: Raumfahrt als Utopie
4.4 Raumfahrt wird zum Medienevent
4.5 Der Begriff Medienevent in Bezug auf die Raumfahrt
4.6 Exkurs: Die Bedeutung der Satellitentechnik für die Entwicklung des Fernsehens
5. Die Liveberichterstattung zur Mondlandung
5.1 Vier Topoi in der Geschichte der Raumfahrt
5.2 Die Berichterstattung in den USA
5.2.1 Ein Ereignis als Ausdruck für die gesamte Nation
5.2.2 Die Darstellung der Astronauten
5.2.3 New frontier und cultural colonialism
5.3 Die Berichterstattung in der Bundesrepublik
5.3.1 Hervorhebung des Ereignisses
5.3.2 Abgrenzung zum sowjetischen Raumfahrtprogramm
5.3.3 National Identify und Founding Fathers - Der deutsche Anteil an Apollo 11
5.4 Synthese und Schlussfolgerung
5.6 Die Wirkung des Medienevents
6. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die wechselseitige Beeinflussung von Raumfahrt und Fernsehen während der 1960er-Jahre, mit einem besonderen Fokus auf die Berichterstattung zur Mondlandung als politisch funktionalisiertes Medienevent in den USA und der Bundesrepublik Deutschland.
4.4 Raumfahrt wird zum Medienevent
Die Verantwortlichen waren sich des Problems bewusst, dass die Erfolge, welche das Apollo-Programm bis dato zu verzeichnen hatte, für die Bevölkerung letztlich nur von geringem Interesse waren. Mit allen Mitteln versuchte man deshalb, die Missionen attraktiver für die Öffentlichkeit zu machen. Bereits nach den Mercury-Missionen versuchte die NASA dem Schwinden der Aufmerksamkeit entgegenzuwirken. Die Lockerung der Informationspolitik und Liveübertragung des Funkverkehrs seit den Gemini-Missionen führte tatsächlich zu einer signifikanten Verbesserung der Darstellung indem dadurch die Spannung auch während der mittlerweile langen Flugphasen aufrecht erhalten werden konnte.
We can put up the most exotic sensors to check on radiation and we can discover seventy-five new elements and this won‘t mean a damn thing to Mr. Jones down the street who pays the tax dollar to keep us in business. [...] We could aid their understanding a lot more if we would show them maybe twenty minutes of TV a day during an Apollo mission, which we could do simply.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Mondlandung von 1969 ein und skizziert die methodische Untersuchung der wechselseitigen Beeinflussung von Raumfahrt und Fernsehen im Kontext des Kalten Krieges.
2. Der Aufstieg des Fernsehens: Dieses Kapitel zeichnet die technologische Entwicklung des Fernsehens von ersten Versuchen im 19. Jahrhundert bis zu seinem Status als Leitmedium in den 1950er-Jahren nach.
3. Die Raumfahrt in der Populärkultur seit dem 19. Jahrhundert: Hier wird analysiert, wie die Populärkultur und Science-Fiction den Boden für die allgemeine Akzeptanz und spätere politische Instrumentalisierung der Raumfahrt bereiteten.
4. Die NASA und das Fernsehen: Dieses Kapitel untersucht die bewusste PR-Strategie der NASA, die Kooperation mit Fernsehsendern zu suchen und die Raumfahrt als ziviles, nationales Projekt der USA zu etablieren.
5. Die Liveberichterstattung zur Mondlandung: Hier erfolgt die vergleichende Analyse der Berichterstattung in den USA und der Bundesrepublik, wobei Konzepte wie Medienevents und nationale Identitätsbildung im Zentrum stehen.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Mondlandung durch das Fernsehen als politisches Medienevent funktionalisiert wurde, dessen Popularität jedoch nach Erreichen des primären Ziels und aufgrund veränderter gesellschaftlicher Prioritäten wieder abnahm.
Raumfahrt, Fernsehen, Medienevent, Mondlandung, Apollo 11, NASA, Kalter Krieg, Space Race, Populärkultur, Science-Fiction, Öffentlichkeitsarbeit, Ersatzkrieg, nationale Identität, Kommunikationstechnik, Massenmedium.
Die Arbeit analysiert die mediengeschichtliche Bedeutung der bemannten Raumfahrt, insbesondere wie die NASA das Fernsehen nutzte, um die Mondlandung als nationales Ereignis und politisches Symbol zu inszenieren.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Fernsehens, die Rolle der Science-Fiction in der amerikanischen Kultur, die Informationsstrategien der NASA und die vergleichende Analyse der Berichterstattung in den USA und der Bundesrepublik.
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum die Mondlandung als Medienevent politisch funktionalisiert wurde und welchen Einfluss die Darstellung auf die öffentliche Meinungsbildung hatte.
Die Arbeit nutzt einen medienwissenschaftlich-hermeneutischen Ansatz, der insbesondere die Performativität von Medienereignissen und deren gesellschaftliche Sinnstiftung untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Entwicklung des Fernsehens, die populärkulturellen Wurzeln der Raumfahrtbegeisterung, die strategische Allianz zwischen NASA und TV-Networks sowie die detaillierte Untersuchung der Liveberichterstattung von 1969.
Wesentliche Begriffe sind "Medienevent", "Ersatzkrieg", "national identity" (nationale Identität) und "space-keynesianism", die das Verhältnis von Politik, Technik und medialer Darstellung beschreiben.
Von Braun fungierte als zentraler Befürworter der Raumfahrt ("advocat of spaceflight"), der durch seine Kooperationen mit Massenmedien wie dem Collier's-Magazin und Disney half, das komplexe Thema Raumfahrt in ein verständliches und populäres Narrativ zu übersetzen.
Während die US-Berichterstattung die Mondlandung als rein amerikanische Leistung und Symbol nationalen Triumphes feierte, rückte die deutsche Berichterstattung – bei gleichzeitigem Lob der US-Leistung – zusätzlich den deutschen Anteil am Raumfahrtprogramm in den Vordergrund, um einen eigenen nationalen Bezugsrahmen zu schaffen.
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